Steinmeier in Boston: ″Danke an Amerika″ | Deutschland | DW | 31.10.2019
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Deutsch-Amerikanische Freundschaft

Steinmeier in Boston: "Danke an Amerika"

Die deutsch-amerikanische Freundschaft hat zuletzt ein wenig gelitten. Aber das Verhältnis der beiden Länder ist noch immer ein ganz besonderes. Das betont Bundespräsident Steinmeier auf seinem US-Kurztrip.

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"Wunderbar together" - oder nicht?

Es regnet schon den ganzen Donnerstagmorgen in Boston, und es macht nicht den Eindruck, als würde es demnächst aufhören. Aber davon lässt sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nicht die Laune verderben. Gut gelaunt begrüßt er die Gäste, mit denen er sich im Intercontinental Hotel zu einem Arbeitsfrühstück trifft. Das Motto: "Populismus und Polarisierung - Herausforderungen auf beiden Seiten des Atlantiks".

Steinmeier sitzt mit einigen Bundestagsabgeordneten fünf Sozialwissenschaftlern aus Deutschland und den USA gegenüber. Gesprochen wird darüber, wie man mit Demagogen in der Politik umgehen sollte, wie man auf Wähler populistischer Parteien - oder Unterstützer von populistischen Politikern - zugehen kann, und welche Rolle Medien in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft spielen.  

Die morgendliche Diskussionsrunde ist der Auftakt zu einem zweitägigen Boston-Besuch des Bundespräsidenten. Der Aufenthalt setzt einen Schlusspunkt an das Deutschlandjahr in den USA, das den Titel "Wunderbar Together" trug. Rund 12 Monate lang wurde die deutsch-amerikanische Freundschaft gefeiert. Die weiß auch der Bundespräsident zu schätzen.

USA Bundespräsident Steinmeier in Boston (picture-alliance/dpa/B. Pedersen)

Populismus zum Frühstück: Steinmeier bei der Diskussionsrunde in Boston

"Deutsch-amerikanische Beziehungen - das ist weit mehr als Handelsstreit oder der Streit über Verteidigungsausgaben", betont der Bundespräsident nach dem Frühstück gegenüber Journalisten. "Das Interesse der Menschen in unseren beiden Ländern aneinander ist erhalten geblieben." Mit seinem Besuch wolle er 30 Jahre nach dem Mauerfall auch Wertschätzung gegenüber den USA zeigen. "Danke an Amerika für den Beitrag, den dieses Land geleistet hat, um Einheit und Freiheit im wiedervereinten Deutschland möglich zu machen."

Eine vernachlässigte Freundschaft

Das Deutschlandjahr, eine Zusammenarbeit des Goethe-Instituts, des Auswärtigen Amts und des Bundesverbands der Deutschen Industrie, hat rund 1,3 Millionen Besucher erreicht. In allen 50 US-Bundesstaaten fanden Veranstaltungen in den Bereichen Wissenschaft, Kunst, Kultur, Sprache, Wirtschaft und Sport statt.

Die "Wunderbar Together" Initiative habe dem transatlantischen Verhältnis gut getan, sagt Cathryn Clüver Ashbrook. Die Deutschamerikanerin, die beide Pässe besitzt, leitet an der Harvard Kennedy School das "Project on Europe and the Transatlantic Relationship".

Bundeskanzlerin Merkel mit scheidendem US-Präsident Obama (Getty Images/AFP/J. MacDougall)

Gute transatlantische Beziehungen, NSA hin oder her: Angela Merkel mit Barack Obama (2016)

"Wir haben das Verhältnis, wie man das manchmal macht mit einer Freundschaft, die man schon lange hat, vernachlässigt", so Clüver Ashbrook. Sie betont: "Die Misstöne sind nicht erst unter Trump entstanden. Unter Obama hatten wir zum Beispiel den NSA-Skandal, mit dem Abhören des Kanzler-Handys. Aber Obama und Merkel hatten ein sehr enges persönliches Verhältnis."

Verhältnis von Staatsoberhäuptern nicht entscheidend

Das kann man von der deutschen Kanzlerin und dem aktuellen US-Präsidenten nicht sagen. Donald Trump bezeichnete Deutschland als Gegenspieler in Wirtschaftsfragen und kritisiert die niedrigen Verteidigungsausgaben des Landes. Auf der anderen Seite des Atlantiks ist die Abneigung gegen den US-Präsidenten und seine harsche, von Twitter geprägte Politik groß.

Aber dass sich die führenden Politiker nicht grün sind, heißt nicht, dass Deutsche und US-Amerikaner per se nichts voneinander halten. "Der Bruch, der vom Weißen Haus ausgeht, spiegelt sich nicht in der Bevölkerung wider", sagt Clüver Ashbrook. "Es gibt enge Verbindungen zwischen deutschen und amerikanischen Städten und Firmen."

Katja Petrowskaja und David Levitz beim Bay Area Book Festival in Berkeley (DW/D. Michel)

"Wunderbar Together": Die Autorin Katja Petrowskaja und DW-Redakteur David Levitz in Berkeley (im Mai)

Auch die Organisatoren der German American Conference, die jährlich an der Harvard University vor den Toren von Boston stattfindet, sagen, dass die Meinungsverschiedenheiten in der Politik keinen Einfluss auf andere Verbindungen haben. "Die wahre deutsch-amerikanische Freundschaft spielt sich auf einer viel persönlicheren Ebene ab", sagt Philipp Simons, einer von vier Leitern des Organisationskomitees der German American Conference. "All die engen Verbindungen zwischen Gemeinden in den USA und in Deutschland, ob sie nun auf Freundschaft, Wirtschaftskooperation oder dem Austausch von Ideen basieren, sind in einem sehr viel besseren Zustand, als es uns manche glauben machen wollen."

Daten im Internet: Privatsphäre vs. Komfort

Am Freitag wird Steinmeier vor Teilnehmern der German American Conference sprechen. Bei der Diskussionsrunde soll es um die "Ethik der digitalen Transformation" der Gesellschaft gehen. Ein interessantes Thema - besonders wenn man bedenkt, wie unterschiedlich Deutsche und US-Amerikaner der Digitalisierung und den Internetriesen, die sie vorantreiben, gegenüber stehen.

"Die eine Seite schätzt Privatsphäre am höchsten, die andere Komfort", sagt Clüver Ashbrook. "Die Deutschen vertrauen ihre Daten dem Staat und seinen bürokratischen Institutionen an. Die Amerikaner sind eher bereit, ihre Daten an Google, Amazon und Facebook weiterzugeben, wenn das das Leben für sie einfacher macht."

Unterschiede wie diese können zu Verständnislosigkeit führen, wenn man das jeweils andere Land nur abstrakt aus der Ferne beobachtet. Genau deswegen sind Projekte wie das Deutschlandjahr mit seinen vielen persönlichen Begegnungen so wichtig, sagt Clüver Ashbrook. "Schade, dass es schon zu Ende geht."

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