So verändert Corona das Fliegen | Europa | DW | 16.06.2020
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Luftfahrt

So verändert Corona das Fliegen

Fast alle Grenzen in Europa sind wieder offen. Damit wird auch der Betrieb an Flughäfen deutlich zunehmen. Wer in den nächsten Wochen in ein Flugzeug steigen möchte, sollte jedoch einiges beachten.

Reisende, die in diesen Tagen in der Europäischen Union in die Ferien starten, sollten sich nicht nur mit den Corona-Bestimmungen ihres Urlaubslandes auskennen - auch an Flughäfen und in der Luft gelten besondere Regeln.

Am Flughafen angekommen - und dann?

Das Wichtigste zuerst: Passagiere müssen an allen europäischen Flughäfen einen Mund- und Nasenschutz tragen - und zwar "vom Betreten des Terminals am Abflughafen bis zum Verlassen des Terminals am Zielflughafen." So heißt es in den Leitlinien, die die Europäische Union veröffentlich hat zu Flugreisen während der Corona-Pandemie. Davon ausgenommen sind Kinder unter sechs Jahren und Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen können.

Außerdem sollten Reisende ihren Mundschutz alle vier Stunden wechseln, sich regelmäßig die Hände waschen und desinfizieren. Da beim Einchecken, Boarding und Fliegen leicht einige Stunden verstreichen können, sollten Fluggäste ein oder zwei Ersatzmasken im Handgepäck verstauen.

Von der Gepäckaufgabe bis zum Boarding - was hat sich geändert?

Apropos Handgepäck: An den meisten deutschen Flughäfen gilt inzwischen die Regel, dass jeder Passagier nur noch ein Handgepäckstück mit an Bord nehmen darf. Dadurch soll die Ansteckungsgefahr bei der Sicherheitskontrolle verringert werden. Beim Check-in und der Sicherheitskontrolle gilt: Mindestens 1,5 Meter Abstand halten.

Check-in am Flughafen Mailand (picture-alliance/abaca/Fotogramma/M. Alberico)

Check-in am Flughafen Mailand-Malpensa: Nur ein Handgepäckstück erlaubt

Um den Mindestabstand einzuhalten, empfiehlt der Branchenverband ADV, alle Passagierprozesse zu "entzerren". Dafür sind die Flughäfen und Airlines verantwortlich. Durch Absperrungen und Markierungen am Boden sollen Warteschlangen so gelenkt werden, dass der Mindestabstand erfüllt wird.  Auch sollen zusätzliche Check-in-Schalter öffnen und Sitzplätze in den Wartebereichen gesperrt werden.

Wie sieht es mit Verpflegung aus?

Wer sich die Zeit zwischen Check-In und Boarding gern mit einem Sandwich oder Orangensaft vertreibt, sollte beachten, dass längst nicht alle Restaurants und Geschäfte an Flughäfen wieder geöffnet haben. Essen und Trinken sind aber - trotz Maskenpflicht - weiter erlaubt.

Gibt es Gesundheitschecks an Flughäfen?

Derzeit ist der Einsatz von Wärmebildkameras und Fieber-Messungen an deutschen Flughäfen nicht verpflichtend. Sollte eine offizielle Forderung nach Gesundheitschecks kommen, seien die Flughäfen aber vorbereitet, so der ADV.

Die Lufthansa will Passagieren vor Abflug außerdem anbieten, sich auf das Coronavirus testen zu lassen. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" will das Unternehmen noch im Juni oder spätestens Anfang Juli an den Flughäfen in Frankfurt und München die Dienstleistung zur Verfügung stellen. Das Ergebnis liege binnen vier Stunden vor. Nach Angaben eines Lufthansa-Sprechers richtet sich das Angebot vor allem an Fluggäste, die in Länder fliegen, die bei der Einreise einen Corona-Test verlangen.

Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr an Bord?

Sehr gering. Das sagen zumindest Airlines und der Flugzeughersteller Airbus. Der Grund: Die Luft zirkuliert in der Flugzeugkabine von oben nach unten. Dadurch werden die freigesetzten Tröpfchen aus der Atemluft in Richtung Kabinenboden gedrückt und fliegen nicht ins Gesicht des Sitznachbarn. "Die Wahrscheinlichkeit einer Infektionsübertragung via Luftstrom im Flugzeug ist entsprechend ebenso gering wie in einem Operationssaal in einer deutschen Klinik", schreibt die Fluggesellschaft Condor auf ihrer Website.

Jonas Schmidt-Chanasit (Imago/Teutopress)

Virologe Schmidt-Chanasit: "Reisen ohne Risiko gibt es nicht"

Virologe Jonas Schmidt-Chanasit findet diesen Vergleich nicht passend. Im Interview mit dem Deutschlandfunk sagt der Leiter des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin dazu: "Im OP liegen Sie normalerweise alleine auf dem OP-Tisch und es sind ein paar Ärzte um Sie." Im Flugzeug sei das ganz anders. "Das muss man schon ehrlich zugeben."

Selbst wenn eine gründliche Filterung der Luft stattfindet: Reisen ohne Risiko gebe nicht, so der Virologe. Je länger der Flug, desto größer sei auch die Ansteckungsgefahr. "Das heißt, ein kurzer Flug von einer Stunde ist deutlich zu unterscheiden von einem Flug nach Übersee zum Beispiel, der zehn Stunden geht, oder auch schon auf die Kanarischen Inseln mit vier, fünf Stunden", sagt Schmidt-Chanasit.

Werden Sitze freigelassen, um den Abstand zwischen Passagieren erhöhen?

Eine Sache dürfte inzwischen wohl jeder in den vergangenen Monaten gelernt haben: je größer der Abstand zwischen zwei Menschen, desto kleiner die Gefahr, das Coronavirus zu übertragen. Deshalb fordern einige Experten, die Mittelsitze oder gleich ganze Sitzreihen in Flugzeugen zu freizulassen.

Einsteigende Passagiere an Bord einer Swiss-Maschine in Genf (picture-alliance/S. Di Nolfi)

Einsteigende Passagiere an Bord einer Swiss-Maschine (in Genf): Kein Recht auf freien Nebensitz

Das empfiehlt auch die EU-Behörde für Luftfahrtsicherheit. Aber: Daran müssen sich die Fluggesellschaften nur halten, wenn es die Auslastung des Flugs zulässt. Heißt: Fluggäste haben kein Recht auf einen freien Nebensitz und der Mindestabstand von 1,5 Metern kann nicht immer gewährleistet werden.

Flugzeugforscher Dieter Scholz von der Hamburg University of Applied Sciences warnt deshalb davor, die Risiken von Flugreisen während der Corona-Krise zu unterschätzen. "Fliegen während der Pandemie kann zu einer zweiten Ansteckungswelle führen und die Ansteckungen würden sich dabei auch noch schnell über die ganze Welt verbreitet als zu Beginn der Pandemie."

Falls sich eine Flugreise dennoch nicht vermeiden lässt, empfiehlt Scholz, einen Sitzplatz in der letzten Reihe am Fenster buchen. Außerdem sollten Reisende während des Flugs nicht umhergehen und wenn möglich eine Maske mit Partikelfilter benutzen.

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