UNESCO erweitert Liste des immateriellen Kulturerbes | Kultur | DW | 16.12.2021
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Welterbe

UNESCO erweitert Liste des immateriellen Kulturerbes

Die UNESCO würdigt Bräuche aus der ganzen Welt als immaterielles Kulturerbe. Diesen Status erhalten nun Dutzende weitere Traditionen - von Rumba bis Kalligraphie.

Marokko | Tbourida, Menschen mit Gewehren auf Pferden

Tbourida aus Marokko - eine traditionelle Reiterzeremonie

Über Jahrhunderte überliefertes Wissen und Können, Kunst und Handwerkstechniken, Tänze, Sport und Musik, kulturelle Traditionen und Bräuche müssen gepflegt und bewahrt werden: Seit 2003 unterstützt die UNESCO den Schutz, die Dokumentation und den Erhalt dieser Kulturformen. Zahlreiche neue Einträge wurden jetzt in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Wir stellen Ihnen eine Auswahl vor.

 

Tänze zu Fronleichnam in Panama

Zwei Personen tragen gefiederte Masken mit offenen Mäulern und spitzen Zähnen

Auch eher erschreckende Masken gehören zu Frohnleichnam in Panama

Das religiöse Fest Fronleichnam, das den Leib und das Blut Christi feiert, verbindet Elemente der katholischen Tradition mit Musik, Theater und burlesken Darbietungen mit bunten Kostümen und Masken. Eine der wichtigsten Aufführungen findet einen Tag vor dem Fest statt und zeigt den Kampf zwischen Gut und Böse: Ein Erzengel tritt gegen den Teufel und dessen Legion an. Anschließend tanzen alle Teilnehmer in einer Prozession, die von einem Priester angeführt wird. Der trägt die Hostie oder das geweihte Brot, das in der katholischen Tradition das Opfer des Leibes Christi darstellt.

 

Die Verehrung und Anbetung Johannes des Täufers

Weißgekleidete Männer heben ein Stück Holz auf ein Gestell, im Hintergrund eine rot gekleidete Figur mit roter Fahne und Trommeln

Festzirkel zu Ehren Johannes des Täufers in Venezuela

In Venezuela wird das Fest zu Ehren des Heiligen Johannes von Trommeln, Tänzen, Erzählungen, Gesang und Prozessionen begleitet. Das Fest ist im Katholizismus verankert, ist aber auch eng verwandt mit Ausdrucksformen, die aus dem subsaharischen Afrika überliefert sind. Die Tradition wurde von afro-venezolanischen Gemeinschaften unter der Kolonialherrschaft im 18. Jahrhundert entwickelt.
Die genauen Daten des Festzyklus variieren je nach Region; in vielen Gemeinden beginnen sie Anfang Mai und enden Mitte Juli und erreichen ihren Höhepunkt am 23. und 24. Juni - dem Tag, an dem der Heilige Johannes geboren wurde.

 

Nora

Nora Tanz: Drei bunt gekleidete Tänzerinnen mit langen metallenen Fingernägeln

Thailändischer Tanz Nora

Die Nora-Darstellerinnen tragen lange, metallene Fingernägel, bunte Kostüme, Kopfschmuck und Flügel, die ihnen ein vogelähnliches Aussehen verleihen.
Mit akrobatischem Tanztheater und improvisiertem Gesang, begleitet von Ensemblemusik, stellen Nora-Aufführungen Geschichten über das frühere Leben von Buddha oder anderen legendären Helden dar. Die über 500 Jahre alte Tradition aus Südthailand ist für die dort ansässigen Gemeinschaften von großer kultureller Bedeutung. Denn diese Kunstform macht es ihnen möglich, soziale Bindungen zu stärken und regionale Musik und Literatur zu pflegen.

 

Rumba aus dem Kongo

Eine Frau steht mit Gitarre auf der Bühne

Tribute-Konzert für den kongolesischen Rumba-Star Papa Wemba

Die Rumba wird zu allen möglichen Anlässen getanzt, selbst zur Trauer. Zu Hause, in der Öffentlichkeit und in religiösen Räumen. Die Rumba ist ein wesentlicher Bestandteil der kongolesischen Identität, und alle Generationen finden in dieser Tradition eine gemeinsame Sprache. Die sanfte, groovige Musikrichtung trägt auch wesentlich zur Wirtschaft der Demokratischen Republik Kongo und der Republik Kongo bei, da die Musiker nicht nur von den Auftritten, sondern auch von der Herstellung der Instrumente leben. Der bekannteste kongolesische Rumba-Star ist der 2016 verstorbene Papa Wemba.

 

Arabische Kalligrafie

Ein Mann näht mit Goldfäden Kalligrafie auf schwarzen Stoff

Hier wird islamische Kalligrafie auf den Stoff genäht

Die arabische Schrift bietet durch ihre fließende Schreibschrift unzählige Möglichkeiten des kalligrafischen Ausdrucks. Die 28 Buchstaben des arabischen Alphabets, die von links nach rechts geschrieben werden, nehmen je nach ihrer Position in Wörtern und Sätzen vier verschiedene Formen an. Traditionell wird die kalligrafische Tinte aus einer Mischung aus Honig, schwarzem Ruß und Safran hergestellt; auch für die Herstellung des Qalam, der Schilfrohrfeder, werden natürliche Materialien verwendet. Die arabische Kalligrafie erscheint auch als dekoratives Element in verschiedenen Formen, von Holzschnitzereien bis zu Stickereien. Zu ihrer modernen Variante gehören "Kalligraffiti", die auf Wände, Schilder und Gebäude gemalt werden.

 

Falknerei

Ein Falke sitzt auf dem Handschuh des Falkners im Sonnenuntergang

Falkner und Falke haben eine enge Bindung

Die Ausbildung von Falken - wie auch von anderen Greifvögeln - ist eine mehr als 4000 Jahre alte Tradition, die in vielen Teilen der Welt bereits in der Frühzeit und im Mittelalter ausgeübt wurde. Ursprünglich sollten Falken Nahrung beschaffen, aber die Falknerei hat sich zu einer Art Freizeitaktivität entwickelt, die es Menschen ermöglicht, sich mit der Natur zu verbinden. In Deutschland und vielen europäischen Ländern, aber auch in asiatischen Ländern wie Kirgisistan, der Mongolei oder Korea sowie in verschiedenen Golfstaaten wird die Falknerei praktiziert, wobei durch Zucht und Ausbildung eine enge Bindung zwischen dem Falkner und dem Vogel entsteht. 

 

Tbourida

Marokko | Tbourida: Mit langen purpurnen Jacken bekleidete Reiter halten ihre Gewehre in die Luft

Höhepunkt ist, wenn alle exakt gleichzeitig schießen

Das marokkanische Reiterspektakel geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Die traditionell gekleideten und geschmückten Reiter und Pferde zeigen fast akrobatische Übungen, die eine Reihe von Militärparaden simuliert. Von Generation zu Generation wird in der Tbourida eine starke spirituelle Bedeutung weitergetragen, insbesondere weil sie das Pferd, das heilige Tier des Islam, in den Mittelpunkt eines atemberaubenden und beeindruckenden Spektakels stellt.

 

Nordische Klinkerboote

Ein vollbesetztes Wikingerboot im Hafen

Die dänische Königin Margrethe auf einem Wikingerboot

Diese länglichen Holzboote werden seit fast 2000 Jahren von den Ureinwohnern Skandinaviens gebaut und sind ein Markenzeichen der Wikingerschifffahrt. Die Bootsbauer wenden auch heute noch traditionelle Techniken an: Sie befestigen dünne Planken an einem Kiel und verstärken die Außenhaut des Bootes mit Spanten. Klinkerboote wurden traditionell für die Fischerei und den Transport verwendet. Heute werden sie hauptsächlich bei traditionellen Festen und Sportveranstaltungen eingesetzt. Vor der Jungfernfahrt eines Klinkerbootes werden besondere Zeremonien abgehalten.

Die vollständige Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO finden Sie hier.

Adaption aus dem Englischen: Silke Wünsch