Studie: Der Regenwald am Amazonas stirbt immer schneller | Aktuell Amerika | DW | 12.10.2019
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Brasilien

Studie: Der Regenwald am Amazonas stirbt immer schneller

Der Raubbau am Tropenwald im Amazonasgebiet ist seit langem bekannt. Doch das brasilianische Institut für Weltraumforschung hat nun Zahlen vorgelegt, die eine Naturvernichtung apokalyptischen Ausmaßes belegen.

Die Vernichtung des Regenwaldes im brasilianischen Amazonasgebiet nimmt rasant zu: Die Entwaldung sei in den vergangenen neun Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 93 Prozent gestiegen, teilte Brasiliens Institut für Weltraumforschung (INPE) mit. Demnach könnte in diesem Jahr erstmals die Schwelle einer jährlichen Verringerung der Waldfläche um insgesamt 10.000 Quadratkilometer erreicht werden.

Laut dem INPE wurden von Januar bis September 2019 mehr als 7800 Quadratkilometer entwaldet - das ist die  zehnfache Fläche von New York. Im Vorjahreszeitraum waren es gut 4000 Quadratkilometer. Im gesamten Jahr 2018 waren demnach knapp 5000 Quadratkilometer Wald vernichtet worden.

Abgeholzte Baustämme in Anapu im brasilianischen Bundesstaat Para (Foto: Reuters/N. Doce)

Abgeholzte Baustämme in Anapu im brasilianischen Bundesstaat Para

Auch bei der Zahl der Brände im Regenwald sei nach der Auswertung von Satellitenbildern ein Anstieg zu verzeichnen, teilte INPE weiter mit. Dem Institut zufolge gab es zwischen Januar und September im Amazonasgebiet 66.750 Brände und damit fast so viele wie im gesamten Jahr 2018. In den vergangenen Monaten erhöhte sich die Zahl der Brände im größten Tropenwald der Welt somit um 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Für Umweltschützer trägt Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro die Hauptverantwortung für die Zerstörung des Regenwaldes (Foto: Reuters/A. Machado)

Für Umweltschützer trägt Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro die Hauptverantwortung für die Zerstörung des Regenwaldes

Experten machen die umstrittene Umweltpolitik des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro für den Anstieg der Waldbrände und die Verringerung der Waldfläche verantwortlich. Der seit Jahresbeginn amtierende Bolsonaro ist eng mit der Agrarlobby verbündet und hat Umweltschutzauflagen gelockert. Brasilianische Bauern durften zuletzt nicht mehr fünf, sondern 20 Hektar Fläche abbrennen, um Platz für Ackerbau und Viehzucht zu machen. Die Behörden, die illegale Rodungen verhindern sollen, wurden unter Bolsonaro geschwächt. Tasso Azevedo von der Initiative MapBiomas, die die Entwaldung des Regenwaldes kartographisch dokumentiert, kommt zu dem Schluss: "Die Entwaldung verläuft weiterhin in einem Tempo, das doppelt so schnell ist wie in den vergangenen Jahren. Ich denke, das liegt an den Signalen, die Bolsonaro weiterhin aussendet."

Abgebrannte Waldfläche nahe der Stadt Porto Velho im Bundesstaat Rondonia im Nordwesten Brasiliens (Getty Images/AFP/C. de Souza)

Abgebrannte Waldfläche nahe der Stadt Porto Velho im Bundesstaat Rondonia im Nordwesten Brasiliens

Die Amazonas-Wälder spielen eine zentrale Rolle bei der Stabilisierung des globalen Klimas. Wegen der zahlreichen Brände in der Region war Bolsonaro in den vergangenen Monaten daher international unter Druck geraten. Am 23. August unterzeichnete er schließlich ein Dekret für einen Armeeeinsatz gegen die Brände.

sti/kle (afp, rtr, kna)

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