Tödlicher Anschlag auf Kundus-Gouverneur | Asien | DW | 08.10.2010
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Asien

Tödlicher Anschlag auf Kundus-Gouverneur

Bei einem Bombenanschlag auf eine Moschee im nordafghanischen Einsatzgebiet der Bundeswehr ist der Gouverneur von Kundus getötet worden. Mit ihm wurden etliche weitere Menschen in den Tod gerissen.

Der Gouverneur der Provinz Kundus, Mohammad Omar, bei einer Pressekonferenz (Foto: DW)

Prominentes Opfer: Mohammad Omar

Gouverneur Mohammad Omar nahm gerade am Freitagsgebet in einer Moschee in der Stadt Talokan teil, als in dem Gotteshaus ein Sprengsatz explodierte. Die Zentralregierung in Kabul bezifferte die Zahl der Toten zuletzt auf insgesamt 21. Unter ihnen sei auch der Imam der Moschee, heißt es.

Noch ist unklar, ob es sich um einen Selbstmordanschlag handelte oder ob die Bombe bereits in der Moschee versteckt war. Bislang bekannte sich niemand zu der Tat. Talokan ist die Hauptstadt von Kundus' Nachbarprovinz Tachar, woher Omar stammte. Omar hatte immer wieder vor einem Machtzuwachs der Taliban in der Region gewarnt und militärische Verstärkung gefordert. Bereits im Juli war neben der Fahrzeugkolonne des Regionalpolitikers eine Bombe explodiert, Omar überlebte. Im vergangenen Jahr wurde der Bruder des Gouverneurs, der damalige Polizeichef von Kundus, von radikal-islamischen Taliban getötet.

Deutschland "unbeirrt"

Guido Westerwelle (Foto: dpa)

Guido Westerwelle

Bundesaußenminister Guido Westerwelle kondolierte seinem afghanischen Amtskollegen Salmai Rasul. "Ein Anschlag gegen den Repräsentanten des afghanischen Staats in der Provinz Kundus ist ein Angriff auf das, was wir dort gemeinsam schützen und aufbauen: ein souveränes, stabiles, sicheres Afghanistan", schrieb Westerwelle. Deutschland werde "unbeirrt von brutalen Gewalttaten seinen Weg zu Ausgleich und Versöhnung" fortsetzen.

Erst am Donnerstag hatte in Nordafghanistan ein Selbstmordattentäter einen 26 Jahre alten deutschen Soldaten mit in den Tod gerissen. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nahm den Anschlag in der Provinz Baghlan zum Anlass, um vor zu ehrgeizigen Zielen am Hindukusch zu warnen. "Es kann nicht darum gehen, Luftschlössern hinterherzueilen und Illusionen zu bedienen, sondern die Ziele müssen erreichbar sein", sagte Guttenberg in Berlin. Zugleich sprach er sich dafür aus, bereits im kommenden Jahr mit der Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen zu beginnen und eine Abzugsperspektive für die Bundeswehr zu schaffen.  

Abschied in Kundus

Für den getöteten Bundeswehr-Soldaten findet an diesem Samstag (09.10.2010) in Kundus eine Trauerfeier statt. Anschließend soll seine Leiche nach Deutschland geflogen werden, wie der Leiter des Einsatzführungskommandos, Generalleutnant Rainer Glatz, in Berlin mitteilte.

Autor: Stephan Stickelmann (dpa dapd, rtr, afp)
Redaktion: Christian Walz

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