Steinmeier fürchtet zunehmenden Judenhass | Aktuell Deutschland | DW | 17.06.2019
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Deutschland

Steinmeier fürchtet zunehmenden Judenhass

Bei einem Festakt zum 40-jährigen Bestehen hat Bundespräsident Steinmeier die Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg als Symbol der Versöhnung anerkannt. Zudem ist er besorgt, dass Antisemitismus salonfähig wird.

Deutschland Heidelberg | 40 Jahre Hochschule für Jüdische Studien | Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident (picture-alliance/dpa/U. Anspach)

Steinmeier begrüßt Studentinnen der Hochschule für Jüdische Studien

Nach dem Holocaust hätten sich die meisten nicht vorstellen können, dass ausgerechnet in Deutschland eine solche Hochschule gegründet würde, erläuterte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Feier in Heidelberg. In der Hochschule für Jüdische Studien (HfJS) werde jüdisches Leben "bewahrt und vor allem gelebt".

Deutschland Heidelberg | 40 Jahre Hochschule für Jüdische Studien | Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident (picture-alliance/dpa/U. Anspach)

Blick auf den Campus in Heidelberg

Zugleich kritisierte Steinmeier, fast tagtäglich würden in Deutschland Juden "herabgewürdigt, beleidigt oder sogar tätlich angegriffen"; Grabsteine würden geschändet, und im Netz würden Hetze und Hass verbreitet. Steinmeier zeigte sich besorgt, dass Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft salonfähig werde. Jeder Angriff gegen Juden sei ein Angriff auf die Grundlagen des Zusammenlebens. Wegschauen und weghören dürften keine Option sein, mahnte er.

Erneuter Vorfall in Berlin

Der jüngste Vorfall dieser Art in Berlin lag da erst wenige Stunden zurück: Die Nachrichtenagentur dpa vermeldete einen Vorfall aus der Nacht zum Montag, bei dem ein Unbekannter einen 20-Jährigen, der eine Kippa trug, beleidigt haben soll. Laut Polizei habe der Täter versucht, den Mann zu bespucken, dieser konnte jedoch ausweichen. Der Staatsschutz hat Ermittlungen aufgenommen.

Zentralrat ruft Staat zum Handeln auf 

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, forderte angesichts von Hasskriminalität und antisemitischen Vorfällen sowie "erschreckender" Wahlergebnisse der AfD in den östlichen Bundesländern: "Es darf keine Toleranz gegenüber jenen geben, die an den Grundfesten unserer Demokratie rütteln." Mehr denn je müsse es das Ziel sein, Wissen über das Judentum in die Breite der Bevölkerung zu vermitteln. Hier leiste die Hochschule eine wertvolle und vorbildliche Arbeit.

Schuster rief die Politik auf, Antisemitismus entschiedener zu bekämpfen. So müsse sich in
der Ausbildung der Strafverfolgungsbehörden und bei deren Ausstattung etwas ändern. "Wir brauchen eine Justiz, die antisemitische und im Übrigen rassistische Straftaten als solche benennt und entsprechend sanktioniert." 

Die HfJS ist eine private Hochschule in Trägerschaft des Zentralrats der Juden in Deutschland mit Universitätsrang. Sie wurde 1979 gegründet und steht Lehrenden und Lernenden aller Glaubensrichtungen offen.

uh/se (afp, epd, kna)

Video ansehen 02:37

Deutschland in Sorge über wachsenden Antisemitismus (31.05.2019)

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