Tschernobyl-Smog zieht über Kiew | Aktuell Europa | DW | 18.04.2020
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Ukraine

Tschernobyl-Smog zieht über Kiew

Rauch aus brennenden Wäldern um das havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl belastet weiterhin auch die Menschen in der ukrainischen Hauptstadt. Deutschland liefert als Soforthilfe Geräte zur Messung von Radioaktivität.

Ukraine | Waldbrände in Tschernobyl - Smog in Kiew (picture alliance/dpa/Sputnik)

Dicke Luft in Kiew

Seit rund zwei Wochen brennen in der Sperrzone um das ehemalige Atomkraftwerk Wälder und Brachland. Ein Großteil der Brände in dem seit dem Reaktorunglück von 1986 radioaktiv belasteten Gebiet konnte inzwischen gelöscht werden. Allerdings gibt es noch immer mindestens sechs Schwelbrände, wie auf neuen vom ukrainischen Katastrophenschutz in Kiew veröffentlichten Karten zu sehen ist. Starker Wind treibt den Rauch in Richtung Kiew.

Tipps für die Bevölkerung: Viel trinken und feucht wischen

In der knapp 70 Kilometer vom Sperrgebiet entfernten Hauptstadt hielt sich auch am Samstag dichter Smog. Die Dreimillionenstadt verzeichnet nach offiziellen Behördenangaben keine erhöhte Radioaktivität. "Verbrennungsprodukte aus der Sperrzone konnten nicht nach Kiew gelangen", versicherte der Chef des ukrainischen Wetterdiensts, Nikolai Kulbida. "In Kiew gibt es nur Rauch, keine Radioaktivität", bekräftigte auch der Bürgermeister und Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko am Freitag bei Facebook. Die Bevölkerung konnten sie damit nicht wirklich beruhigen.

Zuvor hatte die Stadtverwaltung dazu geraten, die Fenster zu schließen und nicht auf die Straße zu gehen. Die Menschen sollten viel trinken und Innenräume feucht wischen. Um den Staub mit Brandteilchen zu binden, ließ die Stadt die Straßen bewässern.

Ukraine Waldbrände bei Tschernobyl (Reuters/O. Syrota)

Rauchwolken ziehen über die Straßen Richtung Hauptstadt

Die deutsche Botschaft in Kiew teilte mit, Deutschland werde als schnelle Ersthilfe 80 Dosimeter zur Messung der Radioaktivität und rund 15 Kilometer Feuerwehrschläuche liefern. Zudem werde ein für Wald- und Vegetationsbrände ausgestattetes Tanklöschfahrzeug angeschafft. Laut Messdaten der deutschen Botschaft gibt es keinen Grund zur Beunruhigung. Das Bundesamt für Strahlenschutz bewerte die Messwerte als unbedenklich.

Atomgegner äußern sich besorgt

Die Organisation Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs zeigte sich angesichts der Brände kurz vor dem 34. Jahrestag des Atomunglücks besorgt. Der Co-Vorsitzende Alex Rosen nannte einer Mitteilung zufolge die Reaktion der ukrainischen Behörden eine "Wunschvorstellung und Beruhigungsmaßnahme für die Bevölkerung". Die Organisation geht davon aus, dass "substantielle Mengen an Radioisotopen" die als Staub am Boden lagen, mobilisiert worden seien. Durch Einatmung im Körper abgesetzte Partikel könnten zu Krebserkrankungen führen.

Ukraine | Waldbrände in Tschernobyl (Getty Images/AFP/Y. Shuvayev)

Brände im Sperrgebiet - am 12. April aus der Luft aufgenommen

Neue Flächenangaben zum Brandgebiet machten die ukrainischen Behörden am Samstag nicht. Zuletzt hatte es von Seiten der Behörden geheißen, die abgebrannte Fläche werde nach Auswertung von Satellitenbildern auf rund 11.500 Hektar geschätzt. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace geht nach eigenen Recherchen davon aus, dass die verbrannte Fläche viermal so groß ist.

Nach der Explosion des Blocks vier im damals noch sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl wurden radioaktiv verstrahlte Landstriche um die Atomruine gesperrt. Es handelte sich um die größte Atomkatastrophe in der zivilen Nutzung der Kernkraft. Es gab Tausende Tote und Verletzte. Zehntausende Menschen wurden zwangsumgesiedelt. Seit mehreren Jahren ist das Gebiet für geführte Touristentouren zugänglich.

qu/as (dpa,afp)

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