Tour de France: Der Berg ist der Tod des Sprinters | Sport | DW | 20.07.2018
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Nach den Alpenetappen

Tour de France: Der Berg ist der Tod des Sprinters

Innerhalb von zwei Tagen verabschiedet sich ein Großteil der Sprint-Elite von der diesjährigen Tour de France. Die Verantwortung dafür trägt der Tour-Veranstalter ASO, der die Rechnung ohne den Wirt gemacht hat.

Tour de France 2018 | 10. Etappe | Dylan Groenewegen, Niederlande - Team Lotto NL (picture-alliance/dpa/Roth/Augenklick)

Der zweimalige Etappensieger Dylan Groenewegen (r.) kämpft sich den Berg hinauf

Der diesjährigen Tour de France gehen die Sprinter aus. Bereits am Mittwoch scheiterten der Deutsche Marcel Kittel und der Brite Mark Cavendish auf der zweiten Alpenetappe am Zeitlimit. Mit 15 Tour-Etappensiegen ist Kittel Rekordhalter in Deutschland, Ex-Weltmeister Cavendish gewann 2011 das Grüne Trikot des besten Sprinters und feierte in seiner langen Karriere insgesamt 30 Tour-Etappensiege.

Am Donnerstag, auf der Königsetappe durch die Alpen, gaben die zweimaligen Etappensieger Fernando Gaviria aus Kolumbien und Dylan Groenewegen auf, ebenso die deutschen Sprinter André Greipel, Rick Zabel und Marcel Sieberg.

"Rekordhalter" Cipollini

Tour de France 1998 | Mario Cipollini, Italien - Team Saeco (picture-alliance/dpa/AFP/P. Pavani)

Rekordhalter im Tour-Aufgeben: Mario Cipollini

Dass Sprint-Spezialisten bei den schweren Bergetappen der Frankreich-Rundfahrt das Handtuch werfen, ist nicht neu. So war der Italiener Mario Cipollini, in den 1990er Jahren einer der weltbesten Sprinter, dafür bekannt, dass er regelmäßig in den Bergen ausstieg. Achtmal ging er bei der Tour an den Start, feierte insgesamt zwölf Etappensiege, erreichte aber niemals den Zielstrich in Paris.

Normalerweise sammeln sich die Sprinter in den Bergen im so genannten "Gruppetto" (oder "L‘Autobus", wie die Franzosen sagen) am Ende des Feldes und schaffen es meist gerade eben so innerhalb des Zeitlimits ins Ziel. Dass beinahe die komplette Sprinterelite sich schon auf den ersten Bergetappen verabschiedet, ist ein Novum.

Sky-Fahrer als Tempomacher

Die Schuld daran trägt der Tour-Veranstalter ASO, der die Rechnung ohne das bärenstarke britische Team Sky um Titelverteidiger Christopher Froome und den Mann in Gelb, Geraint Thomas, gemacht hatte. Die Streckenplaner wollten die Tour noch spektakulärer und damit attraktiver für die Zuschauer machen. Also schickten sie die Fahrer auf dem elften Teilstück auf eine mit 108,5 Kilometern ungewöhnlich kurze, aber schwere Strecke mit zwei Pässen der höchsten Kategorie und dem Schlussanstieg hinauf nach La Rosiere.

Das Sky-Team forcierte in der Schlussphase des Rennens so sehr das Tempo, dass Kittel und Cavendish aus der Karenzzeit fielen. Laut Tour-Reglement gibt es für das Zeitlimit sieben verschiedene Kategorien, je nach Länge und Schwierigkeitsgrad der Etappe. Die Durchschnittsgeschwindigkeit des Siegers entscheidet dann, um wieviel Prozent die anderen Fahrer langsamer sein dürfen.

Marcel Kittel im Zielbereich der elften Tour-Etappe. Foto: dpa-pa

Gelitten, am Ende vergeblich - Marcel Kittel im Zielbereich der elften Tour-Etappe

Die elfte Etappe sei ein "Hammer" gewesen, sagte Kittel, der nach eigenen Worten noch niemals zuvor bei einem Radrennen am Zeitlimit gescheitert war. Er wisse nicht, wie er ein derartiges Teilstück überleben solle, sagte Kittel, "selbst wenn ich noch zehn Prozent Extraform draufpacke." Er habe nichts anderes machen können. "Ich kann mir kein Bein abreißen und ein bisschen weniger wiegen", sagte Kittel.

"Mit Vollgas in den Pass gefahren"

Das zwölfte Teilstück war mit 175 Kilometern zwar länger, aber gespickt mit Höchstschwierigkeiten: mit dem Col de la Madeleine und dem Col de la Croix de Fer zwei Pässe der höchsten Kategorie, auf über 2000 Metern gelegen, dazu noch der legendäre Schlussanstieg hinauf nach Alpe d'Huez, 13,8 Kilometer lang mit einer durchschnittlichen Steigung von 8,1 Prozent. Und wieder machte Sky ein höllisches Tempo.

Dass auf dieser Etappe gleich fünf Sprinter aufgaben, verwundert kaum. Schließlich steckten ihnen noch die Strapazen des Vortags in den Knochen, als sie sich mit Mühe und Not innerhalb des Zeitlimits ins Ziel gerettet hatten. Rick Zabel - der Sohn des sechsmaligen Gewinners des Grünen Trikots, Erik Zabel - bezeichnete die 12. Etappe im ZDF als "sehr fragwürdig". Sein Teamkollege Nils Politt kritisierte vor allem den Veranstalter ASO: "Ich weiß nicht, was die ASO davon hat, wenn keine Sprinter mehr im Rennen sind. Wir sind mit Vollgas in den Col de la Madeleine gefahren, es war richtig hart."

Wer gewinnt den Sprint in Paris?

Im Rennen verblieben sind nur noch wenige Fahrer mit herausragenden Sprintqualitäten wie Weltmeister Peter Sagan aus der Slowakei, der im Grünen Trikot fährt, oder der Deutsche John Degenkolb, der die Pflasterstein-Etappe nach Roubaix gewonnen hatte. Beide gelten eher als Klassiker-Spezialisten, denn als reine Sprinter.

Frankreich, Paris: Tour de France 2017: Andre Greipel (Getty Images/M. Steele)

Zielsprint auf den Champs Elysees: 2017 gewinnt André Greipel (Mitte)

Wer wird diesmal die prestigeträchtige Schlussetappe der Tour de France auf den Champs Elysees gewinnen, die fast immer im Massenspurt entschieden wird? Die Sieger der vergangenen neun Jahre - Groenewegen (2017), Greipel (2015 und 2016), Kittel (2013 und 2014) und Cavendish (2009 bis 2012) - haben sich innerhalb von zwei Tagen in den Alpen verabschiedet.

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