Tausende Katalanen demonstrieren für inhaftierte Anführer | Aktuell Europa | DW | 15.07.2018
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Katalonien-Konflikt

Tausende Katalanen demonstrieren für inhaftierte Anführer

Im Konflikt um die Abspaltung Kataloniens von Spanien lassen die Befürworter nicht locker. In Barcelona protestierten Tausende gegen die Inhaftierung ihrer Anführer. Ein prominenter Katalane sandte eine Videobotschaft.

"Die Straßen Barcelonas müssen heute mit Freiheit gefüllt werden", forderte der ehemalige Regionalpräsident Carles Puigdemont in einem auf Twitter verbreiteten Clip. Kurz darauf strömten am Samstag Zehntausende Separatisten durch die katalanische Metropole und forderten die Freilassung ihrer politischen Führer. Nach Schätzung der städtischen Polizei nahmen rund 110.000 Menschen an der Demonstration teil.

Die Katalanen verlangten außerdem, dass Separatisten, die wie Puigdemont ins Exil geflüchtet waren, nach Katalonien zurückkehren dürfen - ohne Angst vor einer Verhaftung haben zu müssen. Auch Puigdemonts Nachfolger im Amt des Regionalpräsidenten, Quim Torra, nahm an der Kundgebung teil. Neben ihm und Politikern verschiedener Parteien beteiligten sich auch bekannte Sportler und Künstler Kataloniens.

Barcelona Demonstration Politische Gefangene Katalonien Quim Torra (picture-alliance/NurPhoto/X. Bonilla)

Kataloniens Regionalpräsident Quim Torra (Mitte) bei der Demo in Barcelona

Zeichen der Entspannung

In den vergangenen Wochen hatten sich Zeichen gemehrt, die auf eine Entspannung in dem lange andauernden Konflikt hoffen ließen. So hatte der neue spanische Ministerpräsident, der Sozialistenführer Pedro Sánchez, den Katalanen Torra vor kurzem erstmals im Madrider Regierungspalast empfangen. Beide Politiker vereinbarten die Aufnahme konkreter Verhandlungen.

Außerdem hatten die spanischen Behörden neun inhaftierte katalanische Unabhängigkeitsbefürworter aus ihren Zellen in der Nähe von Madrid in ihre Heimat Katalonien verlegt. Damit wollte die Zentralregierung offenbar Spannungen abbauen. Den Demonstranten in Barcelona reichte dies aber nicht. Sie hielten Transparente mit Aufschriften wie "Freiheit für politische Gefangene" hoch und schwenkten katalanische Flaggen.

Puigdemont kein "Rebell"

Am vergangenen Donnerstag hatte das Oberlandesgericht im deutschen Bundesland Schleswig-Holstein den Weg für die Ausweisung Puigdemonts freigemacht. Dieser darf demnach wegen des Verdachts der Veruntreuung öffentlicher Gelder an die spanischen Behörden überstellt werden. Puigdemont war bei der Durchreise durch Deutschland kurz vor Ostern kurzzeitig inhaftiert worden. Ihm droht in Spanien Haft.

Eine Auslieferung wegen Rebellion erklärte das deutsche Gericht allerdings für unzulässig. Auf dieser Grundlage könnten nun die neun in Spanien inhaftierten katalanischen Politiker argumentieren, dass sie nicht wegen Rebellion verurteilt werden dürften, wenn nicht einmal der damalige Regionalpräsident dieses Vergehens schuldig gesprochen werden könne.

Puigdemont hatte im Oktober vorigen Jahres ein umstrittenes Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien abhalten lassen, obwohl die Abstimmung von der spanischen Justiz als illegal eingestuft worden war. Nach der Volksabstimmung rief die Regionalregierung einseitig die Unabhängigkeit Kataloniens aus, wurde daraufhin aber von Madrid abgesetzt. Mehrere Monate stand Katalonien unter Zentralverwaltung.

mak/jmw (afp, dpa)

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