Stipendium gerne, aber wie? | Deutschland-Alumni | DW | 26.11.2013
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Deutschland-Alumni

Stipendium gerne, aber wie?

Keine Studiengebühren - dafür kosten Wohnung und Essen in Deutschland mehr als anderswo. Das merken vor allem ausländische Studierende. Wer Unterstützung sucht, hat viele Möglichkeiten - aber welche passt zu wem?

Miete, Essen, Kleidung - das Leben in Deutschland ist teuer, und neben dem Studium zu jobben schwierig. Wer das Studium nicht von den Eltern finanziert bekommt, braucht Förderer. In Deutschland sind das - im Vergleich zu anderen Ländern - selten die Universitäten. Dafür gibt es zahlreiche Stiftungen und Begabtenförderungswerke, bei denen sich auch ausländische Studierende bewerben können.

Allerdings haben von den rund 250.000 ausländischen Studierenden und 23.000 Doktoranden, die jährlich an deutsche Unis kommen, laut Deutschem Studentenwerk nur 25 Prozent ein Stipendium. Karl-Heinz Korn, internationaler Studienberater der Uni Köln, wundert das nicht. "Schon für das Bewerbungsverfahren brauchen Studierende einen langen Atem", beobachtet er. Denn bis zur Erteilung eines Stipendiums vergeht oft ein Jahr. Schließlich prüfen die Institutionen sehr genau, wen sie finanziell unterstützen.

DAAD ist größter Förderer ausländischer Studierender

Der Sitz des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes (DAAD) in Bonn (Foto: dpa)

Der Deutsche Akademische Austauschdienst ist der wichtigste Stipendiengeber für Studierende

Wichtigster Stipendiengeber ist der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD). Er fördert rund 45.000 ausländische Studierende und damit - so schätzt die internationale Studienberaterin Sandra Gröger von der Uni Bonn - rund 70 Prozent der Stipendiaten aus dem Ausland. Kein Wunder, schließlich gibt es zwölf unterschiedliche Programme für Studenten und sogar 45 für Graduierte. Wer einen Bachelor macht, bekommt monatlich 650 Euro an finanzieller Unterstützung, 750 Euro gibt es für ein Masterstudium und 1000 Euro für die Promotion.

Als Bachelorstudent ein Stipendium zu bekommen, ist grundsätzlich schwierig. Denn, so betont Karl-Heinz Korn: "Die meisten Geldgeber wollen gute Zeugnisse sehen und vorab wissen, ob die Bewerber erfolgreich im Studium sind." Daher haben Studierende bessere Chancen, die bereits einen guten Bachelorabschluss vorweisen können, und nun ihren Master in Deutschland machen wollen.

Auslandsbüros helfen bei Bewerbung

Wer sich im Ausland um ein DAAD-Stipendium bewirbt, kann sich in vielen Ländern in den DAAD-Auslandsbüros Rat holen. An zahlreichen Hochschulen gibt es auch Lektoren im Fachbereich Germanistik/Deutsch als Fremdsprache, die weiterhelfen können. Die 28-jährige Kenianerin Emmy etwa erfuhr von ihrer Deutschdozentin in Nairobi von den DAAD-Stipendien und bewarb sich 2008 erfolgreich um die Finanzierung ihres Masterstudiums in Medienkommunikation an der Uni Bonn.

Teilnehmerinnen eines Integrationskurses 'Deutsch als Fremdsprache' an der Volkshochschule Leipzig erhalten ihre Zeugnisse (Foto: dpa)

Gute Deutschkenntnisse erleichtern den Start

"Ich musste meine Zeugnisse einreichen und sehr gute Deutsch- und Englischkenntnisse nachweisen", erzählt sie. Da Emmy mit ihrem sehr guten Bachelorabschluss zum besten Drittel ihres Jahrgangs gehörte, erhielt sie die Förderung von monatlich 750 Euro. Außerdem bezahlte der DAAD die Reisekosten und Versicherungen. Mit dem Geld konnte Emmy zwar keine großen Sprünge machen, denn in Bonn kostet schon die Miete für ein Zimmer über 300 Euro. Doch sie kam mit dem Betrag aus. "Ich musste bisher nie meine Eltern oder Verwandte bitten, mich zu unterstützen", sagt sie.

Drei Wochen "kultureller Schock"

Die Suche nach einem bezahlbaren Zimmer stellt die meisten ausländischen Studierenden vor Probleme. Denn das müssen sie in aller Regel selbst machen. "Die Internationalen Zentren der Universitäten geben zwar Tipps für die Zimmersuche, aber Wohnungen vermitteln können wir nicht", sagt Gröger. Wie schwierig es sein kann, bezahlbaren Wohnraum in einer deutschen Unistadt zu finden, hat Emmy erlebt, als sie im Mai ihre Promotion in Münster begann. "Ich musste erstmal für ein paar Wochen in einem Gästehaus wohnen", erzählt sie. "Und das ging dann richtig ins Geld."

Wer aus dem Ausland anreist, sollte daher unbedingt Bargeld mitbringen. Denn die Stiftungen überweisen die monatlichen Förderbeträge erst, wenn die Studenten an der Uni eingeschrieben sind und ein eigenes Konto eröffnet haben. Dies wiederum ist die Voraussetzung, um in Deutschland eine Wohnung mieten zu können. "Die ersten drei Wochen in Deutschland sind für viele ausländische Studierende ein kultureller Schock", sagt Karl-Heinz Korn. "Sie haben nicht damit gerechnet, dass sie sich noch um so viele Dinge selbst kümmern müssen."

Internationale Hochschulgruppen helfen weiter

Eine sudanesische Sprachschülerin sitzt ihren Klassenkameradinnen aus Japan und Vietnam vor dem Computer (Foto: dpa)

Kontakte zu anderen ausländischen Studierenden helfen bei der Orientierung in der neuen Heimat

Der Studienberater vermittelt den Studierenden daher gerne Kontakt zu den internationalen Hochschulgruppen oder Hochschulgemeinden. Denn hier finden sie Studenten aus ihren Ländern, die ihnen bei der Zimmersuche helfen, kulturelle Besonderheiten in Deutschland erklären und auch zeigen können, wie sie sich an der Uni zurechtfinden. Wer sich gerne in einer evangelischen oder katholischen Hochschulgemeinde engagieren möchte, kann einen weiteren Vorteil nutzen: In vielen Unistädten haben die Hochschulgemeinden eigene Wohnheime, in denen sie auch oft Zimmer für ausländische Studierende reservieren.

Überhaupt gilt die Regel, so meint Karl-Heinz Korn, dass Studenten, die offen für ein Engagement in Hochschulgruppen sind, es leichter haben in Deutschland. Die Kontakte helfen nicht nur dabei, sich schneller im Uni-Alltag zurechtzufinden. Sie können auch nützlich bei der Bewerbung um ein Stipendium sein. Gute Noten alleine nämlich reichen den meisten Förderungswerken nicht. "Sie möchten sehen, dass sich Bewerber auch sozial und gesellschaftlich engagieren", beobachtet Studentenberaterin Sandra Gröger.

Klein, aber fein: Stiftungen

Das gilt in besonderer Weise für politische und kirchliche Stiftungen sowie Stiftungen von Unternehmen. Wer sich bei politischen Stiftungen der großen Parteien bewirbt - wie der Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU), Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD), Rosa-Luxemburg-Stiftung (Die Linke) oder Heinrich-Böll-Stiftung (Die Grünen) -, muss kein Parteimitglied sein. "Es macht sich aber gut, wenn die Bewerber schon mal an Seminaren oder Fortbildungen dieser Stiftungen teilgenommen haben", sagt Gröger.

Kreuz und Rosenkranz auf Euro-Geldscheinen (Foto: dpa)

Auch kirchliche Stiftungen vergeben Stipendien

Auch die beiden großen Kirchen in Deutschland vergeben Stipendien an ausländische Studierende - allerdings meistens nur an diejenigen, die ihrer Konfession angehören. Häufig müssen sie auch von den jeweiligen Hochschulgemeinden für ein Stipendium vorgeschlagen werden, etwa bei der evangelischen Hilfsorganisation "Brot für die Welt".

Wenn Unternehmen ausländische Studierende fördern, haben sie oft sehr enge Kriterien. Anders die Jobbörse Absolventa: Sie hat eine neue Art der Stipendiumsvergabe entdeckt: Beim "Demokratischen Stipendium" entscheidet die Internet-Crowd per Klick, wer das Geld bekommen soll. Bewerben kann sich jeder, der an einer deutschen, österreichischen oder schweizerischen Universität studiert. Finanziert wird das Stipendium von verschiedenen Unternehmen, zum Beispiel von der Versicherungsgruppe Allianz. Die Höhe legt jeder Bewerber selbst fest - maximal gibt es 3000 Euro.

Unerlässlich: Deutschkenntnisse

Erste Anlaufstelle für ausländische Studierende, die nach Deutschland kommen, sind die sogenannten "Welcome Centers". Dort helfen Betreuer wie Sandra Gröger und Karl-Heinz Korn den internationalen Studierenden, wenn es ums Studium, um finanzielle Fragen, aber auch um das Aufenthaltsrecht geht. Die meisten Berater kennen sich auch mit den verschiedenen Fördermöglichkeiten gut aus. "Egal für welches Stipendium sich ein Student entscheidet, auf Bewerbungsfristen und Altersgrenzen sollte er genau achten", rät Sandra Gröger.

Und dann hat sie noch einen entscheidenden Tipp für Stipendienbewerber aus dem Ausland: "Es lohnt sich, Sprachkurse zu besuchen, denn die Behördensprache ist in Deutschland nur schwer zu verstehen." Wer nicht gerade einen internationalen, englischsprachigen Studiengang an deutschen Unis belegen möchte, muss ohnehin Deutschkenntnisse vorweisen. Für Emmy war das kein Problem. Sie hatte schon in Afrika "Deutsch als Fremdsprache" studiert.

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