Viele Spekulationen vor IOC-Urteil | Sport | DW | 04.12.2017
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Doping in Russland

Viele Spekulationen vor IOC-Urteil

Wird Russland tatsächlich von den Olympischen Spielen in Pyeongchang ausgeschlossen? Es wäre ein Novum. Das IOC entscheidet an diesem Dienstag über Sanktionen im Dopingskandal. Es gibt viele Fragen, wir geben Antworten.

Was steht an?
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) entscheidet an diesem Dienstag in Lausanne über Sanktionen gegen Russland im Dopingskandal während der Winterspiele 2014 in Sotschi. Im Raum stehen sowohl ein Komplett-Ausschluss des russischen Teams von den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang im Februar sowie ein Start russischer Athleten unter neutraler Flagge. Außerdem sind weitere Einschränkungen möglich: der Ausschluss der russischen Athleten von der Eröffnungsfeier, ein Verbot der russischen Hymne oder eine Geldstrafe von 100 Millionen US-Dollar. 

Womit ist zu rechnen? 
Viel hängt von den Ergebnissen der IOC-Kommission unter Leitung des früheren Schweizer Bundesrates Samuel Schmid ab. Die Kommission ermittelte in den letzten Monaten in der Frage, inwieweit Behörden und Polizei am Dopingsystem in Russland beteiligt waren und stellt ihre Ergebnisse am Dienstag der Exekutive des IOC vor. Bislang sickerten keine Informationen durch.

Wie wurde der Skandal bekannt? 

Russland Direktor Anti-Doping-Labor Grigory Rodchenkov (picture-alliance/dpa/Sportphoto.ru)

Kronzeuge Grigori Rodschenkow

Die Dokumentation "Geheimsache Doping - Wie Russland seine Sieger macht" der ARD-Dopingredaktion brachte schon Ende 2014 den Skandal ins Rollen. Zwei Berichte des WADA-Ermittlers Richard McLaren sowie die Aussagen des Kronzeugen Grigori Rodschenkow erhärteten die Vorwürfe. In seinen Tagebüchern taucht der Name des ehemaligen Sportministers Witali Mutko als Verantwortlicher für das Dopingsystem auf. Das IOC hält Rodschenkow für einen sehr glaubwürdigen Zeugen. Laut McLaren sollen in der Zeit von 2011 bis 2015 rund 1000 russische Sportler von dem System profitiert haben.

Wie passierte genau in Sotschi? 
Rodschenkow, früherer Leiter des Moskauer Dopinglabors, sagte nach seiner Flucht in die USA aus, dass in Sotschi positive Proben mithilfe des Geheimdienstes ausgetauscht und manipuliert worden sind. Insgesamt sollen über ein Dutzend russische Medaillengewinner von Sotschi gedopt gewesen sein.

Wurden bereits Strafen ausgesprochen?
Ja. Das IOC ließ mittels einer weiteren Kommission, die unter der Leitung des Schweizer IOC-Mitglieds Denis Oswald steht, die Proben der russischen Sotschi-Starter überprüfen. Oswald griff erstaunlich hart durch und sperrte bislang 25 russische Sotschi-Teilnehmer - darunter drei Olympiasieger - lebenslang für alle Funktionen bei Olympischen Spielen.

Welche Haltung nimmt Russland ein? 

Russland Doping (picture-alliance/AP Photo/L. Jin-man)

Russland bestreitet Staatsdoping

Bislang hat das Riesenreich eine staatliche Beteiligung am Dopingsystem stets ausgeschlossen und sich gegen jegliche Sanktionen gewehrt. Selbst ein Start unter neutraler Flagge kommt für Russland nicht in Frage. Staatschef Wladimir Putin machte bereits deutlich, dass eine solche Anordnung als "Erniedrigung des Landes" angesehen werde. Ein Boykott der Spiele von russischer Seite ist daher gut denkbar und bereits angekündigt für den Fall, dass die russischen Athleten unter neutraler Flagge starten müssen.   

Welchen Stellenwert hätte ein Ausschluss Russlands? 
In der über 120-jährigen Geschichte der Olympischen Spiele der Neuzeit wäre das ein Novum. Noch nie wurde das gesamte Olympia-Team eines Land wegen eines Dopingvergehens für die Olympischen Spiele gesperrt. Zwar gab es schon Ausschlüsse, die waren aber alle politisch motiviert. Russland wäre endgültig gebrandmarkt, sein bislang gutes Verhältnis zum IOC wäre wohl für lange Zeit zerstört.

Wie ist die Meinung in Deutschland? 
Unterschiedlich. Rechtsexperten wie Michael Lehner oder Sportpolitiker wie Dagmar Freitag fordern den Ausschluss, Vertreter von Sportverbänden warnen davor, unschuldige Athleten aus Russland zu sperren und sprechen sich gegen einen Kollektiv-Bann aus.

sw/asz (dpa)

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