Syrien: Viele Tote bei Luftangriffen in Idlib | Aktuell Nahost | DW | 22.03.2018
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Syrien-Krieg

Syrien: Viele Tote bei Luftangriffen in Idlib

Laut Aktivisten wurden bei dem mutmaßlich russischen Angriff auf einen Markt mindestens 22 Menschen getötet. Rebellen aus Ost-Ghuta waren in der vorigen Woche in Richtung Idlib abgezogen. 

Luftangriffe auf Syriens Idlib (picture alliance/AA/H. Muhtar )

Seit Monaten sind immer wieder Orte in der Provinz Idlib unter Beschuss von Regierungstruppen (Symbolbild: Archiv)

Die Luftschläge erfolgten in der Ortschaft Harem nahe der türkischen Grenze, wie die den Regierungsgegnern nahestehende Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Die nordwestliche Provinz Idlib ist weitgehend unter Kontrolle dschihadistischer Rebellen. Harem wird vom Bündnis Hajat Tahrir al-Scham (HTS) kontrolliert, einem weitgehend aus Mitgliedern des ehemaligen Al-Kaida-Ablegers Al-Nusra-Front bestehenden Rebellenverband.

Laut der Beobachtungsstelle handelte es sich "wahrscheinlich" um russische Luftangriffe. Die Angaben der in Großbritannien ansässigen Organisation stammen von Informanten in Syrien und sind kaum zu überprüfen.

Strategische Ziele im Südosten

In Idlib gilt theoretisch seit vergangenem Jahr eine regionale Waffenruhe, doch starteten die Regierungstruppen mit russischer Luftunterstützung Ende Dezember eine Offensive, bei der sie weite Gebiete im Südosten der Provinz von den Rebellen eroberten. Ziel der Offensive war es, einen strategisch wichtigen Militärstützpunkt unter ihre Kontrolle zu bringen und die wichtige Autobahn zwischen Hama und Aleppo zu sichern.

Syrien Ost-Ghuta (Getty Images/AFP/A. Almohibany)

Orte in der Region Ost-Ghuta werden weiter bombardiert wie hier die Stadt Samalka

Im Zuge einer Vereinbarung mit der Regierung waren vor einer Woche hunderte HTS-Kämpfer mit ihren Angehörigen aus dem belagerten Gebiet Ost-Ghuta nahe Damaskus in Richtung der Provinz Idlib abgezogen.

Die humanitäre Lage in Ost-Ghuta verschlechtert sich nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen täglich. Die Menschen seien fast vollständig von medizinischer Hilfe abgeschnitten. Gelagertes medizinisches Material befinde sich in Gebieten, die nun von der syrischen Regierung kontrolliert werden. Die Truppen des Regimes sollen mittlerweile mehr als 80 Prozent von Ost-Ghuta erobert haben.

Rebellen ziehen aus Ost-Ghuta ab

In der Stadt Harasta zogen sich Kämpfer der Rebellengruppe Ahrar al-Scham mit ihren Familien zurück. Das Staatsfernsehen berichtete, mehr als 800 Menschen, darunter viele Kämpfer, hätten an der Frontlinie zwischen den Rebellengebieten und dem Territorium der Regierung Busse bestiegen. Insgesamt sollen laut der staatlichen Nachrichtenagentur Sana rund 1500 Kämpfer mit 6000 Angehörigen Harasta verlassen. 

Syrien Ost-Ghuta (Getty Images/AFP/L. Beshara)

Busse sollen die Rebellen aus Harasta in Ost-Ghuta wegbringen

Parallel dazu geht die Massenflucht aus Ost-Ghuta weiter. Etwa 1500 Menschen hätten die Stadt Duma am frühen Donnerstagmorgen verlassen, teilte die Beobachtungsstelle mit. Am Vorabend seien es weitere 2000 gewesen. Bereits in den vergangenen Tagen waren Zehntausende aus der einstige Rebellenhochburg geflüchtet. Die Vereinten Nationen schätzen die Zahl der Vertriebenen auf mehr als 50.000. 

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Syrien: Dramatische humanitäre Lage in Afrin und Ost-Ghuta

Die Aufnahmezentren am Stadtrand von Damaskus seien überfüllt und schlecht ausgestattet, erklärte die Hilfsorganisation Norwegian Refugee Council (NRC). Einige Menschen müssten unter freiem Himmel schlafen. Manche der Vertriebenen hätten seit Tagen nichts gegessen. In Ost-Ghuta waren vor Beginn der Militäroffensive des Regimes Mitte Februar rund 400.000 Menschen eingeschlossen.

uh/jj (afp, rtr, dpa)

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