Sri Lankas Regierung sieht den Tourismus baden gehen | Aktuell Welt | DW | 26.04.2019
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Terrorismus

Sri Lankas Regierung sieht den Tourismus baden gehen

Ein Drittel weniger Urlauber wegen der Anschläge - das befürchtet Colombo für das bisherige Touristenparadies im Indischen Ozean. Wie zum Beweis will der Reisekonzern Tui seinen Kunden eine vorzeitige Rückreise anbieten.

Das Areal des Gangaramaya-Tempels in Colombo(Foto: picture alliancedpa/Arco Images)

Wie groß wird der Touristenrückgang sein? Das Areal des Gangaramaya-Tempels in Colombo

Nach den tödlichen Anschlägen in Sri Lanka befürchtet die Regierung einen Einbruch der für das Land wichtigen Tourismusindustrie. "Den Tourismus wird es am schlimmsten treffen", sagte Finanzminister Mangala Samaraweera in Colombo. Die Regierung rechne mit einem Besucherrückgang um 30 Prozent. "Das bedeutet einen Verlust von etwa 1,5 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro)." Er rechne damit, dass Sri Lanka bis zu zwei Jahre brauchen werde, um sich von den Anschlägen zu erholen, fügte der Minister hinzu.

Erholung der Branche erst nach zwei Jahren?

Der Minister sagte weiter, Länder, in denen es ähnliche Anschläge gegeben habe, hätten meist ein bis zwei Jahre gebraucht, bis sich die Tourismusbranche wieder erholt habe. Dazu sei es nötig, "die Ursachen anzusprechen und die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen gut zu kommunizieren". Als Beispiele für Länder, deren Tourismussektor sich nach einem Anschlag relativ schnell wieder erholt hatte, nannte er Belgien, Frankreich, Spanien und Tunesien. Die Regierung wolle bald ein Maßnahmenpaket verabschieden, mit dem Unternehmen aus der Tourismusbranche unterstützt werden sollten, fügte Samaraweera hinzu.

Sri Lankas Finanzminister Mangala Samaraweera (Foto: picture-alliance/NurPhoto/T. Basnayaka)

Finanzminister Mangala Samaraweera malt die Zukunft Sri Lankas in düsteren Farben

Bei den Anschlägen auf mehrere Kirchen und Hotels waren am Ostersonntag nach Behördenangaben 253 Menschen getötet worden, darunter zahlreiche Ausländer. Sie kamen unter anderem aus Großbritannien, Indien, den USA, der Türkei, Australien und Dänemark. Nach den Anschlägen hatten viele Luxushotels in Colombo die Zahl der Buchungen beschränkt und ihre Sicherheitsvorkehrungen erhöht.

Bei Briten, Indern und Chinesen beliebt

Sri Lanka ist als Urlaubsziel vor allem bei Indern, Briten und Chinesen populär, die seine tropischen Strände und malerischen Teeanbaugebiete schätzen. Vor den Anschlägen hatte Sri Lanka gehofft, in diesem Jahr fünf Milliarden US-Dollar (4,5 Milliarden Euro) durch den Tourismus einzunehmen. Im ersten Quartal des Jahres hatte die Zahl der angereisten Besucher bei 740.600 gelegen - ein Anstieg um 4,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Der deutsche Reisekonzern TUI reagierte unterdessen auf die verschärften Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes für Sri Lanka und bietet seinen Kunden die vorzeitige Rückreise von der Insel an. Aktuell befänden sich rund 150 TUI-Urlauber in Sri Lanka, sie würden aktiv von der Reiseleitung kontaktiert, um die vorzeitige Rückreise zu organisieren, teilte TUI mit. Alle Reisen nach Sri Lanka seien bis einschließlich den 31. Mai abgesagt.

"Sicherheitslage im ganzen Land angespannt"

Nach der jüngsten Einschätzung des Auswärtiges Amtes in Berlin ist die Sicherheitslage in Sri Lanka"im ganzen Land angespannt". Es bestehe die Gefahr von weiteren Anschlägen. Von nicht notwendigen Reisen nach Sri Lanka werde daher abgeraten. Eine Sprecherin des Deutschen Reiseverbands (DRV) sagte, bislang sei TUI der einzige deutsche Veranstalter, der Reisen nach Sri Lanka abgesagt habe und aktiv zur vorzeitigen Rückreise auffordere. Aber auch andere Unternehmen stellten ihren Kunden anheim, frühzeitig zurückzufliegen. Bislang gebe es aber nur vereinzelt entsprechende Anfragen. Groben Schätzungen zufolge befinden sich rund 5000 deutsche Urlauber auf der Insel, wie die Sprecherin weiter sagte.

Frauen in Sri Lanka bei der Teeernte (Foto: Imago/BE&W)

Auch ein klassischer Touristenmagnet: Sri Lankas Tee-Anbaugebiete

Sri Lankas Polizei teilte derweil mit, dass Islamisten Geheimdienstinformationen zufolge Moscheen der Sufisten angreifen wollten. Der Sufismus ist eine Strömung im Islam mit mystischen Traditionen. Radikale Islamisten betrachten deren Anhänger wegen deren Toleranz anderen Religionen gegenüber als Feinde.

Gefahr für Sufisten-Moscheen?

In einer Moschee in Colombo wurden mehr als 40 Schwerter und Messer sowie Armee-ähnliche Uniformen entdeckt. Die Sicherheitsvorkehrungen an Sufisten-Moscheen wurden laut Polizei erhöht. Allerdings fanden nur in wenigen islamischen Gotteshäusern Freitagsgebete statt. Die US-Botschaft in Colombo hatte bereits vor Anschlagsplänen gewarnt und gemahnt, Gotteshäuser von Freitag bis Sonntag zu meiden. Auch Touristenziele, Flughäfen, Hotels, Krankenhäuser, Restaurants, Märkte und andere öffentliche Orte könnten Ziele sein, hieß es.

In einem Wohnhaus in Sri Lanka fanden Sicherheitskräfte mehrere Sprengstoffwesten sowie Materialien zur Herstellung von Bomben. Nach der Razzia im Ort Sammanthurai im Osten des Inselstaates gab es dort zudem drei Explosionen und eine Schießerei, wie die Polizei mitteilte. Die Details waren zunächst unklar. Sieben junge Muslime seien festgenommen worden, hieß es von der Polizei. Fernsehbilder zeigten eine Flagge der Terrormiliz "Islamischer Staat", die auch in dem Haus gefunden worden sein soll. Der IS reklamierte die Selbstmordanschläge vom Ostersonntag für sich. Dagegen macht Sri Lanka als Täter eine einheimische Islamistengruppe verantwortlich. 

sti/uh (afp, dpa, epd, kna)

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