Trump und Haftar mit ″gemeinsamer Vision″ | Aktuell Welt | DW | 19.04.2019
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Libyen-Konflikt

Trump und Haftar mit "gemeinsamer Vision"

Der US-Präsident hat mit dem abtrünnigen General telefoniert, der derzeit militärisch gegen die international anerkannte Regierung Libyens vorgeht. Donald Trump scheint Chalifa Haftar mehr zuzutrauen.

In einem Telefongespräch hätten Donald Trump und Chalifa Haftar über "andauernde Anti-Terror-Bemühungen" und die Notwendigkeit diskutiert, "Frieden und Stabilität in Libyen zu erreichen", teilte das Weiße Haus in Washington mit. Der US-Präsident habe die "bedeutende Rolle" gewürdigt, die der abtrünnige General im Kampf gegen den Terrorismus und bei der Sicherung der libyschen Ölreserven spiele. Die beiden hätten eine "gemeinsame Vision" besprochen, wie in Libyen ein Übergang zu einem "stabilen, demokratischen politischen System" geschaffen werden könne, hieß es weiter.

Das Telefonat fand nach US-Angaben bereits am vergangenen Montag statt. Warum die Bekanntgabe erst jetzt erfolgte, blieb offen.

Regierung vs. Gegenregierung

In Libyen konkurrieren zwei Regierungen und zahlreiche Milizen um die Macht. Haftars Truppen hatten Anfang April eine Offensive auf Tripolis gestartet, wo die von den Vereinten Nationen unterstützte Regierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch ihren Sitz hat. Bei Kämpfen starben seitdem schon mehr als 200 Menschen.

Haftar hat seinen Einfluss bereits auf große Teile Libyens ausgedehnt und will auch die Hauptstadt unter seine Kontrolle bringen. Der UN-Sicherheitsrat hatte sich zuletzt "zutiefst besorgt" über die Entwicklung in dem nordafrikanischen Land gezeigt, in dem schon seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Chaos herrscht. Auch die Europäische Union und die Bundesregierung in Berlin fordern ein Ende der Gefechte um Tripolis.

Libyscher Militärbefehlshaber Chalifa Haftar mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi im Präsidentenpalast in Kairo (Reuters)

General Haftar (l.) wurde Mitte April in Kairo von Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi empfangen

Trumps Anruf sei als Unterstützung für Haftar zu verstehen, erläuterte der Experte Jalel Harchaoui vom Clingendael Institut für internationale Beziehungen in Den Haag. Das wiederum schaffe ein Umfeld, welches eine militärische Intervention ausländischer Staaten, etwa von Ägypten, wahrscheinlicher mache. Ein Grund für das Telefonat sei, dass sich Haftars Truppen als weniger stark erwiesen hätten als von ihm selbst erklärt, sagte Harchaoui. Nach Auskunft von Diplomaten steht Ägypten - ebenso wie Russland, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate - auf Haftars Seite.

wa/pgr (rtr, afp, dpa)

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