Türkische Armee bombardiert Kurdenmiliz in Syrien | Aktuell Welt | DW | 28.10.2018
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Syrien

Türkische Armee bombardiert Kurdenmiliz in Syrien

Türkische Streitkräfte haben im Norden Syriens Positionen der kurdischen YPG-Miliz angegriffen. Zeitgleich eroberte die Terrormiliz IS Gebiete im Osten des Landes zurück. 

Türkische Soldaten nahe der syrischen Grenze (Archivbild vom März) (picture-alliance/AA/B. Milli)

Türkische Soldaten nahe der syrischen Grenze (Archivbild vom März)

Einen Tag nach einem Gipfel zum Friedensprozess für Syrien hat die Türkei Stellungen der kurdischen YPG-Miliz im Norden des Bürgerkriegslandes attackiert. Es seien mit der Artillerie Ziele in der Region Kobane beschossen worden, um Terrorakte zu verhindern, meldete die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Die Türkei hat in diesem Jahr bereits eine Offensive gegen die YPG gestartet. Laut Anadolu wurden "Unterstände" der Kurdenmiliz östlich des Flusses Euphrat beschossen.

Die Türkei betrachtet die YPG als den syrischen Ableger der von ihr bekämpften Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), während die USA die Miliz im Kampf gegen die Dschihadisten in Syrien unterstützen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte wiederholt angekündigt, Kobane und weitere Orte in der Nähe der türkischen Grenze würden "von Terroristen gesäubert". Die YPG hatte Kobane im Januar 2015 von der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) eingenommen. 

Kämpferinnen der YPG (Archivbild) (Getty Images/A. Sik)

Kämpferinnen der YPG (Archivbild)

Nun eroberte die Dschihadistenmiliz zeitgleich mit dem türkischen Angriff im Osten Syriens größere Gebiete zurück. Darunter sei auch eines der größten Ölfelder des Landes, hieß es aus Kreisen der Opposition in der Provinz Dair as-Saur. Die Islamisten hätten die Kontrolle über das Gebiet gewonnen, nachdem sich die Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), einer Militärallianz unter Führung der YPG, zurückgezogen hätten. Der IS hatte das Gebiet östlich des Flusses Euphrat vor einem Jahr an die oppositionellen Kämpfer verloren. Seit Tagen liefern sich der IS und die von Kurden geführten SDF heftige Kämpfe im Osten Syriens. 

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte starben seit Freitag mindestens 68 SDF-Kämpfer bei dem schwersten Angriff der Islamisten seit Monaten. 

Der Vierergipfel schloss in seiner Erklärung unter anderem einen Kurdenstaat aus (picture-alliance/Sputnik/M. Klimentyev)

Der Vierergipfel schloss in seiner Erklärung unter anderem einen Kurdenstaat aus

Die USA unterstützten die SDF, die eine zentrale Rolle bei der Eroberung der früheren IS-Hochburgen Al-Rakka und Dair as-Saur gespielt hatten. Der IS hatte sich nach den Verlusten in einige Wüstengebiete an der Grenze zwischen Syrien und dem Irak zurückgezogen. 

Am Samstag hatten Erdogan, Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie die Präsidenten Russlands und Frankreichs, Wladimir Putin und Emmanuel Macron Grundelemente eines politischen Prozesses in dem Bürgerkriegsland vereinbart. Dabei bekräftigten sie ihr "Bekenntnis zur Souveränität, Unabhängigkeit, Einheit und territorialen Unversehrtheit" Syriens. Der Konflikt könne nicht militärisch gelöst werden, sondern nur "durch Verhandlungen im Rahmen eines politischen Prozesses", hieß es nach dem Vierertreffen in Istanbul. 

stu/ml (afp, rtr, dpa)
 

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