US-Bürgerrechtsgruppen warnen vor Überwachungsstaat | Aktuell Amerika | DW | 22.05.2018
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Menschenrechte in den USA

US-Bürgerrechtsgruppen warnen vor Überwachungsstaat

Es geht um das Gesichtserkennungsprogramm von Amazon. Der Konzern stellt die Technologie Polizei und anderen Sicherheitsbehörden zur Verfügung. Die einflussreiche ACLU und andere befürchten Schlimmes.

Symbolbild Gesichtserkennung (Imago/J. Tack)

Biometrische Erfassung von Gesichtsmerkmalen durch einen Scanner

Die einflussreiche US-Bürgerrechtsorganisation ACLU (American Civil Liberties Union), Human Rights Watch und mehr als 40 weitere Gruppierungen haben Amazon eindringlich aufgefordert, seine Gesichtserkennungssoftware nicht mehr den Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung zu stellen. In einem Schreiben an Unternehmenschef Jeff Bezos warnen sie vor enormen Schäden für die Demokratie durch den Amazon-Dienst Rekognition. Dieser sei "auf den Missbrauch durch Regierungen angelegt".

"Gebrauchsanweisung für autoritäre Überwachung"

Die Anleitung zu dem Programm lese sich "wie eine Gebrauchsanweisung für autoritäre Überwachung", erklärte die kalifornische ACLU-Vertreterin Nicole Ozer. "Wenn ein gefährliches Überwachungssystem wie dieses erst einmal gegen die Öffentlichkeit gerichtet ist, kann der Schaden nicht ungeschehen gemacht werden."

Laut einer ACLU-Untersuchung benutzen diverse Strafverfolgungsbehörden in den USA das von Amazon Ende 2016 auf den Markt gebrachte Gesichtserkennungsprogramm. Die Organisation veröffentlichte entsprechende Korrespondenz zwischen dem Konzern und Polizeibehörden in Florida, Arizona und anderen US-Bundesstaaten.

ACLU Protest NSA in Washington ARCHIV Oktober 2013 (picture-alliance/AP Photo)

Nichtregierungsorganisationen wie ACLU warnen immer wieder in den USA vor dem laxen Umgang mit sensiblen Daten

Riesige biometrische Datenbanken  

Amazon gehört zu den führenden Unternehmen im Bereich der künstlichen Intelligenz. Auch andere Firmen bieten den Behörden Gesichtserkennungsprogramme an und sorgen damit bei Bürgerrechtsaktivisten für Beunruhigung. Sie warnen, die Behörden könnten riesige biometrische Datenbanken anlegen und damit einen Überwachungsstaat aufbauen.

Auf seiner Webseite hebt das US-Unternehmen hervor, Rekognition könne etwa bei der Suche nach Vermissten helfen. Mit dem Programm könnten aber auch Einzelhändler die emotionalen Reaktionen von Kunden auf ihr Angebot analysieren.

In einer Stellungnahme des Online-Händlers heißt es, man fordere von den Kunden, dass sie sich bei dem Einsatz der Software des Konzerns an Gesetze hielten. 

Jeder zweite Erwachsene in Gesichtserkennungsdatenbank registriert

2016 ergab eine Untersuchung der Georgetown University in Washington, dass in den USA jeder zweite Erwachsene - also 117 Millionen Menschen - in einer Gesichtserkennungsdatenbank der Strafverfolgungsbehörden auftaucht - meist ohne sein Wissen und ohne klare Regelung für die Speicherung dieser Daten. Die Wissenschaftler warnten, die Anwendung dieser Technologie ohne Verdachtsmomente gefährde die in der Verfassung garantierte Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

se/jv (afp, ap, rtr)