Türkei übt Vergeltung nach Kurden-Angriffen | Welt | DW | 19.10.2011
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Welt

Türkei übt Vergeltung nach Kurden-Angriffen

Blutige Eskalation im Kurden-Konflikt: Mit dem schwersten Angriff auf die türkische Armee seit Jahren fordert die PKK den türkischen Staat heraus. Ankara schlägt zurück und schickt Hunderte Soldaten in den Nordirak.

Türkische Soldaten vor einem gepanzerten Militärfahrzeug in der Region Hakkari (Archivbild: dpa)

Seit Jahren sichert türkisches Militär die Grenze zum Irak gegen Angriffe kurdischer Rebellen

Der Jahrzehnte alte Konflikt hat sich erneut zugespitzt. Im Kampf gegen kurdische Separatisten ist die Türkei offenbar in den Irak einmarschiert. Aus Militärkreisen in Ankara hieß es, Kommandoeinheiten hätten am Mittwoch (19.10.2011) die Grenze zum Nachbarland überschritten.

Angesichts der Entwicklung sagte Regierungschef Recep Tayyip Erdogan seine geplante Reise nach Kasachstan ab. Außenminister Ahmet Davutoglu, der eigentlich nach Serbien aufbrechen wollte, zog es auch vor, daheim zu bleiben.

Porträt Gül (Foto: dpa)

Klare Ansage in Richtung PKK: Staatspräsident Gül

Präsident Gül kündigt Rache an

Derweil trat Staatspräsident Abdullah Gül in Ankara vor die Presse und kündigte ein hartes Vorgehen an. Wer versuche, mit blutigen Angriffen den türkischen Staat zu schwächen, müsse mit entschiedener Gegenwehr rechnen, sagte er.

Generalstabschef General Necdet Özel besuchte den Angriffsort. Das türkische Parlament hatte Anfang Oktober das Mandat der Regierung zur Bekämpfung der PKK im Nordirak verlängert.

Angriff in den Morgenstunden

Vorausgegangen waren mehrere Angriffe der kurdischen Rebellenorganisation PKK auf türkische Militäreinrichtungen an der irakischen Grenze. 24 türkische Soldaten und Polizisten wurden nach offiziellen Angaben getötet, mindestens 18 verletzt. Die türkische Luftwaffe reagierte mit Bombenangriffen auf PKK-Einrichtungen im Irak.

Kämpfer der als terroristisch eingestuften PKK hatten in den frühen Morgenstunden eine Armeeunterkunft in der Stadt Cukurca überfallen. Die meisten Soldaten hätten zu dem Zeitpunkt geschlafen, berichteten türkische Medien. Wachleute hätten das Feuer erwidert. Es sei anschließend zu einem halbstündigen Gefecht gekommen.

Koordinierte Überfälle

Zur gleichen Zeit griffen weitere PKK-Kämpfer andere Ziele in der Grenzprovinz Hakkari im Südosten des Landes an. Insgesamt sollen rund 100 PKK-Kämpfer beteiligt gewesen sein. Als Reaktion darauf hoben türkische Kampfjets von einem Fliegerhorst in der Provinz Diyarbarkir in der Südosttürkei ab, um PKK-Einrichtungen im Nordirak zu bombardieren.

Infografik: Kurdische Siedlungsgebiete (Grafik: DW/Pock)

Die PKK kämpft seit Jahrzehnten für die Unabhängigkeit der Kurdengebiete in der Türkei

Militärvertreter teilten mit, mindestens 15 kurdische Angreifer seien getötet worden. Bei der Verfolgung seien türkische Stoßtrupps zudem rund vier Kilometer weit auf irakisches Territorium vorgedrungen.

Reaktion der Bundesregierung

Bundesaußenminister Guido Westerwelle äußerte sich in Berlin "bestürzt und erschüttert" über den Angriff der PKK. Zugleich appellierte er an die Türkei und den Irak, gemeinsam mit der kurdischen Regionalregierung nach Lösungen für den Kurdenkonflikt zu suchen. Terrorgruppen wie die PKK dürften in der türkisch-irakischen Grenzregion kein Rückzugsgebiet haben.

Erdogans Drohung

Erdogan hatte in den vergangenen Wochen wiederholt mit einem Einmarsch der Armee in den Nordirak gedroht, um dort gegen Stützpunkte der Separatisten vorzugehen. Zuletzt war die türkische Armee im Februar 2008 mit mehreren tausend Soldaten im Nordirak einmarschiert.

Terrororganisation

Den meisten irakischen Kurden sind die PKK-Extremisten ein Dorn im Auge. Sie würden es vorziehen, wenn die Separatisten aus der Türkei ihren bewaffneten Kampf aufgeben oder zumindest das Land verlassen würden.

Die PKK wird von der Türkei, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Sie kämpft seit 1984 für Unabhängigkeit oder größere Autonomie der Kurdengebiete in der Türkei. In dem Konflikt kamen bislang rund 45.000 Menschen ums Leben.

Autorin: Eleonore Uhlich (rtr,dpa,afp)
Redaktion: Marion Linnenbrink

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