Studie: Arbeit schützt vor Armut nicht | Aktuell Welt | DW | 05.12.2019
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Social Justice Index

Studie: Arbeit schützt vor Armut nicht

Nach der globalen Finanzkrise haben viele Industrieländer auf dem Arbeitsmarkt einen erfolgreichen Neustart hingelegt. Das Armutsrisiko ist aber laut dem jüngsten "Social Justice Index" kaum gesunken.

In vielen westlichen Staaten ist einer Studie zufolge trotz eines Aufschwungs am Arbeitsmarkt die Armut nicht zurückgegangen. In 25 von 41 Staaten der Europäischen Union und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) stagniere das Armutsrisiko oder sei sogar gestiegen, heißt es im "Social Justice Index" 2019, den die Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh veröffentlichte. Dabei seien Minderjährige oftmals häufiger von Armut bedroht als alte Menschen.

USA gehören zu Schlusslichtern

Mit dem Index zur sozialen Gerechtigkeit untersucht die Bertelsmann-Stiftung jährlich die Teilhabechancen in den Mitgliedstaaten der EU und OECD anhand der sechs Dimensionen Armutsvermeidung, Arbeitsmarkt, Bildung, Gesundheit, Nichtdiskriminierung und Generationengerechtigkeit. An der Spitze liegen dabei dieses Jahr Island und Norwegen. Deutschland kommt auf Platz zehn. Die USA gehören demnach mit dem 36. Platz zu den Schlusslichtern. Am schlechtesten schneiden die Türkei und Mexiko ab. 

Essensausgabe bei der Tafel in Bremen (Foto: DW/Shamsan Anders)

Essensausgabe bei der Tafel in Bremen

Weltweit haben sich der Studie zufolge die Arbeitsmärkte im Vergleich zu den Jahren der Wirtschafts- und Finanzkrise deutlich erholt. Rund zehn Jahre später liege die durchschnittliche Arbeitslosenquote in den 41 untersuchten Ländern mit 5,3 Prozent erstmals leicht unterhalb des Vorkrisenniveaus von 2008 (5,7 Prozent). Doch der Aufschwung am Arbeitsmarkt habe bisher keine entscheidenden Auswirkungen auf die Armutsquoten.

Minderjährige schlechter gestellt als ältere Menschen 

So sei beispielsweise in Spanien die Beschäftigungsquote zwischen 2013 und 2018 von rund 55 auf 62 Prozent geklettert. Gleichzeitig sei das Armutsrisiko im selben Zeitraum um fünf Prozentpunkte auf 14,6 Prozent gestiegen. Am häufigsten von Armut bedroht seien Menschen in Israel (17,9 Prozent) und den USA (17,8 Prozent).

Betreuungseinrichtung in Halle in Sachsen-Anhalt (Foto: DW/Shamsan Anders)

Betreuungseinrichtung in Halle in Sachsen-Anhalt

Sorgen bereitet den Autoren auch die Kluft zwischen Jung und Alt. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre seien in 27 der 41 EU- und OECD-Staaten häufiger von Armut bedroht als die über 65-Jährigen - und das zum Teil deutlich. Dies gelte auch für Staaten mit gut ausgebauten Sozialsystemen wie Schweden oder Norwegen. Deutschlands gute Platzierung im Gesamtranking beruht der Studie zufolge vor allem auf der anhaltenden Erfolgskurve am Arbeitsmarkt. Neben der stetig sinkenden Arbeitslosenquote gehöre die Jugendarbeitslosigkeit mit 6,2 Prozent im internationalen Vergleich zu den niedrigsten.

Bundesrepublik grundsätzlich keine Ausnahme

Dennoch gilt laut Bertelsmann-Stiftung auch für Deutschland: Mehr Arbeit führt nicht automatisch zu weniger Armut. Während die Beschäftigungsrate zwischen 2013 und 2018 von 73,5 auf 75,9 Prozent stieg, habe sich das Armutsrisiko im selben Zeitraum von 9,4 auf 9,8 Prozent erhöht. Anders als in der Mehrzahl der Länder sei das Armutsrisiko in Deutschland für ältere Menschen mit 9,7 Prozent jedoch leicht höher als das für Kinder und Jugendliche (7,6 Prozent) und der höchste Stand seit zehn Jahren.

sti/ww (dpa, afp)

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