Tonga und Cookinseln verurteilen Missbrauch ihrer Flaggen
4. Februar 2026
Die Regierungen von Tonga und den Cookinseln haben die Verwendung ihrer Flaggen von mindestens 29 Öltankern verurteilt. Diese Schattenflotte soll Öl zwischen Staaten transportiert und umgeladen haben, die international sanktioniert sind.
Bei den meisten Schiffen handele es sich um Öltanker, die offenbar zwischen dem Iran und China verkehren, sagt Mark Douglas vom Forschungsinstitut "Starboard Maritime Intelligence", einem Unternehmen mit Niederlassungen in Neuseeland, London und Washington. Ihm zufolge sollen die Schiffe zuerst iranisches Rohöl im Persischen Golf eingeladen haben. Durch Umladung von Schiff zu Schiff soll die wahre Herkunft des Öls verschleiert werden, bevor das Öl von anderen Tankern in China entladen werde.
Große Öl fördernde Länder wie der Iran, Venezuela und Russland stehen derzeit unter internationalen Sanktionen. Sie nutzen in den letzten Jahren immer mehr Transportschiffe, die unter falscher Flagge fahren, um die Sanktionen zu umgehen. Gegen die sogenannte Schattenflotte haben die USA in der letzten Zeit den Kampf verstärkt. So enterten die US-Streitkräfte am 20. Januar den Öltanker "Sagitta" in der Karibik, der unter liberianischer Flagge fuhr. Letzte Woche hat Frankreich den russischen Öltanker "Grinch", der Anfang Januar unter der Flagge der Komoren im Indischen Ozean aus dem russischen Hafen Murmansk ausgelaufen war, in der französischen Hafen Marseille festgesetzt.
"Illegal und ohne Genehmigung"
Die Häufung solcher Fälle lenkte die Aufmerksamkeit von Maritime Cook Islands, jener Schifffahrtsbehörde, die das Flaggenregister des Landes im Pazifik verwaltet. Anfang Januar wurde der Tanker "Bertha" unter der Flagge der Cookinseln vor Venezuela gesichtet. Nur, Martime Cook Island kennt das Schiff nicht. Sofort leitete die Behörden Maßnahmen ein und richtete ein Portal ein, um alle Registrierungen auf Gültigkeit zu prüfen, um "Transparenz, Effizienz und Zugang zum Schiffsregister zu verbessern".
Auch das Königreich Tonga im Pazifik schlug Alarm. "Jedes ausländische Schiff, das derzeit unter tongaischer Flagge fährt, ist ein Betrüger. Es verkehrt ausdrücklich ohne Genehmigung des Königreichs", hieß es in einer Stellungnahme. Eine Neuzulassung für internationale Schifffahrt durch die Regierung Tonga sei nach 2002 nicht möglich. Das Land habe bereits das Register geschlossen, berichtete Radio New Zealand.
Fahren ohne Zulassung
"Diese Tanker nutzen falsche Flaggen, um illegalen Handel zu betreiben, nachdem ihre Zulassung aufgrund der Sanktionsmaßnahmen von anderen Registern für nichtig erklärt worden ist", sagt Experte Douglas im DW-Interview.
"Von den 29 Tankern, die nachweislich illegal die Flagge von Tonga oder den Cookinseln verwenden, stehen 21 unter Sanktionen. Andere senden ungültige Funk-ID, die eine Überprüfung ihrer Zulassung erschwert."
Die Funk-ID wird mittlerweile zur weltweiten Ortung von Schiffen eingesetzt. Die Besatzung kann das System jedoch einfach ausschalten. Das Schiff wird somit praktisch unsichtbar. Diese Taktik soll Nordkorea seit einigen Jahren angewendet haben. "Die Manipulation soll bei Hafeninspektionen aufgedeckt werden", sagt Douglas, "dann kommen auch andere Missstände wie Ladung und Besatzung mit ans Tageslicht."
"Allerdings meiden diese Tanker in der Regel entweder Häfen oder sie laufen Häfen an, in denen die Betreiber wissen, dass die Papiere des Schiffes nicht genau geprüft werden", setzt Douglas fort.
Internationaler Druck
Tonga und die Cookinseln gehen nun an die internationale Öffentlichkeit. Sie haben die Internationale Seeschifffahrtsorganisation alarmiert und Schiffe unter falscher Flagge angezeigt. Die USA, Frankreich und Großbritannien gehen proaktiv gegen die "Schattenflotte" vor.
Dazu sind die Inselstaaten nicht in der Lage. Stephen Nagy, Professor für internationale Beziehungen an der International Christian University in Tokio, sagt, dass beide Pazifikstaaten über wütende Erklärungen hinaus nur begrenzte Möglichkeiten haben. "Tonga und die Cookinseln haben einfach nicht die Kapazitäten, um dieses Problem alleine zu lösen, da sie nur über begrenzte Ressourcen verfügen und weit entfernt von den Einsatzgebieten von den Tankern sind."
Tonga und die Cookinseln könnten die Regierungen Kanadas, Neuseelands und Australiens um Amtshilfe bitten, so Nagy weiter. Wenn man nichts gegen diese Schiffe unternehme, die große Mengen an Treibstoff oder anderen gefährlichen Chemikalien transportieren und deren Seetüchtigkeit unbekannt ist, könnte dies zu einer Naturkatastrophe führen.
Den Inselstaat Tonga, der 2.300 Kilometer nordöstlich von Neuseeland liegt, besuchte diese Woche der deutsche Außenminister Johann Wadephul. Tonga hat circa 108.000 Einwohner, die auf 36 von etwa 170 Inseln leben. Wie die Cookinseln, die weitere 1.000 Kilometer östlich von Tonga liegen, ist der Inselstaat extrem stark vom Klimawandel betroffen. Wadephul sagte, er werde sich dafür einsetzen, dass Europa mehr dagegen unternehmen werde.
Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan unter Verwendung von Material der Nachrichtenagentur dpa