Trotz Angebot zur Waffenruhe: Taliban entführen drei Busse | Aktuell Asien | DW | 20.08.2018
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Afghanistan

Trotz Angebot zur Waffenruhe: Taliban entführen drei Busse

Der afghanische Präsident Ashraf Ghani hat den Taliban eine Feuerpause angeboten. Ob sie tatsächlich zustande kommt, ist nicht sicher. Nach dem Angebot setzten die radikal-islamischen Kämpfer drei Busse fest.

Trotz der zuletzt heftigen Kämpfe zwischen den radikalislamischen Taliban und afghanischen Regierungstruppen um die Stadt Ghasni macht sich Präsident Ashraf Ghani für eine Waffenruhe stark. Der von ihm gewählte Zeitrahmen umfasst für Muslime wichtige Daten. So soll die Waffenruhe vom heutigen 20. August, dem Tag vor Beginn der Feierlichkeiten zum islamischen Opferfest Eid al-Adha, bis zum 21. November gelten, dem Tag an dem in Afghanistan traditionell der Geburtstag des Propheten Mohammed gefeiert wird.

Ghani kündigte die Waffenruhe in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache an (Artikelbild). Voraussetzung sei allerdings, dass die Taliban ebenfalls eine Feuerpause verkündeten. Nicht einbezogen in die Waffenruhe seien andere Extremisten-Gruppen wie der "Islamische Staat", erklärte der Präsident.

Antwort der Taliban steht noch aus

Ob die Taliban Ghanis Feuerpausen-Vorschlag zustimmen werden, ist noch nicht bekannt, geschweige denn, ob sie sich im Falle einer Zustimmung auch daran halten würden. Aus Taliban-Kreisen hieß es, mehrere Anführer hätten einem viertägigen Waffenstillstand während des islamischen Opferfestes zugestimmt. Allerdings stehe die Genehmigung von oberster Stelle noch aus.

Unterdessen griffen Taliban-Kämpfer drei Busse in der nordafghanischen Provinz Kundus an und nahmen die Insassen als Geiseln. Sie sollen aber teilweise freikommen, Ziel des Angriffs seien Sicherheitskräfte gewesen, die ebenfalls an Bord der Busse waren. Ein Sprecher des Provinzgouverneurs sagte zuvor, die Busse seien auf der Fahrt von der Provinz Takhar in die Hauptstadt Kabul angehalten worden. Die Taliban hätten den Passagieren befohlen auszusteigen und sie dann an einen unbekannten Ort verschleppt.

Zustimmung von internationalen Partnern und Nachbarn

Zuvor hatte bereits NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg auf Twitter erklärt, er "ermutige" die Taliban, die Waffenruhe zu respektieren.

US-Außenminister Mike Pompeo sagte in Washington. "Wir hoffen, dass eine weitere Waffenruhe das Land näher zu nachhaltiger Sicherheit bringt." Die USA und ihre internationalen Partner unterstützten die Initiative der afghanischen Regierung. Pompeo rief die Taliban auf, sich an der Waffenruhe zu beteiligen. Auch das benachbarte Pakistan, dem immer wieder vorgeworfen wird, Taliban-Anführern aus Afghanistan einen sicheren Rückzugsraum zu bieten, begrüßte die Ankündigung einer Waffenruhe.

Letzte Feuerpause hielt nur drei Tage

Im Juni hatte die Regierung in Kabul erstmals einseitig eine Waffenruhe mit den Taliban ausgerufen, sie aber nach 18 Tagen für beendet erklärt. Die radikalen Islamisten hatten sich gerade einmal drei Tage an die Feuerpause gehalten.

In diesem Monat hatten sich die Konfliktparteien tagelang heftige Kämpfe um die ostafghanische Provinzhauptstadt Ghasni geliefert. Die Taliban hatten die Stadt am 9. August angegriffen. Inzwischen wurden die Extremisten von den Regierungstruppen wieder aus der Stadt vertrieben. Bei Selbstmordanschlägen sowie Kämpfen zwischen Extremisten und afghanischen Soldaten sind im ersten Halbjahr mehr als 1600 Zivilisten getötet worden, wie die Vereinten Nationen zuletzt mitteilten. Seit dem Rückzug des Großteils der ausländischen Streitkräfte im Jahr 2014 haben die Taliban in dem Land am Hindukusch stetig an Boden zurückgewonnen. 

qu/wa (dpa, afp, rtr)

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