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KonflikteAsien

Sohn starb nach US-Angriff - Familie fordert Gerechtigkeit

Adil Bhat aus Neu-Delhi | Richard Kujur aus Uttar Pradesh
29. Juni 2026

Bei einem US-Angriff auf ein Handelsschiff im Golf von Oman im Juni starben drei indische Seeleute. Die DW sprach mit der Familie eines der Opfer.

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Indien Deoria 2026 | Schwager zeigt Foto des bei US-Angriff auf Tanker getöteten Seemanns Shivanand Chaurasia
Der indische Seemann Shivanand Chaurasia starb bei einem US-Angriff auf ein Handelsschiff im Golf von Oman im Juni 2026Bild: Priyanshu Singh/REUTERS

Sushila Devi kämpft mit ihrer tiefen Trauer. Ihr Ehemann, der Seemann Shivanand Chaurasia, kam am 9. Juni bei einem US-Angriff auf das Handelsschiff "MT Settebello" ums Leben. Der Öl- und Chemietanker unter der Flagge des Pazifikinselstaats Palau fuhr gerade durch den Golf von Oman. Dieser wurde von der US-Marine gesperrt, um die Sanktionen gegen den Iran durchzusetzen, der an der nördlichen Küste des Golfs liegt.

Chaurasia war Maschinenbauer an Bord. Er hatte jahrelang für eine Karriere auf hoher See trainiert. Er war einer von drei indischen Seeleuten, die ums Leben kamen. Die anderen beiden waren ein Ingenieur und ein Offizieranwärter. Die übrigen 21 indischen Besatzungsmitglieder an Bord konnten gerettet werden.

Indien Uttar Pradesh | Familie des getöteten indischen Seemanns Shivanand Chaurasia
Der getöte Seemann Chaurasia mit FamilieBild: Richard Kujur/DW

Die US-Regierung gab an, der Tanker habe iranisches Öl an Bord gehabt und wiederholt Warnungen erhalten. Der Schiffsmanager bestreitet dies und erklärt, das Schiff habe keinerlei Verbindung zum Iran. Er sei auch nicht gewarnt worden.

Indiens Seeleute zahlen den Preis für den Iran-Krieg

"USA haben meinen Mann getötet"

"Die USA haben mir mein ganzes Glück geraubt", sagt Sushila Devi im DW-Interview. "Es waren die USA, die meinen Mann getötet haben. Deshalb schweigen der indische Premierminister Narendra Modi und der Ministerpräsident von Uttar Pradesh Yogi Adityanath. Sie hätten sich für ihre Wähler einsetzen und fragen müssen, warum uns die USA das angetan haben."

Chaurasia wohnte bis zu seinem Tod mit seiner Familie im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh. Die Witwe wohnt immer noch in einem Bauerndorf im Bezirk Deoria. In der Siedlung steht eine Ansammlung von Lehm- und Ziegelhäusern inmitten von Reisfeldern, die sich über mehrere Kilometer erstrecken. Die Familie sitzt schweigend in ihrem bescheidenen Ziegelhaus, während Verwandte und Nachbarn ein- und ausgehen und tröstende Worte sagen.

Indien Neu-Delhi 2026 | Öltanker MT Settebello mit indischer Besatzung von US-Streitkräften angegriffen
"MT Settebello" nach US-AngriffBild: ANI/IMAGO

"Der Tod meines Bruders hat uns so viel Schmerz bereitet", sagt Chaurasias Schwester Soni. "Ich habe keine Lust mehr, in dieser Welt zu leben, denn die Familie hat ihre einzige Hoffnung verloren." Die Familie fühlt sich durch das Schweigen ihrer Regierung im Stich gelassen. Kein Politiker hat die trauernde Familie besucht. "Wir sind arm. Deshalb interessiert es die Modi-Regierung nicht. Wären wir reich gewesen, hätten sie uns besucht", klagt Soni.

Wie die meisten Familien in diesem abgelegenen Teil der Binnenprovinz Uttar Pradesh leben die Chaurasias von der Landwirtschaft und verdienen damit gerade genug, um über die Runden zu kommen. Ein Job auf hoher See sollte für Shivanand Chaurasias ein Ausweg sein. Um das Studium der Schiffsingenieurwissenschaften zu finanzieren, verkaufte seine Familie das Grundstück und nahm einen Kredit in Höhe von umgerechnet 8000 Euro auf. Schließlich bekam er eine Stelle auf einem Öltanker.

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Indiens Seeleute weltweit im Einsatz

Schätzungen zufolge machen indische Staatsangehörige etwa zwölf Prozent der Seeleute weltweit aus. Zehntausende arbeiten auf Handelsschiffen, die einige der gefährlichsten Schifffahrtsrouten der Welt befahren.

Unter einem Baum in der Nähe des Hauses der Familie Chaurasia versammelt sich eine Gruppe von Männern, um zu besprechen, was geschehen war und was dies für sie bedeutet. Viele haben Verwandte, die auf See arbeiten, unter anderem im und um den Persischen Golf.

Für Familien, die Kredite aufnehmen mussten, schien die Arbeit auf See einst ein Ausweg zu sein. Jetzt erscheinen diese Zukunftsaussichten wie ein Glücksspiel, bei dem es um Leben und Tod geht. "Wir werden unsere Männer nicht mehr auf See schicken", sagt ein Dorfbewohner. Die anderen nicken.

Die immensen Kosten des Iran-Krieges

Indische Seeleute wurden seit Beginn des Iran-Kriegs auch bei iranischen Angriffen verletzt. Bhumesh, der nur seinen Vornamen nennen will, ist ein Seemann, der einen iranischen Angriff auf den Tanker "Skylight" am 1. März überlebte, als Teheran seine eigene Blockade des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus verhängte. Es war eines der ersten Schiffe, die während des Krieges angegriffen wurden.

Bhumesh befand sich auf der Brücke des Schiffes, als es unter Beschuss geriet. "Ich wusste nicht, ob ich überleben würde. Ich dachte ständig darüber nach, wie meine Familie ohne mich zurechtkommen würde und ob ich es jemals schaffen würde, wieder nach Hause zu kommen", erzählt Bhumesh.

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Bei der Explosion kamen der Kapitän und ein weiterer indischer Seemann ums Leben. Bhumesh sagt, ein Teil von ihm habe dieses Schiff nie verlassen. Wochenlang konnte er nicht schlafen. "Seeleute gehen nicht dorthin, um Kriege zu führen. Wir gehen dorthin, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen."

Da er nicht mehr in See stechen kann, fährt er nun Lkw und lebt in einem gemieteten Zimmer am Stadtrand der indischen Hauptstadt Neu-Delhi. Mehr als drei Monate später wartet er immer noch auf eine Entschädigung durch die Reederei.

Gewerkschaft ratlos

Bhumesh ist einer von Dutzenden, die die indische Seeleutegewerkschaft registrieren konnte. "Das ist ein ernstes Problem", sagt Manoj Yadav, Generalsekretär der Gewerkschaft "Forward Seamen's Union of India", der DW. "Warum wurden sie ohne jegliche Vorwarnung angegriffen?"

Den ganzen Tag über nimmt Yadav Anrufe von gestrandeten Seeleuten entgegen, die berichten, dass viele im Golf festsitzende Schiffe mit Nahrungsmittel- und Versorgungsengpässen zu kämpfen hätten. Die Gewerkschaft erhält zudem täglich zahlreiche Anrufe von besorgten Angehörigen. "Sie wollen wissen, ob ihr Sohn in Sicherheit ist, ob ihr Ehemann nach Hause kommt", sagt Yadav.

Aktuell dürfen die Handelsschiffe noch nicht reibungslos durch die Meeresenge. Diese Woche startete die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) der Vereinten Nationen eine Operation zur Evakuierung von über 11.000 Seeleuten und Hunderten von Schiffen, die in der Straße von Hormus festsitzen.

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Inzwischen hat Neu-Delhi nach eigenen Angaben bei einem hochrangigen US-Diplomaten eine "scharfe Protestnote" eingelegt. Das ist ein amtlicher Protestbrief in der Diplomatie. Sarbananda Sonowal, Indiens Minister für Schifffahrt und Häfen, hat den Vorfall als "schweren Verlust für unsere Seeleutefamilie" bezeichnet. Die Opposition warf der Regierung vor, zu wenig unternommen zu haben, und stellte das Schweigen von Premierminister Modi zu dem Angriff infrage.

Am Rande des G7-Gipfels im französischen Evian will Premier Modi gegenüber US-Präsident Donald Trump betont haben, wie wichtig der Schutz für indische Seeleute sei, die auf den weltweiten Schifffahrtsrouten im Einsatz sind.

Für die Familie Chaurasia jedoch fühlte sich diese hochrangige Diplomatie doch sehr weit entfernt an. Sie haben noch immer offene Fragen: Steht ihnen eine Entschädigung zu? Wie können andere indische Seeleute vor derartigen Angriffen geschützt werden, die in diesen gefährlichen Gewässern arbeiten? Die Familie von Shivanand Chaurasia ist immer noch auf der Suche nach Verantwortlichen, Entschädigung und Gerechtigkeit.

Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan.

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