Spanien: Gewaltiger Waldbrand in Andalusien - viele Tote
Veröffentlicht 10. Juli 2026Zuletzt aktualisiert 10. Juli 2026
"Es ist ein Feuer bislang nie dagewesenen Ausmaßes", betonte der Bürgermeister der betroffenen Gemeinde Los Gallardos im Süden Spaniens, Francisco Miguel Reyes, im Staatsfernsehen RTVE. Bisher kamen in den Flammen nach jüngsten Behördenangaben mindestens zwölf Menschen ums Leben, 23 Menschen werden noch vermisst. Einige der Opfer wurden tot in ihren Autos entdeckt. Mehrere Menschen werden mit schweren Verbrennungen im Krankenhaus behandelt.
Viele Todesopfer vermutlich Touristen
Der Gesundheits- und Notfallbeauftragte der Regierung in der autonomen Region Andalusien, Antonio Sanz, sagte der spanischen Nachrichtenagentur EFE, alles deute darauf, dass "die meisten oder alle" Todesopfer des Waldbrands von Los Gallardos ausländische Staatsbürger seien. Man warte noch auf den Abschluss der offiziellen Identifizierungsverfahren.
Der Minister fügte hinzu, die Opfer hätten beschlossen, "auf eigene Faust" über ein ausgetrocknetes Flussbett zu fliehen - was sich als "wahre Falle" erwiesen habe, anstatt in ihren Häusern zu bleiben, oder den von den Rettungsdiensten angegebenen Evakuierungswegen zu folgen.
In der Nähe des Brandes befindet sich das bei Touristen beliebte Dorf Bédar.
Fernsehbilder zeigen das gewaltige Feuer in der Provinz Almería. Über der waldreichen Gegend stehen orangefarbene Flammen in großer Breite. Der Brand war am Donnerstagnachmittag in einem Waldgebiet um die Gemeinde Los Gallardos ausgebrochen und hatte sich extrem schnell ausgeweitet, wie die Regionalregierung mitteilte.
Folgenschwerstes Feuer in Andalusien
Katastrophenschutzminister Sanz sprach von einer "beispiellose Tragödie" - es sei der Waldbrand "mit den bislang schwersten Folgen" in Andalusien. "Der Schmerz ist unermesslich. Andalusien trauert, und unser Herz ist bei Almería und allen Betroffenen."
Mehr als 1000 Menschen mehrerer Ortschaften mussten ihre Häuser verlassen. Sie wurden in Notzelten in benachbarten Orten wie Mojácar untergebracht. Auch ein Campingplatz, der bislang von den Flammen verschont blieb, wurde vorsorglich geräumt. 400 teils ältere Menschen seien mit Hilfe des Rettungsdienstes an sichere Orte gebracht worden, sagte ein Behördensprecher.
Mehrere hundert Feuerwehrleute bekämpfen die Flammen. Der Wind habe mittlerweile nachgelassen, was die Löscharbeiten nun begünstigten müsste, hieß es am Freitagmorgen. Die Brandbekämpfung gestaltet sich allerdings schwierig, da das von zahlreichen Schluchten durchzogene Gebiet den Zugang für die Einsatzkräfte erschwert.
Ursache des Brandes war womöglich eine abgerissene Stromleitung, die in die völlig ausgetrocknete Vegetation fiel.
Vegetation durch Hitzewellen augetrocknet
Hitzewellen im Mai und Juni haben weite Landstriche in Westeuropa austrocknen lassen und sie in diesem Jahr besonders anfällig für Waldbrände gemacht. Nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) erwärmt sich Europa mehr als doppelt so schnell wie die übrigen Erdteile, was anhaltende Hitzeperioden immer wahrscheinlicher macht.
In Spanien wüten derzeit mehrere Waldbrände. Seit Jahresbeginn haben dort großflächige Feuer bereits mehr als 50.000 Hektar Land zerstört, wie Daten des Waldbrand-Informationssystems der Europäischen Kommission (EFFIS) zeigen.
Spanisches Königshaus und Zentralregierung kondolieren
Der spanische König Felipe VI. sprach den Familien der Opfer und allen Betroffenen des verheerenden Brandes in Los Gallardos sein Beileid aus. "Wir bringen unsere Trauer und unser Beileid gegenüber den Familien und Angehörigen der Verstorbenen sowie allen Betroffenen zum Ausdruck", erklärte das Königshaus in einer über die sozialen Netzwerke verbreiteten Botschaft.
Auch der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez drückte auf der Plattform X seine "große Trauer und Bestürzung angesichts der schrecklichen Folgen des Brandes" aus.
se/pgr (efe, dpa, rtr, afp)