Venezuelas Vize unter Drogen-Verdacht | Amerika - Die aktuellsten Nachrichten und Informationen | DW | 14.02.2017
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Venezuela

Venezuelas Vize unter Drogen-Verdacht

Die USA werfen Venezuelas Vizepräsident Tareck El Aissami vor, in Drogenschmuggel verwickelt zu sein. Das ist Teil einer ganzen Serie von Anschuldigungen gegen das südamerikanische Land. Aus Bogotá Tobias Käufer.

Tareck El Aissami gilt als der Mann der Zukunft für Venezuelas Sozialisten. Dem 42-jährigen Karrierepolitiker gelang schon früh der Aufstieg ins Zentrum der Macht. Er war 33 Jahre alt, als ihn Revolutionsführer Hugo Chávez zum Innenminister machte - mit Zugang zum Sicherheits- und Polizeiapparat des südamerikanischen Landes. Vor ein paar Wochen ernannte der amtierende Präsident Nicolas Maduro ihn zu seinem Stellvertreter. Ein Signal nach innen wie nach außen: Der in Venezuela in einer tiefen Krise steckende Maduro hatte sich für einen Nachfolger entschieden.

Doch ausgerechnet Tareck El Aissami soll ein Drogenschmuggler sein. Das zumindest ist der Vorwurf aus Washington. Die US-Regierung verhängte Sanktionen gegen den Politiker und setzte ihn auf die schwarze Liste des internationalen Drogenhandels. Sein Vermögen in den USA wurde eingefroren. Zumindest in den Vereinigten Staaten darf niemand mehr mit ihm Geschäfte machen, ohne dafür bestraft zu werden. El Aissami und dessen Vertrauensmann Samark José López Bello seien für Millionen-Schiebereien verantwortlich, hieß es aus Washington.

Präsidenten-Neffen und politische Strippenzieher

El Aissami sieht sich als Opfer. Die sei eine Strategie gegen einen "antiimperialistischen Revolutionär", ließ er wissen und schickte eine Kampfansage hinterher: "Venceremos!" ("Wir werden siegen!"). Zumindest das erinnert an die ersten Reaktionen zahlreicher südamerikanischer Fußball-Funktionäre, als die US-Justiz sie der Korruption im Rahmen des FIFA-Skandals überführte. Auch damals sahen die Beschuldigten sich als Opfer und warfen der US-Justiz zunächst vor, sie als Täter zu verunglimpfen.

Nicolas Maduro Cilia Flores Venezuela (Getty Images/AFP/F. Parra)

Venezuelas Präsidentenpaar Nicolas Maduro und Cilia Flores - auch ihre Neffen sind des Drogenschmuggels angeklagt

Der "Fall Venezuela" liegt aber anders. Es ist nicht das erste Mal, dass Caracas ins Visier der US-amerikanischen Drogenfahndung geraten ist. Es gibt weitere Fälle, in denen Venezuela zumindest aus heutiger Sicht nicht gut dasteht. Vor allem die Geschichte von Francisco Flores de Freitas und Efrain Antonio Campo Flores, den Neffen des venezolanischen Präsidentenpaares Nicolas Maduro und Cilia Flores, belastet die Beziehungen zwischen Washington und Caracas.

Die jungen Männer sind von der US-amerikanischen Justiz des Drogenhandels überführt worden. Im März soll das Urteil gefällt werden. Die Flores-Neffen sollen versucht haben, rund 800 Kilogramm Kokain über Honduras in die USA zu schmuggeln. Die Ermittler stützen sich auf Indizien, die Präsidentenfamilie spricht dagegen von einer Entführung und gekauften Zeugen. Es existieren Tonaufnahmen, in denen einer der Neffen damit prahlt, die komplette Kontrolle über den Präsidentenhangar im Flughafen in Maiquetia vor den Toren der venezolanischen Hauptstadt zu besitzen.

Parlamentspräsident Diosdado Cabello (picture-alliance/dpa/M. Gutiérrez)

Und noch ein Politiker unter Verdacht: Ex-Parlamentspräsident Diosdado Cabello

Und noch ein Fall sorgte für Aufsehen: Schon 2015 erhoben die USA gegen Diosdado Cabello, den ehemaligen Parlamentspräsidenten und einflussreichen politischen Strippenzieher, schwere Vorwürfe. Das "Wall Street Journal" berichtete, Cabello sei der Kopf einer Drogenschmuggelbande. Wie El Aissami soll auch Cabello seinen Einfluss und seinen unkontrollierten Zugang zu den Flughäfen des Landes genutzt haben, um Drogenschmuggel aus Venezuela nach Mexiko und in die USA zu organisieren. Unterstützt haben sollen sie dabei ranghohe Militärs.

Venezuela | Proteste gegen die Bargeldverknappung (picture-alliance/EFE/dpa/H. Matheus)

Massenproteste gegen die Regierung - hier im Dezember gegen die Bargeldverknappung

Eine Frage der Glaubwürdigkeit

Die Vorwürfe wiegen schwer und werden in den nächsten Monaten das diplomatische Verhältnis der beiden Länder prägen. Sollten sie zutreffen, würden sie erklären, warum Venezuelas Machthaber sich bislang so vehement gegen einen demokratischen Wandel im Land stemmen - obwohl die Wähler bei den Parlamentswahlen eindeutig für einen Politikwechsel votiert haben, obwohl es Massenproteste gibt und obwohl der Vatikan zu vermitteln bemüht ist. Die Regierung will also möglicherweise das eigene Geschäft protegieren.

Sind die Vorwürfe allerdings haltlos, dürfte das die Ermittlungen der US-amerikanischen Drogenbehörde in den nächsten Jahren in Lateinamerika vor erhebliche Probleme stellen. Dann steht ihre Glaubwürdigkeit auf dem Spiel.

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