Syrische Armee marschiert in Kurdenmetropole Manbidsch ein | Aktuell Nahost | DW | 28.12.2018
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Syrien-Konflikt

Syrische Armee marschiert in Kurdenmetropole Manbidsch ein

Nach dem angekündigten US-Abzug aus Syrien beginnt sich das Kräftegleichgewicht in dem Land zu verschieben. Die syrische Armee marschierte in die Stadt Manbidsch ein - offenbar auf Bitten der syrischen Kurden.

Syrien Soldat der Regierung mit syrischer Flagge (picture alliance/dpa/V. Sharifulin)

Soldat der Regierungsarmee mit syrischer Flagge (Archivbild)

Syriens Nationalflagge sei in Manbidsch gehisst worden, gab ein syrischer Militärsprecher im Staatsfernsehn bekannt. Das Generalkommando der Armee teilte mit, dass die Truppen ihrer Verpflichtung nachkämen, die staatliche Souveränität auf dem gesamten syrischen Staatsgebiet sicherzustellen. Das Regime in Damaskus hatte vor rund sechs Jahren die Kontrolle über die strategisch wichtige, 30 Kilometer von der türkischen Grenze entfernte Stadt verloren. Zuletzt hatten die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) die Region kontrolliert, sie wurden dabei bislang von US-Truppen unterstützt.

Kurden bitten Damaskus um Hilfe

Die Bekanntgabe des Einmarschs syrischer Einheiten erfolgte kurz nachdem die YPG Damaskus um Beistand gegen die Türkei gebeten hatten. "Wir laden die syrischen Regierungstruppen ein, die Kontrolle über die Gebiete zu übernehmen, die wir ihnen entzogen haben, insbesondere von Manbidsch, und diese Gebiete gegen eine türkische Invasion zu verteidigen", hieß es in einer Erklärung der YPG.

Türkei Gaziantep Panzertransport Aufmarsch Syrien (picture-alliance/AA/R. Korkulutas )

Aufmarsch an der Grenze zu Syrien: Türkische Panzer auf einem Zug

Die syrischen Kurden rechnen mit dem baldigen Beginn einer Militäroffensive der Türkei. Die türkische Armee verstärkte zuletzt ihre Truppenpräsenz an der Grenze zu Syrien. Von Ankara unterstützte syrische Rebellengruppen schickten ihrerseits zusätzliche Kämpfer in Richtung Manbidsch und kündigten an, die YPG aus der Stadt vertreiben zu wollen. Die Präsenz der Kurden-Miliz im Norden Syriens ist der Türkei schon seit längerem ein Dorn im Auge. Sie betrachtet die YPG als Terrororganisation, weil die Kurden-Miliz enge Verbindungen zur Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) unterhält, die seit 1984 gegen den türkischen Staat kämpft. 

Russland begrüßt Einnahme von Manbidsch

Die USA unterstützten die YPG dagegen lange Zeit als schlagkräftigen Verbündeten im Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS). Das US-Militär hatte in Manbidsch einen Stützpunkt. Wegen der US-Truppenpräsenz hielt sich die Türkei bislang mit Angriffen in der Region zurück. Doch nachdem US-Präsident Donald Trump vergangene Woche den Abzug der rund 2000 Soldaten aus Syrien angekündigt hatte, scheint nun der Weg für eine türkische Offensive in der Region frei.

Syrien US-Streitkräfte errichten eine neue Basis in Manbidsch (Reuters/R. Said)

Erst im Mai 2018 errichteten die US-Streitkräfte eine neue Basis in Manbidsch

Russland, das das Regime von Baschar al-Assad unterstützt, begrüßte den Einmarsch der syrischen Truppen in Manbidsch. "Das wird dabei helfen die Sitiation zu stabilisern. Die Ausweitung der Gebiete, die unter Regierungskontrolle stehen, ist zweifellos ein positiver Trend", sagte ein Kreml-Sprecher.

Zuvor hatte der russische Vize-Außenminister Michail Bogdanow angekündigt, dass Russland einen weiteren Syrien-Gipfel mit den Präsidenten des Iran und der Türkei einberufen werde. Sein Land sei an der Reihe, ein solches Treffen zu organisieren, sagte Bogdanow laut der Nachrichtenagentur Interfax. Es werde voraussichtlich in der ersten Januarwoche stattfinden. Das Datum hänge von den Terminkalendern der Präsidenten ab. Bereits an diesem Samstag  werden der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu und Verteidigungsminister Hulusi Akar in Moskau erwartet, um über die Konsequenzen des angekündigten US-Truppenabzugs aus Syrien zu beraten.

ww/AR (dpa, afp, ap)

 

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