Syrien nennt Weißhelm-Rettung ″kriminelle Aktion″ | Aktuell Nahost | DW | 23.07.2018
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Syrienkrieg

Syrien nennt Weißhelm-Rettung "kriminelle Aktion"

Die Regierung in Damaskus protestiert scharf gegen die spektakuläre Operation, in der mehr als 400 "Weißhelme" aus Syrien gebracht wurden. Für den Skandal seien Israel und dessen Helfershelfer verantwortlich.

Syrien, Golanhöhen: Israelische Armee rettet Weißhelme (Reuters/Israeli Army Handout)

Gerettete steigen unter Militärschutz jenseits der syrischen Grenze in einen israelischen Bus

Insgesamt 422 Menschen, Mitglieder der "Weißhelm"-Hilfsorganisation und Familienangehörige, waren am Sonntag in einer spektakulären Aktion mit Hilfe des israelischen Militärs aus Syrien über die von Israel besetzen Golanhöhen nach Jordanien gebracht worden. Die zivilen Helfer, die Opfer aus umkämpften und zerbombten syrischen Orten retten, waren durch den Vormarsch der syrischen Truppen von Machthaber Baschar al-Assad nahe der Golanhöhen eingeschlossen worden.

Für Damaskus – Terroristen und Agenten

Die Regierung in Damaskus bezeichnet die Mitarbeiter der "Weißhelme" als "Agenten ausländischer Feinde". Syrien wirft, wie auch sein Verbündeter Russland, der Hilfsorganisation seit langem vor, gemeinsame Sache mit Rebellen und Dschihadisten zu machen und Assad stürzen zu wollen. "Die kriminelle Operation von Israel und seinen Werkzeugen offenbart die wahre Natur der sogenannten Weißhelme", sagte ein Vertreter des Außenministeriums in Damaskus. Er bekräftigte den Vorwurf, dass die Ersthelfer eine Frontorganisation für Terroristen und Marionetten ausländischer Regierungen seien.

Gefahr für Leib und Leben

Israel hatte seine Beteiligung mit einer entsprechenden Bitte von US-Präsident Donald Trump und anderer Politiker begründet, die Betroffenen hätten um ihr Leben fürchten müssen. Vor al­lem Kanada, Groß­bri­tan­ni­en und Deutsch­land sollen es ge­we­sen sein, die in Is­ra­el und Jor­da­ni­en schon vor ei­ni­ger Zeit dar­auf dran­gen, die von As­sad be­droh­ten Zivilschützer außer Landes zu bringen.

Kanada, Großbritannien und Deutschland sagten auch zu, die geretteten Weißhelme mit ihren Familien aufzunehmen. Deutschland will in den kommenden drei Monaten acht Helfer und deren nahe Angehörige aufnehmen. Eine Sprecherin von Bundesinnenminister Horst Seehofer sagte, es handele sich voraussichtlich um 47 Menschen. Kanada erklärte sich bereit, bis zu 50 "Weißhelme" und deren Familien, also etwa 250 Menschen, aufzunehmen. Das französische Außenministerium erklärte, Frankreich werde "seinen Anteil" übernehmen und sich auch weiter einsetzen für "diese mutigen Menschen, die Tag für Tag ihr Leben riskiert haben, um der syrischen Bevölkerung zu helfen".

Zahlreiche "Weißhelme" warten auf Rettung

Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP steckt eine Gruppe der Ersthelfer mit Familien weiter im umkämpften Süden Syriens fest. Sie hätten wegen der Lage vor Ort nicht außer Landes gebracht werden können, meldet die Agentur unter Berufung auf kanadische Regierungskreise. Ihre Situation in Syrien sei schwierig. Es sei unklar, ob eine neue Rettungsaktion gestartet werden könne. Um wie viele Personen es sich handelt, ist unklar. Nachdem es am Sonntag zunächst geheißen hatte, rund 800 "Weißhelme" sollten gerettet werden, ist aber zu befürchten, dass noch fast die Hälfte von ihnen auf eine Möglichkeit wartet, Syrien zu verlassen.

Die "Weißhelme" bergen in Rebellengebieten nach Luftangriffen Menschen aus den Trümmern und leisten erste Hilfe. Für ihre Arbeit wurden sie 2016 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Nach ei­ge­nen An­ga­ben arbeiten fast 4000 Helfer für die Organisation.

qu/kle (rtr, afp, dpa, epd)

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