Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Folter-Vorwürfen an Handball-Akademie der SG Flensburg-Handewitt | Sport | DW | 14.05.2019
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Handball

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Folter-Vorwürfen an Handball-Akademie der SG Flensburg-Handewitt

Wurden Jugendliche im Handball-Nachwuchsleistungszentrum von Bundesligist SG Flensburg-Handewitt gequält? Nach einem Medienbericht ermittelt nun die Staatsanwaltschaft.

Symbolbild Handball Spieler Halle Hallensport Bundesliga Spielball (picture-alliance/dpa)

Handball, ein harter Sport - und das auch abseits des Feldes?

Ein junger Handballer hatte im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" über Folterrituale an der Kaderschmiede der SG Flensburg-Handewitt berichtet. "Wenn du dich wehrst, tut es noch mehr weh", habe ein anderer Junge nach Aussage des mutmaßlichen Opfers Ole B. gesagt, der schwere Vorwürfe erhebt: Man habe mit einer Rohrzange seine Brustwarzen malträtiert, während Mitspieler ihn festhielten. Das alles sei im März 2016 geschehen, und er habe sich danach in psychologische Behandlung begeben.

Staatsanwaltschaft bestätigt Ermittlungen

Jahrelang soll das schmerzhafte Ritual an der Handball- Akademie stattgefunden haben, berichteten "Der Spiegel" und der NDR. Konkret seien neue Jugendspieler so bei ihrer Aufnahme an die Akademie gequält worden. Nun hat sich die Staatsanwaltschaft Flensburg eingeschaltet. "Aufgrund der medialen Berichterstattung haben wir ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Tatvorwurfs der gefährlichen Körperverletzung eingeleitet", bestätigte Stephanie Gropp, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, auf Anfrage der DW. "Die Ermittlungen stecken aber noch in Kinderschuhen." Die Einzelheiten des Sachverhalts sollen nun zusammengetragen werden, es fehlen noch Namen und detaillierte Angaben zum Geschehen. Eine Anzeige sei bisher nicht eingegangen. Aufgrund der Berichterstattung soll geprüft werden, ob es auch weitere Fälle von Folter an der Akademie gab. "Wir wollen die Vorwürfe möglichst vollumfänglich aufklären", sagte Gropp.

"Dieses Ritual betrifft nicht uns, die Akademie ist unabhängig", hatte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke dem SID zu dem Vorfall gesagt: "Dennoch verurteilen wir auf das Schärfste, was dort passiert ist." Es sei "alles getan worden, um das professionell aufzuarbeiten", versicherte der Manager: "Seitdem hat es nie wieder einen Vorfall gegeben." Die Akademieleitung erklärte, von diesen Ritualen erst im März 2016 erfahren zu haben, den Vorfall gründlich aufgearbeitet und Präventionsmaßnahmen ergriffen zu haben.

"Alle abstechen"

Im "Spiegel" hatte Ole B. von Hilflosigkeit und Wut berichtet, die er nach der Folter empfunden habe: "Einmal saß ich verzweifelt auf dem Sofa und habe zu meiner Mutter gesagt: 'Am liebsten würde ich da hochfahren, ein Messer nehmen und alle abstechen.' So ohnmächtig habe ich mich gefühlt."

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