Taliban greifen afghanische Stadt Ghasni an | Aktuell Asien | DW | 10.08.2018
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Afghanistan

Taliban greifen afghanische Stadt Ghasni an

Schwer bewaffnete Kämpfer der radikalislamischen Taliban haben Ghasni im Osten Afghanistans attackiert. Die Stadt mit rund 150.000 Einwohnern liegt an einer wichtigen Straße zwischen Kabul und dem Süden des Landes.

Afghanistan Taliban-Angriff auf Ghazni (Getty Images/AFP/AFPTV)

Die attackierte afghanische Stadt Ghasni

Mindestens 14 Sicherheitskräfte und zwei Zivilisten seien getötet worden, sagte der Leiter der örtlichen Gesundheitsabteilung. Viele weitere Menschen wurden verletzt.

Die Taliban hätten Häuser und Geschäftsviertel unter Beschuss genommen und das Zentrum der Stadt zum Teil unter ihre Kontrolle gebracht, wie mehrere Vertreter der örtlichen Regierung mitteilten. Die Regierung habe den Angriff zurückschlagen können. Am Sicherheitsring rund um die Stadt dauerten die Gefechte aber an. Die Taliban selbst erklärten in einer Mitteilung, sie hätten "die meisten der Regierungsgebäude in der Stadt" eingenommen. "140 Kräfte der Feinde" seien "getötet oder verletzt" worden. 

Wichtiger Straßenabschnitt

Die Stadt liegt an der wichtigsten Straße zwischen Kabul und dem Süden des Landes und ist daher von strategischer Bedeutung. Lokalen Medienberichten zufolge wurde der Verkehr auf der Route eingestellt. Sollten die Taliban Ghasni-Stadt wirklich erobern, hätten sie praktisch den Norden vom Süden abgeschnitten. Die Hauptstadt liegt rund 150 Kilometer nordöstlich von Ghasni.

Die Kämpfe zwischen Extremisten und Regierungstruppen begannen in der Nacht. Zivile Häuser und Armee-Kontrollpunkte seien mit Mörsern attackiert worden, sagte ein Sprecher des Provinzgouverneurs. US-Kräfte unterstützten die afghanische Armee mit einer Kampfdrohne. In den Straßen seien Leichen zahlreicher Taliban-Kämpfer zu sehen.

Schwere Explosionen

"Die Taliban bombardieren Wohn- und Geschäftsviertel. In den vergangenen acht Stunden gab es keine ruhige Minute", so ein Behördenvertreter. Ein zweiter sagte, es sei zu gefährlich für die Menschen, ihre Häuser zu verlassen. "Es ist nicht möglich, nach draußen zu gehen und den Verletzten zu helfen oder Leichen zu bergen." 

Ein Bewohner schrieb im Netzwerk Facebook: "Es sind schwere Explosionen und Gewehrfeuer zu hören, wir sind in Panik." Nach Angaben eines afghanischen Sicherheitsvertreters bezogen Spezialeinheiten der Polizei Stellung, um ein Vorrücken der Taliban zu verhindern.

Bisher nur kurzzeitige Erfolge der Taliban

Die Sicherheitslage in der Provinz Ghasni hatte sich in den vergangenen Monaten noch einmal verschlechtert. Bereits vor dem Überfall haben die Taliban die Provinz militärisch dominiert. Laut dem Think Tank "Afghanistan Analysts Network" haben die Islamisten eine starke Präsenz in fast allen Bezirkszentren. Bisher war es den Taliban nur gelungen, die Provinzhauptstädte Kundus (2015 und 2016) und Farah (Mitte Mai) kurzzeitig zu erobern.

jmw/jj (dpa, afp, rtr)

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