US-Staatsanwälte machen Facebook Druck | Aktuell Amerika | DW | 15.10.2021
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Soziale Medien

US-Staatsanwälte machen Facebook Druck

Wer sich ärgert, liest länger - und bringt Geld. Auf diese Faustformel bringen Insider das System hinter Facebook. US-Ankläger sehen jetzt genauer hin.

Generalstaatsanwälte aus 14 US-Bundesstaaten wollen von Facebook wissen, ob prominente Impfgegner bei dem Online-Netzwerk von Sonderregeln profitiert haben. In einem Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg beziehen sie sich auf Medienberichte, wonach das Online-Netzwerk für bekannte Nutzer Ausnahmen bei der Durchsetzung seiner Inhalte-Regeln gemacht hatte.

Das System, das dies möglich gemacht haben soll, heißt "Cross-Check" und bringt Facebook schon seit Wochen Ärger. Die Generalstaatsanwälte fragen nun, ob unter den prominenten Nutzern, für die es Ausnahmen bei "Cross-Check" gab, auch Impfgegner mit vielen Facebook-Abonnenten waren. Speziell interessieren sie sich für das sogenannte "Desinformations-Dutzend". Das sind die wenigen Personen, von denen nach Analysen ein Großteil der Falschinformationen über Corona-Impfstoffe in den USA verbreitet wurde.

Polarisierung per Algorithmus

Die Ankläger verweisen auf konkrete Fälle, in denen Beiträge von Impfgegnern auf der Plattform geblieben seien - und wollen wissen, ob dabei finanzielle Überlegungen eine Rolle gespielt hätten. Das "Cross-Check"-System wurde laut Facebook eingeführt, um Fehler beim Entfernen von Inhalten zu vermeiden. Dabei werden solche Entscheidungen in einigen Fällen einer zweiten Prüfung unterzogen - zum Beispiel um zusätzlichen Kontext oder andere Faktoren wie Nachrichtenwert zu berücksichtigen.

Frances Haugen Facebook-Whistleblowerin gibt sich zu erkennen

"Gewinnmaximierung an erster Stelle": Ex-Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen (Archivbild)

Das Unternehmen hatte wiederholt betont, konsequent gegen Falschinformationen über Corona-Impfstoffe vorzugehen. Laut den Enthüllungen der ehemaligen Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen steht allerdings die Gewinnmaximierung an oberster Stelle. So sorgten Algorithmen gezielt für eine Polarisierung politischer Lager, also für gesellschaftliche Spaltung.

Die Nutzer würden durch ihre Wut dazu verleitet, immer weiter zu scrollen, also mehr Beiträge zu lesen - was die Reichweite der Werbetreibenden erhöhe. Facebook habe dafür ein System aufgebaut, das hochkarätige Nutzer von den Regeln gegen Falschbehauptungen über COVID-19 und Impfstoffe ausnehme.

jj/pg (dpa, rtr)