Sudan: Armee greift ein zum Schutz der Demonstranten | Aktuell Afrika | DW | 08.04.2019
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Ostafrika

Sudan: Armee greift ein zum Schutz der Demonstranten

Im Sudan weitet sich der Massenprotest gegen Präsident Omar al-Baschir immer weiter aus. Als dessen Sicherheitskräfte versuchten, die Menschen auseinander zu treiben, griff das Militär ein.

Seit dem Wochenende belagern tausende Regierungskritiker das Hauptquartier der Armee im Zentrum der sudanesischen Hauptstadt Khartum. Auf dem Gelände befinden sich auch das Verteidigungsministerium und die Residenz von Präsident Omar al-Bashir, dessen Rücktritt die Demonstranten fordern.

Nun kam es erstmals zu Auseinandersetzungen zwischen Spezialeinheiten und Soldaten, wie die Zeitung "Sudan Tribune" berichtet. Demnach hatten Spezialkräfte, die dem regimetreuen Geheimdienst unterstehen, mit scharfer Munition und Tränengas auf die Protestierenden geschossen, um die Menge auseinanderzutreiben.

Sudan Proteste gegen Staatschef Al-Baschir in Khartum (Getty Images/AFP)

Bislang ist es nicht gelungen, die Massen in Khartum auseinander zu treiben

Die Soldaten erwiderten daraufhin das Feuer und gewährten Demonstranten Unterschlupf in ihrer Kaserne. Nach Tagesanbruch hätten Soldaten den Platz, auf dem die Demonstranten seit Tagen ausharren, abgesperrt. Berichte über Tote oder Verletzte liegen bislang nicht vor.

Die Ereignisse könnten ein weiterer Beleg sein für die vermutete Spaltung zwischen den Spezialkräften, die al-Baschir unterstützen, und der Armee, mit deren Hilfe sich der Staatschef 1989 an die Macht geputscht hatte.

Sudan Anti-Regierungsproteste in Khartum (Getty Images/AFP/A. Shazly)

Regierungskritiker demonstrieren seit Monaten immer wieder gegen den Päsidenten

Informationsminister Hassan Ismail, der auch als Regierungssprecher auftritt, widersprach den Berichten. "Die Menge vor dem Generalkommando wurde vollständig zurückgedrängt", sagte er, und fügte hinzu, der Sicherheitsapparat sei intakt und arbeite "mit positiver Energie und im Einklang".

Seit mehr als drei Monaten kommt es immer wieder zu Protestkundgebungen. Die Polizei ging immer wieder hart gegen die Teilnehmer vor, die Armee griff aber nicht ein. Die Demonstranten verlangen den Rücktritt des Präsidenten. Sie werfen dem 75-Jährigen vor, für die Wirtschaftskrise und steigende Nahrungsmittelpreise in dem ostafrikanischen Land verantwortlich zu sein.

Sudan Präsident Omar Hassan al-Baschir (picture alliance/dpa/epa/P. Dhil)

Omar al-Baschir: Steht die Armee noch loyal hinter dem Staatschef? (Archivbild)

Nahezu alle Oppositionsparteien haben sich inzwischen den Protesten angeschlossen. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hat einen Haftbefehl gegen Al-Baschir erlasen. Er wird für den gewaltsamen Tod von Millionen Menschen in Darfur, den Nuba-Bergen und anderen Konfliktregionen im Sudan sowie im Südsudan verantwortlich gemacht.

uh/sti (afp, rtr, epd)

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