US-Sonderbeauftragter für Afghanistan tritt zurück | Aktuell Amerika | DW | 19.10.2021
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Vereinigte Staaten

US-Sonderbeauftragter für Afghanistan tritt zurück

Der nach der Machtübernahme der Taliban und dem chaotischen Abzug der US-Truppen in die Kritik geratene US-Sonderbeauftragte Zalmay Khalilzad gibt seinen Posten auf. Er soll das Weiße Haus schlecht beraten haben.

USA Sondergesandter für Afghanistan Zalmay Khalilzad

Zalmay Khalilzad diente den US-Präsidenten Trump und Biden als Afghanistanunterhändler

Außenminister Antony Blinken gab den Rücktritt des im afghanischen Masar-i-Scharif geborenen US-Diplomaten bekannt. Der 70-jährige Zalmay Khalilzad war 2018 vom damaligen US-Präsidenten Donald Trump zum "Sondergesandten für Afghanistans Versöhnung" gemacht worden. Er war maßgeblich daran beteiligt, ein im Februar vergangenen Jahres in Doha unterzeichnetes Abkommen zwischen der Trump-Regierung und den Taliban auszuhandeln. Eingehalten haben die Taliban die Vereinbarungen nicht.

Das Abkommen sah einen vollständigen Abzug der US-Truppen bereits Ende Mai 2021 vor. Die Taliban versprachen in dem Abkommen, die US-Truppen und ihre Verbündeten nicht anzugreifen und sagten künftige Friedensgespräche mit der afghanischen Regierung zu.

"Spektakulär gescheitert"

Trumps Nachfolger Joe Biden kündigte im April ein Ende des Einsatzes für Ende August an. Allerdings überrannten die Taliban im Zuge des US-Truppenabzugs aus Afghanistan das Land. Die Islamisten kehrten im August mit der Einnahme der Hauptstadt Kabul an die Macht zurück. Für die USA und ihre westlichen Verbündeten wurde der Abzug vom Hindukusch damit 20 Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zu einer Demütigung. Bidens Regierung ist wegen der Umstände des Truppenabzugs unter Druck geraten. Der Präsident argumentierte, er habe vor der Wahl gestanden, die Truppen abzuziehen oder den Krieg gegen die Taliban zu eskalieren.

Auch Khalilzad geriet massiv unter Beschuss, Politiker und Experten stellten ihm ein miserables Zeugnis aus. Er habe mit dem Abkommen von Doha der erneuten Machtübernahme der Taliban den Weg bereitet. "Er hat schlecht verhandelt, die Taliban ermutigt und behauptet, Verhandlungen würden zu einer Übereinkunft der Machtteilung führen, obwohl die Taliban keinerlei Absicht hatten, die Macht zu teilen", sagt Husain Haqqani von der Denkfabrik Hudson Institute im August.

Der konservative US-Abgeordnete und Afghanistan-Veteran Michael Waltz schrieb ebenfalls im August in einem Brief an Biden, der Sonderbeauftragte habe den Präsidenten "schlecht beraten", seine diplomatische Strategie sei "spektakulär gescheitert".

Außenminister Blinken ernannte Khalilzads bisherigen Stellvertreter Thomas West zum neuen Afghanistan-Sondergesandten. Khalilzad dankte er für dessen "jahrzehntelangen Dienst" für die USA

qu/ml (dpa, afp, rtr)

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