US Open: Nur verhaltene Vorfreude | Sport | DW | 18.06.2020
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Tennis

US Open: Nur verhaltene Vorfreude

Im August sollen die Tennisprofis auf die Tour zurückkehren. Sicherheitskonzepte gegen das Coronavirus werden hinterfragt. Und auf die US Open haben sich die Profis schon mal mehr gefreut. Ist New York eine Reise wert?

USA New York | Arthur Ashe Stadion ohne Puplikum

Das Arthur Ashe Stadium - ohne Zuschauer

Die Kanadierin Gaby Dabrowski ist niemand, der die Tennis-Welt bislang besonders in Aufregung versetzt hätte. In der WTA-Rangliste der Frauen rangiert sie auf Platz 472, ist also eine dieser hunderten Profis auf der Tour, die - wie moderne Nomaden - in normalen Zeiten von Turnier zu Turnier reisen. Aber, Achtung: Unter den Doppelspielern belegt die 28-Jährige immerhin Platz sieben. Sie hatte zuletzt den ungleich bekannteren Spielerinnen Jelena Ostapenko und Zhang Shuai eine verlässliche Partnerin abgegeben. Und nun gibt sie ihrer Zunft eine Stimme. 

USA New York | Tennisspielerin - Gabriela Dabrowski

Gaby Dabrowski, Tennisprofi aus Kanada

Dass die Damentour der Women's Tennis Association (WTA) und auch die Herren-Profis der Association of Tennis Professionals (ATP) ab August wieder starten sollen, stößt bei den Spielerinnen und Spielern auf gemischte Reaktionen. Sicher, sie sind alle froh, ihrem Sport und - nebenbei bemerkt - auch ihrem Beruf wieder nachgehen zu können. Boris Becker, Wimbledon-Sieger und Deutschlands "Head of Mens Tennis", signalisierte schnell Zustimmung, dass sogar die US Open stattfinden sollten. 

Doch wie das Mega-Event in New York ablaufen soll, da machen einige Profis doch ein dickes Fragezeichen.

Dass es in den beiden Riesenschüsseln Arthur-Ashe- und Louis-Armstrong-Stadium diesmal keine Zuschauer geben würde, war schon vor Bekanntgabe der Bedingungen des Turniers (vom 31. August bis 13. September) klar. Aber dass auch auf die Qualifikationsmöglichkeit für niedrig platzierte Spieler verzichtet wird und es zudem nur ein reduziertes Doppelfeld gibt - das nimmt vielen Profis schlicht die Chance, hier Geld zu verdienen.

Ein Fall von Diskriminierung 

Und so hat sich Gaby Dabrowski hingesetzt und einen offenen Brief geschrieben, in dem sie diese Bedenken zum Ausdruck bringt. Die Mixed-Wettbewerbe, in denen Dabrowski bereits in Melbourne und Paris gewonnen hatte? Fehlanzeige! Die Lücke zwischen den Top-Profis und dem ganzen Rest der Truppe werde so noch größer. Außerdem verweist die Kanadierin darauf, dass sie den Eindruck habe, "Gesundheit und Sicherheit der Spieler haben keine Priorität".

Den vorliegenden Informationen zufolge sollen die Spielerinnen und Spieler nach dem Einchecken im Hotel in eine Art Dauerquarantäne genommen werden - sollte einer der geplanten Covid-19-Tests positiv ausfallen, sind sie dort 14 Tage festgesetzt. Wenn sie überhaupt mitmachen dürfen. Dylan Alcott, zehnfacher Grand-Slam-Sieger im Rollstuhl-Tennis, beklagte die einsamen Entscheidungen der Turnierverantwortlichen und sprach angesichts des Verzichts auch auf seinen Wettbewerb schlicht von Diskriminierung.

"Chancengleichheit sieht anders aus", bemängelte denn auch der deutsche Profi Yannick Hanfmann aus München. Dem Münchner Merkur sagte der 28-Jährige: "Profis, die durch ihre Einnahmen Corona sowieso schon besser überstehen können, werden ein weiteres Mal bevorteilt. Das gibt mir zu denken." Die Entscheidung der US-Verantwortlichen, das prestigeträchtige Turnier von Cincinnati ebenfalls nach New York zu verlegen und unmittelbar vor den US Open auszurichten, ändert an dieser Ungleichbehandlung wenig. Viele europäische Berufsspieler überlegen (und kalkulieren) auch in normalen Zeiten zweimal, ob sie sich den Trip in die Vereinigten Staaten leisten wollen.

"Das geht nur, wenn ... "

Auch einige Spitzenspielerinnen reagierten eher verhalten auf das Mega-Event in New York. Ist es doch die Stadt, die ein Hotspot der Corona-Pandemie in den USA war und immer noch ist. Die Rumänin Simona Halep zum Beispiel ließ ihre Fans über die Nachrichtenagentur AP wissen, sie werde wohl nicht in die USA reisen. Und auch die deutsche Nummer 1 Angelique Kerber äußerte sich verhalten. "Ich finde, das geht nur, wenn die Sicherheit aller Beteiligten gewährleistet ist, und das ist für mich auf jeden Fall die Priorität", erklärte Kerber - auch wenn "natürlich alle wieder spielen und so schnell es geht zur Normalität zurückfinden" wollten.

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Künftig nur mit zwei Begleitpersonen? Rafael Nadal kennt das anders ...

Die US-Amerikanerin Serena Williams hingegen erklärte, sie könne es kaum erwarten, in New York zu spielen.

Fazit: Selten wurde das Zwei-Klassen-System im Profitennis so deutlich wie in diesen Tagen. Und deutlich wird auch, dass es letztlich vor allem um viel Geld geht. Die French Open sollen auf der Anlage von Roland Garros in Paris, die kostspielig umgebaut wird, ab dem 27. September stattfinden, dann mit Zuschauern! Die Ankündigung kam, als French-Open-Doppelsieger Kevin Krawietz gerade als Teilzeitkraft in einem Discounter arbeitete, um die Corona-Krise zu überstehen. Von kolportierten Luxusproblemen, die man sich von Rafael Nadal und Novak Djokovic erzählt, ist Krawietz weit entfernt. Bei den Stars soll man ungehalten sein, dass in New York nach letztem Stand nur zwei Begleitpersonen erlaubt sein werden. Üblicherweise sind Nadal und Djokovic mit einem stattlichen Tross unterwegs: Trainer, noch ein Trainer, Hitting-Partner, Physiotherapeut, Manager, Pressesprecher .... Der aus Serbien stammende Weltranglistenerste hatte ja schon bei den jüngst von ihm persönlich veranstalteten Adria-Schauturnieren mit gut gefüllten Tribünen demonstriert, was er von Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus hält: nichts.