UN-Hilfskonvoi muss Mission in Ost-Ghuta nach Beschuss abbrechen | Aktuell Nahost | DW | 05.03.2018
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Krieg in Syrien

UN-Hilfskonvoi muss Mission in Ost-Ghuta nach Beschuss abbrechen

Im syrischen Ost-Ghuta war der UN-Hilfskonvoi sehnsüchtig erwartet worden. Doch nur Stunden nach der Ankunft mussten die Lastwagen wegen des verstärkten Beschusses umkehren, teils bevor sie Hilfsgüter abladen konnten.

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Fassungslosigkeit über brüchige Feuerpause in Ost-Ghuta

"Wir haben während des Beschusses so viel geliefert, wie wir inmitten des Beschusses konnten", schrieb der für Syrien zuständige Vertreter des UN-Flüchtlingshilfwerks UNHCR, Sadschad Malik, auf Twitter. Allerdings habe nicht alles in der belagerten Rebellenhochburg Ost-Ghuta in Syrien abgeliefert werden können. "Die Zivilisten sind in einer tragischen Situation gefangen", fügte er hinzu. Wie viele der 46 Lastwagen nicht entladen werden konnten, ist unbekannt. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks war der Konvoi knapp neun Stunden in der Stadt Duma in Ost-Ghuta.

Der Konvoi von UN-Agenturen, des Roten Halbmondes und anderen Hilfsorganisationen, der dringend benötigte Lebensmittel und medizinische Hilfsgüter transportierte, war am Montag in den östlichen Vororten von Damaskus eingetroffen. Es war die erste Hilfe für die Bewohner Ost-Ghutas seit Beginn der jüngsten Offensive der Regierungstruppen Mitte Februar. Die Lieferung bestand nach Angaben des UN-Nothilfebüros OCHA unter anderem aus Nahrungsmitteln für 27.500 Menschen. Einige lebensrettende medizinische Produkte ließ das syrische Regime allerdings nicht durch. Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge waren unter den blockierten Hilfsgütern das gesamte Material für die Behandlung von Verletzungen und für Operationen sowie Insulin und Dialyse-Artikel.

Bombardements gehen weiter

Ost-Ghuta vor den Toren der Hauptstadt Damaskus hat seit Mitte Februar die heftigsten Luftangriffe der Regierung seit Beginn des Syrien-Krieges 2011 erlebt. Zwar gilt in dem Gebiet seit einer Woche eine tägliche fünfstündige Feuerpause, um Hilfslieferungen und die Bergung von Verletzten zu erlauben, ein Ende der Luftangriffe bewirkte sie aber nicht. Auch am Tag der Hilfslieferung gingen die Bombardements weiter: Nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden allein am Montag mindestens 68 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt.

Insgesamt kamen nach Angaben der Beobachtungsstelle in den vergangenen beiden Wochen mehr als 760 Zivilisten durch Bombardements und Artilleriebeschuss um, darunter mindestens 172 Kinder. Fast 4000 Menschen - meist Frauen und Kinder - seien verletzt worden und auf medizinische Versorgung angewiesen. In den kommenden Tagen sollen weitere Hilfslieferungen nach Ost-Ghuta aufbrechen. "Die UN und ihre Partner haben die Genehmigung erhalten, Hilfe für 70.000 Menschen in Not zu liefern", hieß es in einer OCHA-Mitteilung. 

UN-Generalsekretär Antonio Guterres hatte die Lage in Ost-Ghuta als "Hölle auf Erden" bezeichnet. Bewohner berichteten, es fehle an Essen, Wasser und Strom. Ärzten mangele es an Material, sie müssten wegen der großen Zahl an Verletzten sehr lange am Stück arbeiten. In dem seit 2013 von der Regierung belagerten Ost-Ghuta sollen etwa 400.000 Menschen eingeschlossen sein. Am Wochenende verschärften sich auch die Bodenkämpfe in der Region. Laut Beobachtungsstelle konnten Truppen von Präsident Baschar al-Assad etwa 40 Prozent des Rebellengebietes erobern.

Untersuchung wegen Kriegsverbrechen?

Der UN-Menschenrechtsrat verlangte angesichts der Gewalt eine Untersuchung. In einer Resolution forderte er, dass diejenigen zur Rechenschaft gezogen werden müssten, die Menschenrechte verletzt hätten. UN-Hochkommissar Said Raad al-Hussein hatte die Angriffe auf Zivilisten als mögliche Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet. Die Regierung in Damaskus wirft den Rebellen dagegen immer wieder vor, die Hauptstadt unter Feuer zu nehmen. Ost-Ghuta wird von verschiedenen, mehrheitlich islamistischen Rebellengruppen kontrolliert. Unter ihnen sind auch Kämpfer von Gruppen mit Verbindung zum Terrornetzwerk Al-Kaida.

kle/hka (dpa, afp)

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