Türkei erhebt Anklage nach Botschafter-Mord | Aktuell Europa | DW | 23.11.2018
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Justiz

Türkei erhebt Anklage nach Botschafter-Mord

Vor zwei Jahren wurde der russische Vertreter in Ankara bei einem Attentat erschossen. Der Fall überschattete die Beziehungen beider Länder. Der türkische Staatschef sieht seinen Hauptfeind als Drahtzieher.

Russland | Andrej Karlow (picture-alliance/dpa/epa/S. Ilnitsky)

Gedenken an Karlow nach der Tat vor dem russischen Außenministerium in Moskau (Archivbild)

Knapp zwei Jahre nach dem tödlichen Anschlag hat die Türkei Anklage gegen 28 Menschen erhoben. Unter den Beschuldigten ist auch der islamische Prediger Fethullah Gülen, Erzfeind des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Der russische Diplomat Andrej Karlow war im Dezember 2016 während einer Ausstellungseröffnung in Ankara erschossen worden. Sicherheitskräfte töteten den 22-jährigen Angreifer, einen türkischen Polizisten, der sich zum Tatzeitpunkt nicht im Dienst befand.

"Akt der Provokation"

In der Anklageschrift, die bei Gericht eingereicht wurde, heißt es, die Tat sei ein "Akt der Provokation" gewesen, mit dem Ziel, die Beziehungen zwischen Ankara und Moskau zu belasten. Diese hatten sich zum Tatzeitpunkt gerade etwas entspannt. Sie waren in eine schwere Krise geraten, als die Türkei im November 2015 einen russischen Kampfjet im syrisch-türkischen Grenzgebiet abgeschossen hatte.

Türkei | russische Spezialkrafet bewachen Konsulat in Istanbul (picture-alliance/dpa/epa/T. Bozoglu)

Spezialkräfte bewachen kurz nach dem Anschlag das russische Konsulat in Istanbul (Archivbild)

Den 28 Angeklagten wird unter anderem Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und "Mord aus terroristischen Motiven" vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft für alle Beschuldigten. Im April war im Zuge der Ermittlungen bereits ein Haftbefehl unter anderem gegen Gülen ausgestellt worden.

Öffentliche Distanzierung

Bereits kurz nach dem Anschlag hatte die Türkei die Gülen-Bewegung dafür verantwortlich gemacht. Gülen selbst hatte die Tat öffentlich verurteilt und jegliche Verwicklung bestritten.

Ankara sieht den im US-Exil lebenden Prediger auch als Drahtzieher des Putschversuchs im Juli 2016 und stuft dessen Bewegung als "Terrorgruppe" ein. Die Vereinigten Staaten weigern sich bislang, Forderungen der türkischen Regierung nachzukommen und Gülen auszuliefern.

jj/stu (dpa, afp, rtr)

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