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Torfrau Ann-Katrin Berger bleibt den DFB-Frauen treu

19. Dezember 2025

Ann-Katrin Berger will ihre Karriere in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft fortsetzen. Bundestrainer Christian Wück plant weiter mit der Torfrau, die nicht nur im Fußball über Berge und durch Täler gegangen ist.

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Vor dem Nations-League-Finale gegen Spanien winkt Ann-Katrin Berger vor der Nationalhymne ins Publikum
Ann-Katrin Berger (hinten, 2.v.r.) will weiterhin in der deutschen Nationalmannschaft spielenBild: Fabian Kleer/Fussball-News Saarland/IMAGO

Mit 35 Jahren ist noch lange nicht Schluss - jedenfalls gilt das für Fußball-Torfrau Ann-Katrin Berger. Die Nummer 1 der deutschen Nationalmannschaft informierte den Deutschen Fußball-Bund (DFB), dass sie ihre Karriere bei den DFB-Frauen fortsetzen wolle. Berger hatte sich für ihre Entscheidung mehrere Wochen lang Zeit genommen.

"Ich möchte so eine Entscheidung mit einem kühlen Kopf entscheiden, weil es eine langfristige Sache ist - das ist mir bewusst", hatte sie am Rande der UEFA-Sitzung Anfang des Monats gesagt, bei der Deutschland den Zuschlag für die Frauen-Europameisterschaft 2029 erhalten hatte. Jetzt ist klar: Sie macht weiter.

Rückendeckung durch Bundestrainer Wück 

Offenbar reizt Berger die Aussicht, auch noch Mitte 2027 bei der Weltmeisterschaft in Brasilien zwischen den Pfosten des deutschen Tors zu stehen. Bundestrainer Christian Wück hatte ihr bei einem Gespräch deutlich gemacht, dass er die zweimalige deutsche "Fußballerin des Jahres" (2024 und 2025) gerne weiter im Team hätte.

Bergers aktueller Vertrag bei, frisch gebackenen US-Meister FC Gotham im Bundesstaat New Jersey läuft noch bis Ende 2026. Doch die Torhüterin liebäugelt nach eigenen Worten mit dem Gedanken, auch noch mit 40 Jahren im Tor zu stehen. Das wäre 2030, die Heim-EM in Deutschland läge dann schon ein Jahr zurück.

Olympia-Heldin 2024

In Sachen Nationalmannschaft war Berger eine Spätberufene. Erst mit 30 Jahren hatte sie Ende 2020 ihr Länderspieldebüt gegeben. Damit war sie die viertälteste Debütantin in der Geschichte des DFB-Teams. "Jeder sagt, dass Torhüter mit 30 erst richtig gut werden. Ich bin gerade auf einem guten Trip", meinte Berger damals.

Im Spiel um Platz drei bei Olympia 2024 pariert Ann-Katrin Berger den Elfmeter der Spanierin Alexia Putellas
Im Spiel um Platz drei bei Olympia 2024 pariert Ann-Katrin Berger den Elfmeter der Spanierin Alexia PutellasBild: Marcus Brandt/dpa/picture alliance

Zur Nummer eins machte sie jedoch erst Interims-Bundestrainer Horst Hrubesch vor den Olympischen Spielen 2024 in Paris. Dort wurde sie zur sportlichen Heldin: Im Viertelfinale gegen Kanada parierte sie im Elfmeterschießen zwei Schüsse und verwandelte anschließend den entscheidenden Elfmeter selbst.

Im Spiel um Platz drei gegen Spanien hielt sie dann in der Nachspielzeit einen Strafstoß der zweimaligen Weltfußballerin Alexia Putellas und sicherte damit den DFB-Frauen die Bronzemedaille.

Sichere Elfmeterschützin

Auch bei der EURO 2025 in der Schweiz hatte Berger maßgeblichen Anteil daran, dass die Nationalmannschaft bis ins Halbfinale vordrang, wo das DFB-Team knapp an Spanien scheiterte. Im Viertelfinale gegen Frankreich parierte Berger im Elfmeterschießen zweimal und versenkte ihren eigenen Elfmeter im Netz.

Geboren in der Stadt Göppingen im Südwesten Deutschlands, hatte Berger in ihrer Kindheit zunächst auf dem Feld Fußball gespielt, was ihr heute noch zugute kommt.

Eine besondere Spezialität Bergers sind ihre langen und genauen Abschläge, mit denen sie häufig gefährliche Angriffe einleitet. Und sie ist eine sichere Elfmeterschützin.

Mit 24 Jahren ins Ausland

Erst mit 16 Jahren wechselte Berger dauerhaft ins Tor. 2012 wurde sie mit Turbine Potsdam deutsche Meisterin, 2014 verließ sie mit 24 Jahren Deutschland: in Richtung Paris St. Germain.

Ann-Katrin Berger mit einer Fußparade in einem Bundesligaspiel 2013 für Turbine Potsdam
Von 2011 bis 2014 stand Ann-Katrin Berger für Turbine Potsdam im TorBild: foto2press/IMAGO

"Ich wollte etwas Neues ausprobieren und erleben, was im Ausland abgeht", sagte Berger später rückblickend. "Für meine ganz persönliche Entwicklung war der Schritt ins Ausland richtig." 2016 heuerte sie in England beim Klub Birmingham City LFC an.

Zweimal an Krebs erkrankt

In jenem Jahr starb ihr Vater. "Wegen ihm habe ich Fußball gespielt. Wegen ihm bin ich die, die ich jetzt bin", sagt Berger. Als wäre der familiäre Schicksalsschlag noch nicht genug, wurde 2017 bei der Torhüterin auch noch Schilddrüsenkrebs diagnostiziert. Berger wurde operiert. Vier Monate später stand sie wieder auf dem Trainingsplatz. 2022 kehrte der Krebs zurück, erneut unterbrach die Torhüterin ihre Fußball-Karriere nur kurz.

Über ihre Operationsnarbe ließ sich Berger ein Tattoo stechen. "Eine Zeichenkette, die bedeutet: Alles, was wir haben, ist jetzt", schrieb die Fußballerin in ihrer 2025 erschienenen Autobiographie "Das Spiel meines Lebens": "Ich akzeptiere den Krebs, der mir ans Leben wollte, so wie ich akzeptiere, dass da Gegnerinnen auf dem Platz stehen, die mir einen Ball ins Tor kicken sollen."

Wie der Schiffsmast im Unwetter

2019 wechselte Berger zum FC Chelsea, mit dem sie fünf englische Meister-Titel sammelte. Seit 2024 spielt sie - gemeinsam mit ihrer englischen Lebenspartnerin Jess Carter, mit der sie seit 2017 zusammen ist - beim FC Gotham.

"Wenn ich im Tor stehe, bin ich glücklich. Es ist mein Happy Place; ein Ort, an dem ich ganz bei mir bin", schreibt Ann-Katrin Berger in ihrem Buch.

Ann-Katrin Berger und Jess Carter präsentieren nach dem Gewinn der englischen Meisterschaft 2023 die Trophäe
Sportlich und privat ein Paar: Ann-Katrin Berger und Jess Carter - hier nach dem Gewinn der englischen Meisterschaft 2023Bild: Nigel French/empics/PA/picture alliance

Getragen über all die Jahre, auch durch schwierige Phasen, so Berger, habe sie ein Bild ihres Kinderpsychologen, der sie einst wegen Hyperaktivität behandelte. 

"Ich bin wie der Schiffsmast in einem Unwetter. Wenn das Leben mir etwas hinwirft, dann schau ich mir das an, entspanne mich und reite die Welle, die da kommt. Egal, wie groß sie ist."

Mit dem DFB-Team würde sie gerne noch die eine oder andere Erfolgswelle reiten.

DW Kommentarbild Stefan Nestler
Stefan Nestler Redakteur und Reporter