Amnesty wirft Taliban Kriegsverbrechen vor | Aktuell Asien | DW | 05.10.2021
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Afghanistan

Amnesty wirft Taliban Kriegsverbrechen vor

Sie gehörten der Minderheit der Hasara in Afghanistan an. Die Sicherheitskräfte der gestürzten Kabuler Regierung wurden von Kämpfern der radikal-islamistischen Taliban ermordet, so die Menschenrechtsorganisation.

Zwei mit Gewehren bewaffnete Taliban-Kämpfer

Taliban-Kämpfer auf Patrouille in den Außenbezirken von Kabul

Die radikal-islamistischen Taliban haben nach Informationen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) 13 Angehörige der Hasara-Minderheit getötet. In der Provinz Daikundi seien neun Sicherheitskräfte der entmachteten afghanischen Zentralregierung ohne Gerichtsprozess von Taliban-Kämpfern hingerichtet worden, obwohl sie sich ergeben hätten, erklärte Amnesty. Zwei weitere ehemalige Sicherheitsmänner wurden laut AI bei einem Fluchtversuch getötet. Zwei Zivilisten starben im Kreuzfeuer.

Nach Auffassung von Amnesty sind die außergerichtlichen Hinrichtungen als Kriegsverbrechen einzustufen. Unter den getöteten Zivilisten war den Angaben zufolge auch eine 17-jähriges Mädchen. Die Menschenrechtsorganisation untersuchte in ihrem Bericht Fotos und Videos von den Toten, die nach dem Vorfall aufgenommen worden waren.

Die Generalsekretärin von Amnesty International, Agnès Callamard, beklagte: "Die Taliban behaupten, sie hätten es nicht auf ehemalige Mitarbeiter der Vorgänger-Regierung abgesehen. Aber diese Tötungen widersprechen den Behauptungen."

Agnès Callamard

AI-Generalsekretärin Agnès Callamard

Die Minderheit der Hasara wird im mehrheitlich sunnitischen Afghanistan seit Jahrhunderten verfolgt. Bei den Taliban und der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" gelten sie als ketzerische Sekte.

Unterdessen hat in Kabul die Übergangsregierung der Islamisten ihre Arbeit aufgenommen. Die Kabinettsmitglieder kamen in der Hauptstadt zu ihrer ersten Sitzung seit der Machtübernahme Mitte August zusammen.

Islamisten wollen bald Pässe ausgeben

Der Ministerrat beschloss nach Angaben von Taliban-Chefsprecher Sabihullah Mudschahid, wieder Pässe und andere Ausweise an afghanische Bürger auszugeben. Die staatliche Nachrichtenagentur Bachtar berichtete, die neuen Pässe würden höchstwahrscheinlich die Aufschrift "Islamisches Emirat Afghanistan" tragen. Allerdings erkennt die internationale Gemeinschaft die Taliban nicht als rechtmäßige afghanische Regierung an. Insofern ist unklar, ob die Reisedokumente im Ausland gültig sein werden. 

Der offizielle Namen des Landes unter der früheren, vom Westen unterstützten Regierung lautete "Islamische Republik Afghanistan". Viele Bürger befürchten, dass die Extremisten unter ihrem "Emirat" mit drakonischen Strafen gegen Andersdenkende vorgehen werden.

se/wa (afp, dpa) 

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