Bogenschützin Lisa Unruh - die Frau mit dem Anglerhut | Sport | DW | 25.07.2021
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Bogenschießen

Bogenschützin Lisa Unruh - die Frau mit dem Anglerhut

Sie hat es wieder getan. Nach Silber in Rio hat Bogenschützin Lisa Unruh auch in Tokio Edelmetall gewonnen: Bronze mit dem deutschen Team. Die 33-Jährige ist Bogenschützin mit Leib und Seele.

Alles kam auf den letzten Schuss an. Lisa Unruh musste den Pfeil aus 70 Metern in den inneren gelben Kreis der Zielscheibe schießen. Traf sie und holte die nötigen zehn Punkte, war die Bronzemedaille für das deutsche Team der Bogenschützinnen unter Dach und Fach. Zielte sie daneben, wäre ein weiterer Satz gegen die Konkurrentinnen aus Belarus nötig geworden. Im Halbfinale gegen die Russinnen hatte die älteste Schützin des deutschen Trios noch gepatzt. "Ich war schuld. Ich konnte meine Technik nicht richtig ausüben und habe dann die Spannung verloren", räumte Unruh später ein.

Im "kleinen Finale" um Platz drei aber behielt die 33-Jährige die Nerven - und traf in die Mitte. "Ich habe die Arschbacken zusammengekniffen und es einfach gemacht", sagte Unruh, die nach ihrem letzten Schuss ihren beiden Teampartnerinnen, der 25 Jahre alten Michelle Kroppen und der 20-Jährigen Charline Schwarz, jubelnd in die Arme fiel. "Ich habe mir die Team-Medaille so gewünscht. Es ist so schön, zusammen zu siegen und sich zu freuen. Es ist genau das, was ich mir erträumt habe", sagte Unruh.

Ihr Ding durchgezogen

Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 hatte die Berlinerin, die bei ihren Wettkämpfen regelmäßig einen beigefarbenen Anglerhut trägt, überraschend Silber gewonnen. Es war die erste olympische Einzelmedaille für Deutschland im Bogenschießen. Damit machte Unruh ihre Sportart in Deutschland populär.

Olympia 2020 Tokio l Bogenschießen - Deutsches Team holt Bronze

Bronze im Team: Lisa Unruh (r.) mit Charline Schwarz (2.v.r.) und Michelle Kroppen (l.)

Als Kind versuchte sich Unruh zunächst als Schwimmerin, dann als Volleyballerin, ehe sie mit zwölf Jahren die passende Sportart für sich entdeckte. "Bogenschießen hat mir sofort tierisch Spaß gemacht", erinnerte sich die 1,80 Meter große Sportlerin einmal. Nachdem sie schon als Juniorin erste internationale Medaillen gesammelt hatte, wurde Unruh 2007 in Bjelovar in Kroatien als 21-Jährige erstmals Europameisterin. 2016 gewann sie in Ankara den Titel der Hallenweltmeisterin. Der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde Unruh aber erst durch ihren Olympia-Coup von Rio. Sie habe wie immer vor dem Wettkampf meditiert und dann "ihr Ding" durchgezogen, erzählte sie später.

Mit Ehemann in Tokio

Unruh verdient ihr Geld als Bundespolizistin. Seit 2020 ist sie mit dem Bogenschützen Florian Unruh verheiratet, der ebenfalls in Tokio am Start ist. Gemeinsam bestreiten sie auch Mixed-Wettkämpfe.

"Wer hat sich früher nicht aus einem Stock und einer Schnur einen Bogen gebaut und im Garten geschossen? Das macht einfach Spaß" antwortete Lisa Unruh einmal in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" auf die Frage, worin für sie die Faszination des Bogenschießens liege: "Man lässt etwas durch die Luft fliegen. Wenn man es richtig kann, ist das Faszinierendste, zu spüren, wie der Schuss sich löst, wie man den Pfeil fliegen lässt. Man weiß, der geht jetzt voll ins Gelbe." Wie in Tokio.

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