Tödlicher Feuerüberfall auf türkische Diplomaten in Erbil | Aktuell Nahost | DW | 17.07.2019
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Irak

Tödlicher Feuerüberfall auf türkische Diplomaten in Erbil

Ein Bewaffneter hat in der nordirakischen Stadt Erbil auf Mitarbeiter des türkischen Generalkonsulats geschossen und mindestens zwei Menschen getötet. Der Sprecher von Präsident Erdogan kündigt eine passende Reaktion an.

Irak Erbil | Sicherheitskräfte an Restaurant wo Mitarbeiter des türkischen Konsulats erschossen wurden (picture-alliance/AA/Y. Keles)

Sicherheitskräfte haben den Ort des Anschlags in Erbil abgeriegelt

Der Angriff ereignete sich in einem Restaurant in der Hauptstadt der autonomen Kurdenregion im Nordirak.  Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte, bei einem der Todesopfer handele es sich um einen türkischen Diplomaten. Der zweite Tote sei ein Iraker. Zudem seien mehrere Menschen verletzt worden. Der Restaurantbesitzer hatte zuvor angegeben, bei beiden Toten handele es sich um türkische Konsulatsmitarbeiter. Nach Angaben der Sicherheitsbehörde in Erbil wurde ein Mensch schwer verletzt. Zunächst hatte die irakische Polizei von drei Todesopfern berichtet, später sprach ein Polizeivertreter von zwei Toten. Einer der Toten soll der türkische Vize-Konsul in Erbil sein. 

Der Restaurantbesitzer berichtete von einem gezielten Angriff. Der Mann habe das Restaurant betreten, sei zum Tisch mit den Mitarbeitern des türkischen Konsulats gegangen, habe dort zwei Waffen gezogen und das Feuer eröffnet, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Türkei kündigt passende Antwort an

Präsident Recep Tayyip Erdogan schrieb auf Twitter: "Ich verurteile den schändlichen Angriff, der gegen Mitarbeiter unseres Konsulats in Erbil gerichtet war." Erdogans Sprecher, Ibrahim Kalin, bekundete sein Beileid und schrieb auf Twitter, die Suche nach den Tätern laufe. Die Verantwortlichen für den niederträchtigen Anschlag würden die nötige Antwort erhalten. Die US-Botschaft in Bagdad verurteilte die "feige Attacke" und erklärte, für die Sicherheit ausländischer Diplomaten und diplomatischer Vertretungen im Irak zu kämpfen.

Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Unklar ist, ob es einen oder mehrere Angreifer gab. Ein Augenzeuge berichtet, ein Attentäter sei nach der Attacke in ein wartendes Auto gestiegen und geflüchtet. Der Sprecher der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, Diar Denir, sagte, seine Gruppe sei in keiner Weise in den Angriff verwickelt.

Irak Erbil | Sicherheitskräfte an Restaurant wo Mitarbeiter des türkischen Konsulats erschossen wurden (picture-alliance/AA/Y. Keles)

In diesem Restaurant fand der Feuerüberfall statt

Weitere Augenzeugen berichteten, die Polizei habe umgehend Kontrollposten um das Viertel Ainkawa errichtet, in dem sich der Angriff ereignete. Erbil wurde in den vergangenen Jahren weitgehend von den Kämpfen verschont, die den Rest des Landes verwüsteten. Erbil ist die Hauptstadt der kurdischen Autonomieregion im Norden des Iraks und grenzt an die Türkei. Die Kurden haben dort ein eigenes Parlament, eine eigene Regierung und genießen weitgehende Autonomierechte.

Dauerkonflikt mit PKK

Die türkische Armee geht im Nordirak seit Mai verstärkt gegen die PKK vor, die in den Kandil-Bergen an der Grenze zur Türkei und dem Iran seit Jahrzehnten Rückzugslager unterhält. Erst am Mittwoch meldete das türkische Verteidigungsministerium, dass Kampfjets sieben "PKK-Terroristen" im Nordirak getötet hätten. Die Türkei, die USA und die EU haben die PKK als Terrororganisation eingestuft.

Die Türkei liefert sich seit mehr als 30 Jahren einen Konflikt mit der kurdischen Untergrundorganisation. Im Juli 2015 scheiterte ein eingeleiteter Friedensprozess zwischen beiden Seiten. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte im Dezember zudem eine geplante Offensive gegen kurdische Truppen in Nordsyrien angekündigt, sie nach dem angekündigten Abzug der US-Truppen aus dem Land dann aber aufgeschoben.

kle/sti (afp, dpa, rtr, ape)

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