Ukraine-Krieg: Kyjiws Militär überzieht Moskau mit Drohnen
17. Mai 2026
Bei einem groß angelegten ukrainischen Drohnenangriff auf Gebiete in Russland sind nach Angaben der dortigen Behörden mindestens vier Menschen ums Leben gekommen. In der gleichnamigen Oblast Moskau seien drei Menschen getötet worden, ein weiteres Todesopfer sei in der Oblast Belgorod verzeichnet worden, teilten die Behörden mit.
Der Gouverneur der Oblast Moskau, Andrej Worobjow, sagte, eine Frau sei ums Leben gekommen, als ein Wohnhaus in Chimki nördlich der Hauptstadt getroffen worden sei. Rettungskräfte suchten in den Trümmern nach einer weiteren Person. Zwei Männer seien im Dorf Pogorelki im Bezirk Mytischtschi getötet worden. Mehrere Wohnhochhäuser und Infrastruktureinrichtungen seien beschädigt worden, sagte Worobjow.
Heftigster Angriff auf Moskau seit einem Jahr
Die Luftabwehr habe seit Mitternacht 81 Drohnen zerstört, die auf Moskau zugesteuert seien, berichtete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf Bürgermeister Sergei Sobjanin. Damit handele es sich um den größten Angriff auf die Hauptstadt seit über einem Jahr. Auch die Hauptstadtmedien berichten von einem der heftigsten ukrainischen Angriffe seit Beginn der russischen Invasion vor mehr als vier Jahren – und den größten seit Jahresbeginn.
Sobjanin sagte, zwölf Menschen seien verletzt worden, vor allem in der Nähe des Eingangs zur Moskauer Ölraffinerie. Drei Häuser seien beschädigt worden. Die "Technik" der Raffinerie sei aber nicht in Mitleidenschaft gezogen worden, fügte der Bürgermeister hinzu.
Der Moskauer Flughafen Scheremetjewo, der größte des Landes, teilte mit, dass Trümmer von Drohnen auf das Gelände gefallen seien. Schaden sei nicht entstanden. Allerdings seien Starts und Landungen wegen der Drohnenangriffe zeitweise ausgesetzt worden.
Über 550 ukrainische Drohnen abgeschossen
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, über Nacht und bis in den Morgen hinein seien 556 Drohnen über dem Land abgeschossen worden. Russland teilt stets nur mit, wie viele Geschosse abgefangen wurden, nicht wie viele die ukrainischen Streitkräfte auf Russland abgefeuert haben.
Ziel des ukrainischen Angriffes war auch die Oblast Belgorod. Sie grenzt an die Ukraine und liegt - wie auch die Oblast Moskau und die darin liegende Hauptstadt - im größeren Föderationskreis Zentralrussland.
Schwere russische Angriffe auf Kyjiw
Russland hatte seinerseits am Mittwoch und Donnerstag die Ukraine massiv angegriffen. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hätten die Russen über 3.170 flugzeugähnliche Drohnen, mehr als 1.300 Gleitbomben und 74 Raketen und Marschflugkörper gegen die Ukraine eingesetzt. "Leider kamen infolge der Angriffe im Laufe der Woche 52 Menschen ums Leben", teilte er in seinem Telegram-Kanal mit. Weitere 346 Menschen seien verletzt worden, darunter 22 Kinder.
Das wichtigste Ziel des russischen Angriffs war die Hauptstadt Kyjiw. Dort wurden beim Beschuss eines Wohnhauses nach ukrainischen Angaben allein 24 Menschen getötet, darunter drei Kinder. Außerdem wurden rund 50 Menschen verletzt. Kyjiw erlebte den schwersten Angriff in diesem Jahr. Selenskyj hatte daraufhin am Freitag gegenüber Moskau mit Vergeltung gedroht.
Der Ukraine-Krieg dauert mittlerweile seit mehr als vier Jahren an. Die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über eine Beendigung der Kämpfe liegen derzeit auf Eis.
as/haz (rtr, ap, dpa)