Universität von Hongkong demontiert Mahnmal für Tian′anmen-Opfer | Aktuell Asien | DW | 23.12.2021
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China

Universität von Hongkong demontiert Mahnmal für Tian'anmen-Opfer

Die "Säule der Schande" erinnerte in Hongkong seit fast einem Vierteljahrhundert an die blutige Niederschlagung der chinesischen Demokratiebewegung 1989. Nun fiel sie den dortigen Vasallen Pekings zum Opfer.

Die Universität von Hongkong hat eine Skulptur zur Erinnerung an die Opfer der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 in China von ihrem Campus entfernen lassen. Die acht Meter hohe "Säule der Schande" des dänischen Bildhauers Jens Galschiøt wurde in der Nacht zerlegt und abtransportiert. Sicherheitskräfte hinderten Reporter daran, sich der Statue zu nähern oder das Geschehen zu filmen.

Die Erinnerung an das unrühmliche Kapitel in Chinas Geschichte wird verpackt und abtransportiert

Die Erinnerung an das unrühmliche Kapitel in Chinas Geschichte wird verpackt und abtransportiert

Das Kunstwerk zeigt 50 Menschen mit gequälten Gesichtern. Es stand seit 1997, als die frühere britische Kronkolonie Hongkong an China zurückgegeben wurde, auf dem Campus der Hong Kong University (HKU). Im Oktober hatte die Universitätsleitung die Entfernung der Statue angeordnet.

Scharfe Kritik von Anhängern der Demokratiebewegung

Die Beseitigung des Mahnmals löste scharfe Kritik von Anhängern der Demokratiebewegung in der chinesischen Sonderverwaltungsregion aus und stieß auch dem Künstler übel auf. "Wir haben alles getan, was wir tun können, um der Universität von Hongkong zu sagen, dass wir die Skulptur gerne abholen und nach Dänemark bringen wollen", sagte Galschiøt in Kopenhagen.

Die Statue in Hongkong wollte dem Betrachter das Leiden der Opfer der chinesischen Demokratiebewegung nahebringen

Die Statue in Hongkong wollte dem Betrachter das Leiden der Opfer der chinesischen Demokratiebewegung nahebringen

Er betrachtet das Kunstwerk als sein Eigentum. Es war aus Sicht des Künstlers nur eine Leihgabe an die Hongkonger Allianz zur Unterstützung der demokratischen Bewegungen in China, die sich unter dem Druck des neuen "Sicherheitsgesetzes" auflösen musste. Galschiøt will die Hongkonger Hochschule deswegen verklagen. Der DW sagte der Künstler, dies sei ein wirklich trauriger Tag. "Das ist ein Weihnachtsgeschenk, dass man nicht haben möchte."

Universität verweigerte Kontakt mit Galschiøt

Galschiøt teilte weiter mit, er habe mit Hilfe von Anwälten versucht, auf verschiedenen Wegen mit der Universität in Kontakt zu treten. Die HKU-Beamten hätten sich jedoch nie mit ihm in Verbindung gesetzt oder ihn über die Aktion informiert. Der Künstler schickte eine E-Mail an seine Unterstützer, in der er sie aufforderte, "alles zu dokumentieren, was mit der Skulptur geschieht".

Der dänische Bildhauer Jens Galschiøt vor seiner - zweiten - Säule der Schande vor dem Parlament in Kopenhagen

Der dänische Bildhauer Jens Galschiøt vor seiner - zweiten - "Säule der Schande" vor dem Parlament in Kopenhagen

Die Sonderverwaltungszone Hongkong war jahrzehntelang der einzige Ort in China, an dem ein Gedenken an die Toten von Tian'anmen noch toleriert wurde. Der Führung in Peking war das Kunstwerk für die Massaker-Opfer von 1989 auf dem Universitätsgelände aber schon lange ein Dorn im Auge, da jede Erinnerung an den Militäreinsatz in der Volksrepublik gezielt ausgelöscht werden soll.

Die Universität begründete die Beseitigung jetzt mit "rechtlichen Risiken". Auch wurden Sorgen über Sicherheitsgefahren durch die "zerbrechliche Statue" geäußert, wie der Radiosender RTHK berichtet.

Die kommunistische Führung der Volksrepublik China hatte am 4. Juni 1989 auf dem Tian'anmen-Platz, dem "Platz des Himmlischen Friedens in Peking, die chinesische Demokratiebewegung gewaltsam niedergeschlagen. Das Militär ging mit Panzern gegen Zehntausende Demonstranten vor. Während auf dem Platz selbst niemand getötet wurde, gab es nach Angaben von Amnesty International in anderen Teilen der Stadt Hunderte Todesopfer. 

Indem Chinas Regierung das umstrittene "Sicherheitsgesetz" vor eineinhalb Jahren in Hongkong durchsetzte, wurde die Oppositionsbewegung in der Sieben-Millionen-Metropole praktisch ausgeschaltet. Die vage Formulierung des Gesetzestextes erleichtert das Vorgehen gegen sämtliche Aktivitäten, die China als subversiv, separatistisch, terroristisch oder verschwörerisch ansieht - und zielt damit auf Kritiker der Hongkonger Regierung und der Führung in Peking.

sti/AR/ml (afp, ap, dpa, rtr, DW)

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