Viele Tote bei Anschlag auf Geistliche in Kabul | Aktuell Welt | DW | 20.11.2018
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Afghanistan

Viele Tote bei Anschlag auf Geistliche in Kabul

Bei einem Anschlag auf eine religiöse Versammlung sind in Kabul mindestens 50 Menschen getötet worden. Mehr als 70 wurden bei der Explosion verletzt. Sämtliche Opfer sind Geistliche, wie die Deutsche Welle erfuhr.

Sicherheitskräfte am Tatort (Reuters/O. Sobhani)

Sicherheitskräfte am Tatort

Bei einem Selbstmordanschlag in Kabul sind mindestens 50 Menschen getötet worden. Mehr als 70 Menschen wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums verletzt, mindestens 24 von ihnen schwebten in Lebensgefahr. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte dem paschtunischen Programm der Deutschen Welle, sämtliche Opfer des Anschlags seien Geistliche.

Die italienische Nichtregierungsorganisation Emergency teilte im Kurzbotschaftendienst Twitter mit, ein dutzend Verletzte seien in ihre Einrichtung für Traumapatienten gebracht worden, alle seien "schwer verletzt". 

Laut dem Sprecher des Innenministeriums, Nadschib Danisch, sprengte sich ein Selbstmordattentäter während einer religiösen Zeremonie anlässlich des Feiertags des Geburtstags des Propheten Mohammed in die Luft. Augenzeugen zufolge, die der Fernsehsender ToloTV zitierte, befanden sich zu dem Zeitpunkt mindestens 1000 Menschen in der Hochzeitshalle an der Flughafenstraße. Dort reihen sich mehrere Hochzeitshallen aneinander, die abends alle mit bunten und festlichen Lichtern beleuchtet sind. 

Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Für die meisten Anschläge in Afghanistan übernahm zuletzt allerdings die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) die Verantwortung. 

Die UN-Mission in Afghanistan (UNAMA) zeigte sich angesichts des Angriffs an einem religiösen Feiertag "empört". Es gebe glaubwürdige Berichte über eine hohe Zahl an zivilen Opfern, hieß es in einem Tweet der Organisation. Die UN-Familie drücke den vielen betroffenen Familien ihr tiefstes Beleid aus, hieß es weiter. 

Ein Verletzter am Anschlagsort (Reuters/M. Ismail)

Ein Verletzter am Anschlagsort

Kabul ist für afghanische Zivilisten der gefährlichste Ort im ganzen Land geworden. Erst vergangene Woche hatte sich ein Selbstmordattentäter am Rande einer Demonstration im Zentrum Kabuls in die Luft gesprengt. Dabei waren mindestens sechs Menschen gestorben. Der Anschlag vom Dienstag ist das 20. große Attentat in Kabul in diesem Jahr. Bei den Anschlägen wurden fast 490 Menschen getötet und mehr als 930 Menschen verwundet. 

Eine Welle der Gewalt hatte das Land anlässlich der Parlamentswahlen erlebt, die im Oktober abgehalten wurden. Hunderte Menschen wurden dabei getötet oder verletzt. 

Die Gewalt richtet sich auch immer wieder gegen religiöse Führer. Anfang Juni sprengte sich in Kabul ein Selbstmordattentäter in der Nähe eines Treffens von Religionsführern in die Luft, die kurz zuvor Anschläge als unislamisch verurteilt hatten.

stu/uh (dpa, afp)