Staaten bilden Anti-Kohle-Allianz - ohne Deutschland | Aktuell Welt | DW | 16.11.2017
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Kohleausstieg

Staaten bilden Anti-Kohle-Allianz - ohne Deutschland

Paukenschlag auf der Weltklimakonferenz: Kanada, Großbritannien und weitere Staaten haben sich in Bonn zu einer Allianz für den Kohleausstieg zusammengetan. Damit wächst der Druck auf Deutschland.

Das Kohlekraftwerk Mehrum in Niedersachsen (picture-alliance/dpa/J. Stratenschulte)

Das Kohlekraftwerk Mehrum in Niedersachsen

Beim Weltklimagipfel in Bonn haben mehrere Länder unter Führung Kanadas und Großbritanniens eine Allianz für den Ausstieg aus der Kohle gebildet. Die Abkehr von der Kohle-Energie sei der richtige Schritt, sagte Kanadas Umweltministerin Catherine McKenna. "Wir schulden es unseren Kindern." Kohle sei der "schmutzigste fossile Energieträger". Der deutlich gefallene Preis erneuerbarer Energien mache einen Kohleausstieg ohne wirtschaftliche Nachteile möglich. "Der Markt hat sich bewegt, die Welt hat sich bewegt, die Kohle kommt nicht zurück", fügte McKenna hinzu.

Neben Großbritannien und Kanada gehören der "Powering Past Coal Alliance" 23 weitere Mitglieder an, darunter Frankreich, Italien, Österreich, Finnland, Mexiko, Portugal, Costa Rica und die Marshallinseln, aber auch einzelne Provinzen wie das kanadische British Columbia. Deutschland ist nicht Teil des Bündnisses.

Bis zum nächsten UN-Klimagipfel Ende kommenden Jahres in Kattowitz sollen es mindestens 50 Partner werden - vielleicht aber auch "deutlich mehr", sagte die britische Energie-Staatsministerin Claire Perry. Die britische Regierungsvertreterin hob hervor, es gebe einen "unglaublichen Schwung" für den Kohleausstieg. Ihr Land habe den Anteil der Kohle an der Stromerzeugung in den vergangenen fünf Jahren von 40 Prozent auf zwei Prozent zurückgefahren. Dabei habe Großbritannien "kein Wachstum geopfert". Großbritannien will die Kohlenutzung bis 2025 beenden, Kanada bis 2030.

In einer gemeinsamen Erklärung des Bündnisses hieß es, der Ausstieg aus der Kohleverstromung sei "einer der wichtigsten Schritte, die Regierungen ergreifen können, um dem Klimawandel zu begegnen" und das Zwei-Grad-Ziels des Pariser Abkommens zu erfüllen.

Derzeit betrage der Anteil der Kohle an der weltweiten Energiegewinnung fast 40 Prozent, erklärte das Bündnis. Um das Pariser Abkommen zu erfüllen, das eine Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter vorsieht, müssten die Länder der Europäischen Union und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bis spätesten 2030 aus der Kohle aussteigen, der Rest der Welt bis spätestens 2050.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (M.) mit FDP-Chef Christian Lindner und der Grünen-Fraktonschefin Katrin Göring-Eckardt während der Jamaika-Gespräche (picture-alliance/dpa/M. Kappeler)

Bundeskanzlerin Angela Merkel (M.) mit FDP-Chef Christian Lindner und der Grünen-Fraktonschefin Katrin Göring-Eckardt während der Jamaika-Gespräche

Die Verbrennung von Kohle zur Energiegewinnung schade dem Klima, gefährde aber auch Menschenleben durch die Verursachung von Atemwegserkrankungen, hieß es in der gemeinsamen Erklärung des Bündnisses zum Kohleausstieg weiter. Einer neuen Studie zufolge würden jährlich weltweit mehr als 800.000 Menschen durch von Kohle verursachter Luftverschmutzung sterben.

Das internationale Bündnis bringt Deutschland weiter unter Druck. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Mittwoch vor den Delegierten des Klimagipfels erklärt, dass die Kohle einen stärkeren Beitrag zur CO2-Reduktion in Deutschland leisten müsse, es aber offengelassen, in welchem Umfang dies geschehen soll.

Umweltorganisationen und auch eine Reihe von deutschen Unternehmen fordern einen Kohleausstieg, bei den derzeitigen Jamaika-Sondierungen ist diese Forderung jedoch hoch umstritten. Auf die Forderung der Grünen nach einem raschen Kohleausstieg wollen sich FDP und Union bisher nicht einlassen. 

stu/uh (afp, dpa, epd)
 

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