Ungarn will Unis Gender Studies verbieten | Aktuell Europa | DW | 13.08.2018
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Forschung

Ungarn will Unis Gender Studies verbieten

Die Regierung in Budapest sieht die "Fundamente der christlichen Familie" in Gefahr. Deshalb plant sie, das Studienfach Geschlechterforschung - auch Gender Studies genannt - von den Universitäten zu verbannen.

"Niemand will 'Genderologen' anstellen, infolgedessen braucht man auch keine auszubilden", erklärte der stellvertretende ungarische Regierungschef Zsolt Semyen. Der von ihm gebrauchte Kunstbegriff "Genderologen" war offensichtlich abfällig gemeint.

Die wissenschaftliche Geschlechterforschung untersucht die soziale Abhängigkeit von Rollenbildern, also die von sozialen Normen bestimmte Festlegung dessen, was als männlich und weiblich gilt. Zugespitzte Varianten gehen davon aus, dass das Geschlecht ein reines gesellschaftliches Konstrukt ist und nichts mit der Biologie des Menschen zu tun hat.

Angriff auf Familienbild!?

Konservative Kräfte erblicken in der Geschlechterforschung hingegen einen Angriff auf die traditionelle Rollenteilung zwischen den Geschlechtern, die aus ihrer Sicht von der Natur vorgegeben oder von Gott so gewollt ist.

Viktor Orban (Reuters/A. Schmidt)

Kein Freund von Gender Studies: Regierungschef Orban

Vertreter der rechtsnationalen Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban hatten in jüngster Zeit die Geschlechterforschung immer wieder verbal attackiert. Unter anderen warfen sie ihr vor, die "Fundamente der christlichen Familie" untergraben zu wollen.

Derzeit bieten in Ungarn die staatliche Lorand-Eötvös-Universität (ELTE) und die private amerikanische Central European University (CEU) Master-Kurse in Geschlechterforschung an. Beide Hochschulen sind in der Hauptstadt Budapest ansässig. Das Netzwerk der Lehrkräfte, eine Dachorganisation der Universitäts- und Hochschullehrer, kritisierte die geplante Abschaffung des Forschungszweigs als unzulässigen Eingriff in die Freiheit von Lehre und Forschung.

wa/wo (dpa, atv.hu)

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