Skeleton-Olympiasieger Christopher Grotheer: Von der Schanze in den Eiskanal | Sport | DW | 11.02.2022
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Olympia-Porträt

Skeleton-Olympiasieger Christopher Grotheer: Von der Schanze in den Eiskanal

Überlegen sichert sich der deutsche Skeleton-Doppelweltmeister in Peking auch den Olympiasieg. Der 30-Jährige hat sein Leben lang auf den großen Erfolg hingearbeitet, wenn auch zunächst in einer anderen Wintersporart.

Skeleton-Olympiasieger Christopher Grotheer jubelt mit zwei geballten Fäusten

Eine Last fällt ab: Christopher Grotheer rettet seinen Vorsprung ins Ziel und gewinnt Gold

Wäre Christopher Grotheer als Jugendlicher nicht irgendwann immer größer und schwerer geworden - wer weiß, vielleicht wäre er jetzt nicht Olympiasieger. Bis 2007 war der Goldmedaillengewinner im Skeleton nämlich noch nicht mit dem Kopf voraus im Eiskanal unterwegs, sondern bereitete sich am Sportgymnasium in Oberhof auf eine Karriere im Skispringen vor. Als er in der Entwicklung stagnierte, war es ein Glück, dass im kleinen Wintersportort Oberhof Skisprungschanze und Bobbahn nicht weit voneinander entfernt sind.

"Nachdem die Perspektive nicht mehr so gegeben war, riet mir mein damaliger Trainer dazu, doch einfach mal den Aufnahmetest beim Skeleton zu machen, da ich athletisch immer einer der Besten in meiner Trainingsgruppe war", erzählte Grotheer vor einiger Zeit in einem Interview mit dem Deutschen Polizeisportkuratorium (DPSK). "Ich habe den Aufnahmetest bestanden und nach den ersten Fahrten auf der Bahn hat mich der Sport gepackt und ich bin dabeigeblieben."

Selbstbewusst nach zwei WM-Titeln

Und nun steht er auf dem Olympia-Gipfel. Dass er sich irgendwann einmal im Sport durchsetzen würde, war Grotheer schon früh klar, und er war bereit, Opfer dafür zu bringen. "Er war schon als Kind sehr akribisch und hat sehr hart gearbeitet", sagte Grotheers ehemaliger Skisprung-Jugendtrainer Karl-Heinz Hähnel vom Skiklub Wernigerode kurz nach dem großen Erfolg seines ehemaligen Schützlings in der ARD. Schon im Alter von zwölf Jahren verließ Grotheer sein Elternhaus im Harz und zog in das etwa 200 Kilometer entfernte Ski-Internat in Oberhof - damals noch mit dem Plan, den Skisprung-Idolen Sven Hannawald und Martin Schmitt nachzueifern.

Nach seinem Abitur, damals bereits im Nachwuchskader der Skeletonis, schloss Grotheer sich zunächst der Bundeswehr an, wechselte nach einiger Zeit aber zur Landespolizei Thüringens, um mit deren Sportfördergruppe wieder am gewohnten Standort Oberhof trainieren zu können.

Skeleton-Weltmeister Christopher Grotheer lächelt mit Pokal in der Hand und Medaille um den Hals

Erster ganz großer Erfolg: 2020 freut sich Christopher Grotheer über den Weltmeistertitel

Seit November 2012 startet Grotheer, der mit einem "Kampfgewicht" von 83 Kilogramm verteilt auf 180 Zentimeter Körpergröße mittlerweile wirklich nicht mehr viel mit einem Skispringer gemein hat, im Weltcup. Es hat sich längst gezeigt, dass der Wechsel von der Schanze in den Eiskanal die richtige Entscheidung war: Nach zwei Skeleton-Weltmeistertiteln im Einzel 2020 und 2021 kommt der Olympiasieg in Peking nicht mehr völlig überraschend. Mit den beiden Siegen bei Großereignissen im Rücken ist der 30-Jährige von Anfang an viel selbstbewusster in die olympische Saison gegangen, als das in früheren Jahren möglicherweise der Fall war. "Die beiden WM-Titel haben mir viel Sicherheit gegeben", sagte Grotheer und formulierte schon vor den Spielen von Peking ein klares Ziel: "Ich möchte eine Olympia-Medaille gewinnen."

Erste Olympia-Medaillen für deutsche Männer

Dieses Ziel hat er erreicht und ganz nebenbei noch den "Medaillenfluch" der deutschen Skeletonfahrer besiegt: Zwar waren die Deutschen bei Europa- und Weltmeisterschaften stets erfolgreich, doch bei den Olympischen Spielen, wo zunächst nur 1928 und 1948 Skeleton gefahren wurde, bevor die Disziplin 2002 wieder ins Olympiaprogramm zurückgeholt wurde, gab es bis zum historischen Doppelsieg von Grotheer und Teamkollege Axel Jungk keine einzige Medaille. Das hat sich nun geändert. Auch dank des glücklichen Umstands, dass es vor 15 Jahren einige Skispringer gab, die deutlich bessere Voraussetzungen hatten als Christopher Grotheer.

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