″SOS Mediterranee″ und ″Ärzte ohne Grenzen″ stechen wieder in See | Aktuell Europa | DW | 21.07.2019
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Seenotrettung

"SOS Mediterranee" und "Ärzte ohne Grenzen" stechen wieder in See

Trotz des massiven Widerstands, insbesondere von Italien, planen die Hilfsorganisationen "SOS Mediterranee" und "Ärzte ohne Grenzen" weitere Rettungsmissionen im Mittelmeer. Das neueste Schiff heißt "Ocean Viking".

Seenotrettung Schiff Aquarius (Getty Images/C. Simon)

Sophie Beau von "SOS Mediterranee" vor der Aquarius

Sieben Monate nachdem die Helfer gezwungen waren, ihre Aktionen vor der libyschen Küste mit dem Rettungsschiff "Aquarius" einzustellen, teilten sie nun mit, mit dem neuen Rettungskreuzer "Ocean Viking" wieder in See stechen zu wollen. Da die Menschen immer noch auf einer der gefährlichsten Routen aus Libyen fliehen und im Mittelmeer kaum Möglichkeiten der Rettung vorhanden sind, war es für "SOS Mediterranee" und "Ärzte ohne Grenzen" völlig klar, auf See zurückzukehren, teilten beide Organisationen mit. Libyen, das sich seit 2011 im Bürgerkrieg befindet, ist seit langem eine der wichtigsten Routen für afrikanische Migranten nach Europa.

Unter norwegischer Flagge

In den vergangenen drei Jahren wurden rund 30.000 Flüchtlinge gerettet. Das neue Schiff, dass unter norwegischer Flagge fährt, wurde in Kooperation mit "Ärzte ohne Grenzen" finanziert. Dennoch fehlt für den Unterhalt der Mission noch Geld. Die Mitbegründerin von "SOS Mediterranee", Sophie Beau, rief zu Spenden auf, um das Projekt zu unterstützen. Allein die täglichen Betriebskosten belaufen sich auf rund 14.000 Euro. Die "Ocean Viking" hat eine Besatzung von 31 Personen, ist mit einer medizinischen Klinik und vier Rettungsbooten ausgestattet und hat die Kapazität, bis zu 200 Migranten aufzunehmen. Das Boot ist 69 Meter lang und muss vor seiner ersten Hilfsfahrt erst noch von Norwegen ins Mittelmeer gebracht werden. Zuvor wurde es als Hochseeversorgungsschiff eingesetzt

Italien Kapitänin Carola Rackete (Reuters/G. Mangiapane)

Salvinis Dorn im Auge: Kapitänin Carola Rackete

In den vergangenen Wochen wurden die Schiffe von Wohltätigkeitsorganisationen, die Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet hatten und Italien ansteuerten, beschlagnahmt. Carola Rackete, Kapitänin der deutschen Wohltätigkeitsorganisation "Sea-Watch", wurde kurzzeitig unter Hausarrest gestellt. Gegen sie läuft ein Ermittlungsverfahren wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung.

Die Aquarius, das vorherige Rettungsschiff von "SOS Mediterranee" und "Ärzte ohne Grenzen" stellte seine Aktivitäten im Dezember 2018 aufgrund von fehlenden Flaggenregistrierungen und rechtlichen Problemen ein. Sowohl Gibraltar als auch Panama hatten auf Druck Italiens die Registrierung des Schiffes entzogen.

Kritik an europäischer Politik

"Seit einem Jahr beobachten wir, dass die europäische Staatengemeinschaft ihrer Verantwortung für die Geflüchteten entlang der Mittelmeerroute nicht mehr nachkommt", erklärte "SOS-Mediterranee"-Geschäftsführer Starke. "Leben retten ist Pflicht!" 

Ärzte ohne Grenzen kritisierte die Mitverantwortung der europäischen Regierungen für das Leiden der Flüchtlinge. "Die europäischen Staaten haben die Seenotrettung rücksichtslos beendet und zivile Schiffe so massiv behindert, dass fast kein Rettungsschiff mehr im zentralen Mittelmeer aktiv sein kann", teilte die Organisation mit.

Rettung durch Kreuzfahrer

Unterdessen wurde bekannt, dass das Kreuzfahrschiff "Marella Discovery" vor der griechischen Halbinsel Peloponnes 111 Migranten aufgenommen hat, die mit einem Boot nach Italien zu gelangen versuchten. Die Menschen - darunter 33 Minderjährige - wurden zum griechischen Hafen Kalamata gebracht. Das teilte die griechische Küstenwache mit.

Kroatien Dubrovnik | Marella Discovery 2 (Image Images/G. Rettinghaus)

Seenotretter Marella Discovery

Das Boot der Migranten war am Vorabend rund 40 Seemeilen westlich der Halbinsel Peloponnes in Seenot geraten. Aus welchen Staaten die Migranten stammen, blieb zunächst unklar.

cgn/fab (afp, dpa, epd)

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