TV-Duell Clinton und Trump: ″Kein klarer Sieger″ | Amerika - Die aktuellsten Nachrichten und Informationen | DW | 10.10.2016
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US-Wahl

TV-Duell Clinton und Trump: "Kein klarer Sieger"

Hillary Clinton und Donald Trump: Die beiden schenkten sich bei ihrem zweiten TV-Duell nichts. Nach dem Skandal-Video kämpft der Republikaner Trump mit allen Mitteln um seine Kandidatur.

"Es gab keinen klaren Sieger bei der zweiten Debatte der amerikanischen Präsidentschaftsbewerber" - darin sind sich viele Experten in Washington nach dem jüngsten Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump einig. Auch wenn laut verschiedenen Blitzumfragen die Demokratin vorne lag. Doch die beiden schenkten sich nichts. Der republikanische Präsidentschaftsbewerber stand wegen des kürzlich aufgetauchten Videos aus dem Jahre 2005, in dem er sich abfällig und sexistisch über Frauen äußert, enorm unter Druck. Bei der Debatte wurde das Thema nicht noch weiter emotional aufgeheizt. Deshalb dürfte das Video in den kommenden Wochen an Bedeutung verlieren, schätzt Lars Hänsel, Repräsentant der Konrad-Adenauer-Stiftung in Washington D.C. und wertet dies zumindest teilweise als Erfolg für Trump.

Dabei habe sich Trump nicht noch nicht einmal glaubwürdig für seine sexistischen Bemerkungen entschuldigt, so Jack Janes vom Washingtoner Think-Tank AICGS (American Institute for Contemporary German Studies). "Trump zeigte keine wirkliche Reue für sein Fehlverhalten", meint er. Deshalb würden all diejenigen, die sich in den letzten 48 Stunden von ihm abgewendet hätten, keine Grund sehen, zu Trump zurück zu kehren, glaubt Janes. Er und Lars Hänsel sind der Meinung, dass sowohl Trump als auch Clinton bei der Debatte vor allem den "harten Kern" ihrer Anhängerschaft bedient haben. "Neue Wähler wird Trump bei diesem Duell nicht hinzu gewonnen haben", so Lars Hänsel.

US TV Debatte Trump vs Clinton (Getty Images/AFP/J. Bourg)

Einigen Blitzumfragen zufolge ist Clinton die Siegerin des TV-Duells

"Immer die gleichen Dinge"

Hillary Clinton sei bei der Debatte risikoscheu gewesen, habe auf Fehler von Donald Trump gewartet. Doch diese seien weitestgehend ausgeblieben. Hillary habe bei der Diskussion deutlich souveräner gewirkt. "Er lief umher wie ein großer Bär auf der Bühne", sagt Jack Janes. Zu oft habe der republikanische Präsidentschaftskandidat Hillary unterbrochen, kritisiert er. "Das werden ihm besonders weibliche Wähler verübeln", analysiert Stephen Szabo von der Transatlantic Acadamy des German Marshall Funds in Washington D.C.. Hillary Clinton sei auch bei der zweiten Debatte beherrschter als er gewesen.

Szabo bemängelt, dass Trump immer noch zu wenig von Außenpolitik verstehe, die Details einfach nicht kenne. Er gibt Allgemeinplätze von sich – etwa, dass der Irak-Krieg ein Fehler gewesen sei und Hillary Clinton für den Einmarsch gestimmt habe. Aber auch demokratische Präsidentschaftskandidatin habe sich in Widersprüche verwickelt. Etwa beim Thema Syrien. Nach eigenen Worten wolle sie dort  Flugverbotszonen einrichten. Im gleichen Atemzug erkläre sie, dass amerikanische Streitkräfte nicht eingesetzt werden sollen um eben das durchzusetzen. "Das eine kann man aber nicht ohne das andere haben", analysiert Szabo.

Auch wenn Hillary Clinton deutlich mehr wisse und von Politik verstehe - beim Formulieren von Botschaften sei Trump besser, so Lars Hänsel. Etwa der Plattitüde, dass Politiker - darunter eben auch Hillary Clinton - immer nur reden und nichts bewegen. Trump komme immer wieder auf die gleichen Dinge zu sprechen, wiederhole sich ständig.

"Sprechzettel runter gebetet"

Stephen Szabo glaubt, dass sie deutlich besser auf die Fragesteller eingegangen sei. Sie habe Empathie gezeigt, sei auf sie zugegangen, habe sie mit Namen angesprochen. Ein Pluspunkt für sie. Letztlich habe aber auch Hillary Clinton nur ihre auswendig gelernten Sprechzettel runter gebetet. Wirklich authentisch sei sie nicht gewesen, so Lars Hänsel.

Wenn an diesem Abend jemand unabhängige Wähler für sich gewinnen konnte, dann Hillary Clinton, meint Jack Janes. An der grundsätzlichen Dynamik des Wahlkampfes würde das aber wenig ändern. Am Ende dürfte sich Hillary Clinton durchsetzen und ins Weiße Haus einziehen. Darin sind sich Janes und Szabo einig.

Auch Lars Händel meint, dass sie leicht die Nase vorn hat. "Doch wir verstehen die Wählerschaft von Donald Trump noch nicht wirklich." Darin unterscheide sich dieser Wahlkampf von vorangegangenen. Überraschungen seinen möglich. Der Wahlkampf - das zeige die Entwicklung der letzten Tage - sei voller Überraschungen, könne jederzeit eine neue Wendung nehmen. Deshalb sei die 3. Präsidentschaftsdebatte wichtig.

Szabo und Janes glauben indessen, dass im Großen und Ganzen das Rennen gelaufen sei. Die meisten Wähler hätten sich ihre Meinung gebildet. Im Zweifel werden sich viele Amerikaner für die berechenbare Clinton entscheiden. Dabei zitiert er das deutsche Sprichwort: "Besser einen Spatzen in der Hand, als die Taube auf dem Dach."

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