Skimo neu bei Olympia - wie funktioniert das Skibergsteigen?
18. Februar 2026
"Hier gibt es die perfekte Kombination aus bergauf quälen und bergab runterheizen", sagt Tatjana Paller über das Skibergsteigen, kurz Skimo, als Abkürzung der englischen Bezeichnung Ski Mountaineering. Die 30 Jahre alte Deutsche startet bei der Olympia-Premiere der Wintersportart im Sprint und im Mixed-Team.
Im vergangenen Jahr gewann Paller bei der Weltmeisterschaft in Morgins in der Schweiz Bronze im Sprint. Seit 2020 ist sie Skibergsteigerin, zuvor war sie als Juniorin eine durchaus erfolgreiche Radsportlerin auf der Bahn.
Es gebe durchaus Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Sportarten, sagt Paller. "Ausdauersport ist Ausdauersport. Entweder hat man einen Motor oder nicht. Aber Skibergsteigen ist noch einmal anstrengender. Beim Radfahren sitzt man wenigstens."
Trendsport Skitourengehen
Skimo ist die Wettkampf-Variante des Skitourengehens, das in den europäischen Alpen angesichts geradezu explodierender Liftpreise immer populärer wird. Der Deutsche Alpenverein , Deutschlands nationaler Bergsteiger-Verband, schätzt die Zahl der Skitourengeher allein in Deutschland auf mehr als 600.000, mehr als dreimal so viele wie noch zur Jahrtausendwende.
Auf einer klassischen Skitour in den Bergen benutzt man keinen Lift, sondern steigt selbständig auf Skiern auf und fährt hinterher ab, über unpräparierte Hänge. Inzwischen steigen jedoch auch viele am Rand von Skipisten auf und fahren dann über diese ab.
Spezialbindung auf, Fell unter den Skieren
Auf den Skiern sind spezielle Bindungen angebracht, die es beim Aufstieg ermöglichen, die Fersen anzuheben. Für die Abfahrt lassen sich die Fersen wie bei normalen Alpin-Skiern mittels Bindung arretieren.
Damit die Ski beim Bergaufsteigen nicht zurückrutschen, befestigt man unter ihnen Steigfelle aus Synthetik- oder Naturfasern, die entweder geklebt werden oder von selbst an den Skiern haften. Ist man oben angekommen, entfernt man die Felle und kann abfahren.
Inzwischen gibt es auch sogenannte Hybridfelle. Sie halten fast so gut wie Klebefelle, lassen sich aber so einfach befestigen wie haftende Felle. "Für Sprint und Mixed-Staffel verwende ich Hybridfelle, weil man sie schnell abziehen kann", erklärt Tatjana Paller. Die Prozedur dauert nur wenigen Sekunden.
Leichte, schmale Skier
Die Skier, die bergauf auf dem Rücken getragen werden, wiegen zwischen 700 und 800 Gramm und sind damit extrem leicht. Außerdem sind sie breiter als Langlauf-, aber schmaler als normale Alpinski: in der Mitte rund 6,5 Zentimeter. Die Mindestlänge der Skier liegt bei den Frauen bei 1,50 Meter, bei den Männer bei 1,60 Meter.
Im Sprint wartet in Bormio ein 610 Meter langer Kurs auf die Aktiven, 70 Höhenmeter sind bergauf zu überwinden. Das Rennen gliedert sich
- in den Aufstieg auf Skiern,
- eine Tragepassage, in der die Aktiven, mit ihren Skiern auf dem Rucksack, eine Treppe hinaufsteigen müssen,
- eine weitere kurze Aufstiegsphase
- die abschließende Abfahrt, bei der die Tore etwa im Abstand wie bei einem alpinen Riesenslalom gesteckt sind.
Schnelligkeit und Taktik
Entscheidend sind die Wechselphasen, bei denen jede Sekunde zählt. Eine Runde dauert zwischen 2:30 und 3:30 Minuten. In den Läufen treten je sechs Aktive gegeneinander an. Die zwei Schnellsten kommen eine Runde weiter.
Bei der Mixed-Staffel absolvieren pro Team eine Athletin und ein Athlet abwechselnd je zwei Runden. Dabei kommt es auch nicht nur auf Schnelligkeit, sondern auch auf die richtige Taktik und gute Teamarbeit an.
"Wir pushen uns ganz gut", sagt Tatjana Paller, die in der Staffel mit dem 23 Jahre alten Finn Hösch antritt. Sie seien gute Einzelsportler, ergänzt Hösch. "Aber es ist eine andere Drucksituation, wenn man weiß, dass man nicht nur das eigene, sondern das gemeinsame Ergebnis beeinflusst."
Erste Weltmeisterschaft im Jahr 2002
Die Wurzeln der Sportart liegen schon mehr als hundert Jahre zurück. Einer der Vorläufer war die 1924 bei den ersten Olympischen Winterspielen in Chamonix erstmals olympische sogenannte Militärpatrouille. Dabei mussten vierköpfige Teams - in Uniform und mit Gepäck im Rucksack - auf Skiern einen 30 Kilometer langen Kurs mit erheblichen Steigungen absolvieren und anschließend noch auf Zielscheiben schießen - ähnlich wie heute beim Biathlon.
Das Skimo in seiner modernen Ausprägung ist dagegen noch relativ jung. 2002, im Internationalen Jahr der Berge, wurden erstmals Weltmeisterschaften ausgetragen, 2004 feierte der Weltcup seine Premiere.
Distanzwettbewerbe noch nicht olympisch
Im Skimo gibt es insgesamt vier Disziplinen, doch nur in den beiden schnellsten werden in dieser Woche in Bormio Medaillen vergeben: im Sprint der Frauen und Männer am Donnerstag, in der Mixed-Staffel am Samstag.
Die beiden anderen Disziplinen sind noch nicht olympisch: das sogenannte Individual, mit bis zu 1900 Höhenmetern bergauf die längste Wettkampfdistanz, sowie das Vertical, wo es nur einen lange Aufstieg und keine Abfahrt gibt.
"Das ursprüngliche Skibergsteigen ist ja das längere. Deshalb kann ich alle verstehen, die Distanz-Wettbewerbe im olympischen Programm vermissen", sagt Sprintspezialistin Paller. "Aber für uns war es ein Glücksfall, dass die Sprintwettbewerbe ausgewählt wurden."
Ob Skimo auch bei den nächsten Winterspielen 2030 in den französischen Alpen olympisch sein wird, ist zwar noch nicht entschieden, angesichts des Skitouren-Booms aber wahrscheinlich.