Türkische Regierung besorgt über Moschee-Angriffe | Deutschland | DW | 12.03.2018
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Extremistische Gewalt

Türkische Regierung besorgt über Moschee-Angriffe

Innerhalb weniger Tage wurden in Deutschland zwei Moscheen und ein Gebäude eines deutsch-türkischen Freundschaftsvereins Ziel von Brandanschlägen. Nicht nur unter Türken und Kurden hierzulande sorgt das für Entsetzen.

Nach Brandanschlägen auf zwei Moscheen in Berlin und im baden-württembergischen Lauffen sowie auf ein Gebäude des deutsch-türkischen Freundschaftsvereins fordert die türkische Regierung die deutschen Behörden zur Aufklärung der Taten auf. "Wir beobachten mit Sorge, dass Angriffe auf türkische Moscheen in Deutschland durch rassistische und anti-islamische Gruppen sowie die Terrororganisation PKK zuletzt zugenommen haben", teilte das Außenministerium in Ankara mit.

"Wir erwarten von den deutschen Behörden, dass sie die Verantwortlichen für diese Angriffe sobald wie möglich aufspüren und bestrafen und dass sie alle Maßnahmen ergreifen, damit keine ähnlichen Angriffe stattfinden." In der Mitteilung hieß es, die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK habe den Brandanschlag in Lauffen für sich reklamiert.

Weder auf der Internetseite der PKK noch bei der PKK-nahen Agentur Firat war ein solches Bekenntnis zu finden. Die kurdische Internetseite "Nuce Ciwan" ("Jugend-Nachrichten") hatte berichtet, es habe sich in Lauffen um eine Aktion kurdischer Jugendlicher "gegen den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg des faschistischen, türkischen Staates" im syrischen Afrin gehandelt. In der Region Afrin geht die türkische Armee seit dem 20. Januar mit einer Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG vor. Die Türkei stuft die YPG wegen ihrer Verbindungen zur PKK als Terrororganisation ein.

Moscheeverband Ditib fordert besseren Schutz

Außerdem wurden in dem kurdischen Portal "radikale Aktionen" angekündigt. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums in Berlin teilte am Sonntag mit: "Die örtlich zuständigen Behörden beobachten die Situation und treffen falls erforderlich notwendige Vorkehrungen." Die bisherige Sicherheitsbewertung habe sich aber nicht geändert. Dennoch fürchtet der türkische Moscheeverband Ditib nach dem Vorfall in einer seiner Moscheen in Berlin-Reinickendorf offenbar weitere Anschläge und hat einen "besseren Schutz der Moscheen und schnelle Aufklärung" gefordert.

Die Kurdische Gemeinde Deutschland (KGD) reagierte entsetzt auf die jüngsten Brandanschläge auf Moscheen und andere türkische Einrichtungen in Deutschland. Ihr Bundesvorsitzender Ali Ertan Toprak erklärte in Gießen: "Wer auch immer hinter diesen Anschlägen und Gewaltaufforderungen steht, ob PKK-nahe Kreise oder der türkische Geheimdienst MIT, diese Form der menschenverachtenden Gewalt ist mit nichts zu rechtfertigen!" 

Der Berliner Integrationsbeauftragte Andreas Germershausen wertet den Anschlag auf die Berliner Moschee und ähnliche Taten in anderen deutschen Städten als Terror. "Es ist nicht wichtig, welchen politischen Hintergrund die Taten haben. Wer Gotteshäuser anzündet, dem geht es nur um ein Ziel: Angst und Einschüchterung zu verbreiten. Dem geht es darum, eine Bevölkerungsgruppe zu terrorisieren", erklärte Germeshausen.

bri/ww (kna, dpa)