Trump als Börsenschreck | Wirtschaft | DW | 03.04.2018
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Börsen

Trump als Börsenschreck

Der von US-Präsident Trump entfachte Handelsstreit macht Anleger nervös. Auch seine Angriffe auf Amazon belasten die Märkte. Investoren warnen nun vor einem großen Ausverkauf an den Börsen.

USA Wall Street - Finanzmärkte in Panik (picture alliance/dpa/XinHua)

Auge in Auge mit dem Börsenschreck?

Vom Börsenschreck zum Anlegerliebling und wieder zurück: Mit seinen Schutzzöllen auf Stahl- und Aluminium-Importe sowie wiederholten Angriffen auf Amazon riskiert US-Präsident Donald Trump Investoren zufolge einen Ausverkauf an den Aktienmärkten. Das Verhalten des Republikaners belaste sowohl einzelne Unternehmen als auch den Gesamtmarkt, warnt Doug Kass, Chef des Vermögensverwalters Seabreeze.

"Ein wichtiger Faktor sind seine Angriffe auf den Technologiesektor, allen voran Amazon", so Tom di Galoma, Geschäftsführer der Investmentbank Seaport Global. "Das wirft einen Schatten auf die gesamte Branche." Trump hatte dem US-Onlinehändler wiederholt vorgeworfen, der US-Post zu geringe Versandgebühren zu zahlen. Amazon-Aktien verloren daraufhin am Ostermontag gut fünf Prozent an Wert.

In ihrem Sog gaben die Titel des iPhone-Herstellers Apple oder des Software-Konzerns Microsoft um bis zu drei Prozent nach. Der Facebook-Datenskandal belastet die Stimmung zusätzlich. Er schürt Spekulationen auf eine strengere Regulierung des weltgrößten Online-Netzwerkes und anderer Internet-Konzerne.

Nach der Rekordjagd

Bei den jüngsten Verkäufen handele es sich nicht nur um eine Umschichtung von Technologietiteln in andere Branchen, warnt Michael Purves, Chef-Anlagestratege des Brokerhauses Weeden & Co. Investoren zögen sich teilweise komplett aus dem Aktienmarkt zurück. Ein Warnzeichen sei der Rutsch des breit gefassten US-Index S&P 500 unter seinen Durchschnittskurs der vorangegangenen 200 Handelstage, erstmals seit dem Brexit-Referendum vom Juni 2016, erklärt Randy Frederick, leitender Händler des Brokers Charles Schwab. Damit sei ein Rückschlag auf 2500 Punkte möglich. Das wäre der niedrigste Stand seit mehr als einem halben Jahr.

USA - Trump droht mit Veto im Haushaltsstreit (Getty Images/AFP/S. Loeb)

Vom Börsenschreck zum Börsenliebling zum Anlegerschreck ...

Obwohl der Immobilien-Milliardär Trump vor seiner Wahl im November 2016 als Börsenschreck verschrien war, gewann der S&P 500 im ersten Jahr seiner Präsidentschaft fast 25 Prozent und der technologielastige Nasdaq-Index sogar gut 32 Prozent. Sie eilten dabei ebenso wie der Standardwerte-Index Dow Jones von Rekord zu Rekord.

Getrieben wurde die Rally von der Aussicht auf Deregulierungen und eine Senkung der Unternehmenssteuern. Der deutsche Leitindex Dax kam im gleichen Zeitraum nur auf ein Plus von etwa 15 Prozent.

"Morgen vielleicht"

Anfang März kündigte der US-Präsident aber neue Zölle auf Stahl und Aluminium an, was vor allem China trifft. Die Regierung in Peking konterte mit Zusatz-Abgaben auf US-Produkte. Seither hat die Wall Street rund fünf Prozent verloren. Dem Dax brockte es den größten März-Verlust seit sieben Jahren ein.

Es sei aber noch zu früh, um die Flinte ins Korn zu werfen, sagt David Kotok, Chef des Anlageberaters Cumberland. Er setze vor allem auf Finanzwerte. Schließlich habe sich die Wall Street in ihrer inzwischen neun Jahre andauernden Rally immer wieder rasch von Rückschlägen erholt. Er nutze solche Gelegenheiten daher zum Einstieg. "Heute habe ich nicht gekauft, da die Kurse fallen. Aber morgen vielleicht."

 

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