Verdächtige nach Anschlag auf Kopten getötet | Aktuell Nahost | DW | 04.11.2018
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Religiös motivierte Unruhen

Verdächtige nach Anschlag auf Kopten getötet

Nach dem Angriff auf koptische Pilger in Ägypten haben Sicherheitskräfte 19 Verdächtige erschossen. Derweil wurden die Opfer des Anschlags von Hunderten Gläubigen zu Grabe getragen.

Ägypten | Anschlag auf koptische Christen in Al-Minya (Getty Images/AFP/M. El-Shahed)

Nach offiziellen Angaben hatten die Dschihadisten aus diesem Fahrzeug heraus das Feuer auf Polizisten eröffnet

Nach dem schweren Anschlag am Freitag folgt nun die blutige Reaktion der ägyptischen Sicherheitskräfte. 19 mutmaßlich in den Überfall auf einen Pilgerbus in der Provinz Al-Minja verwickelte Dschihadisten seien getötet worden, teilte das Innenministerium in Kairo mit.

Sicherheitskräfte hätten die Männer "bei der Verfolgung terroristischer Elemente" in der Wüste der Provinz Al-Minja aufgespürt. Die "Terroristen" hätten das Feuer eröffnet. Die Polizisten hätten daraufhin zurückgeschossen. Das ägyptische Fernsehen zeigte Bilder, die das Innenministerium zur Verfügung gestellt hatte. Darauf waren die Leichen der Dschihadisten zu sehen. Wann sich die Schießerei ereignete, wurde nicht mitgeteilt.

Bei dem Anschlag auf den Pilgerbus koptischer Christen waren am Freitag sieben Menschen getötet worden. Sie waren auf dem Weg zum Kloster des Heiligen Samuel, das sich ebenfalls in der Provinz Al-Minja befindet. Nach Angaben eines Sprecher der koptischen Kirche waren bei dem Überfall 19 Pilger verletzt worden. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte die Tat für sich.

Wut und Verzweiflung unter den Gläubigen

Derweil nahmen Hunderte Menschen an der Trauerfeier und Beerdigung der Opfer teil. Wut und Verzweiflung waren bei der Trauerfeier zu spüren. "Mit unseren Seelen, mit unserem Blut, werden wir das Kreuz verteidigen", skandierte die Menge. Kopten-Papst Tawadros II. sagte in einer Videobotschaft, dass das "vereinte Ägypten den Terrorismus besiegen" werde. Auch Präsident Abdel Fattah al-Sisi sagte dem Terrorismus abermals den Kampf an.

Ägypten | Trauergottesdienst für die in Al-Minya bei einem Anschlag getöten koptischen Pilger (picture-alliance/dpa/M. Hakim)

Gebet für die getöteten Pilger bei einer Trauerfeier in Al-Minya

Bereits im Mai vergangenen Jahres waren bei einem Anschlag des IS auf das selbe Kloster 29 Menschen getötet und 22 verletzt worden. Ägypten hatte als Reaktion darauf Ziele in Libyen angegriffen.

Die Sicherheitslage in Ägypten ist seit Jahren angespannt. Immer wieder kommt es zu Anschlägen, bei denen häufig Sicherheitskräfte oder koptische Christen das Ziel sind. Das katholische Kirchenoberhaupt Papst Franziskus zeigte sich erschüttert über den tödlichen Angriff vom Freitag: "Ich bete für die Opfer, die nur getötet wurden, weil sie Christen waren", sagte er bei einer Ansprache an Gläubige auf dem Petersplatz in Rom.

Von den knapp 100 Millionen Ägyptern sind laut Schätzungen rund zehn Prozent koptische Christen. Sie sind für Präsident Al-Sisi als Machtbasis von großer Wichtigkeit. Schon nach ähnlichen Terrorakten hatten ägyptische Sicherheitskräfte in der Vergangenheit angebliche Attentäter erschossen. Deren Verbindung zu den Verbrechen wurde öffentlich aber oftmals nicht nachgewiesen.

uh/AR  (dpa, afp)

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