Simbabwe verliert vier Minister durch COVID-19 | Aktuell Afrika | DW | 23.01.2021
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Coronavirus

Simbabwe verliert vier Minister durch COVID-19

Die Pandemie wütet tödlich - auch in den Reihen der Regierung. Das Virus bringt das marode Gesundheitssystem an seine Grenzen. Kritiker stehen unter Druck.

Sargträger warten auf die Leichname verstorbener Minister

Sargträger in Schutzkleidung: Warten auf die Särge mit an Corona verstorbenen Regierungsmitgliedern

Innerhalb weniger Tage hat die Regierung in Simbabwe mehrere Minister durch das Coronavirus verloren. Kurz nach Außenminister Sibusiso Moyo starb auch Verkehrsminister Joel Matiza an COVID-19. Mitte Januar war bereits die Ministerin für Angelegenheiten der Provinz Manicaland, Ellen Gwaradzimba, den Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion erlegen. Der Tod von Agrarminister Perrance Shiri war bereits im Juli gemeldet worden.

Laut unbestätigten Medienberichten sollen mehrere weitere Kabinettsmitglieder in einer Privatklinik mit dem Tode ringen. "Wir befinden uns in einer düsteren Wolke, die wir baldmöglichst loswerden müssen", sagte der stellvertretende Gesundheitsminister John Mangwiro der Deutschen Presse-Agentur. Er stellte in Aussicht, den Anfang Januar verhängten Lockdown mit Ausgangssperre nochmals zu verschärfen.

Restaurants und Bars sind geschlossen

Nach den bisherigen Bestimmungen dürfen die Menschen zwischen 18.00 und 6.00 Uhr (Ortszeit) ihre Häuser nicht verlassen. Bei Versammlungen sind maximal 30 Teilnehmer erlaubt. Restaurants, Bars und Sporthallen mussten schließen. Allerdings respektieren Mangwiro zufolge nicht alle Einwohner die Restriktionen.

Trauerzeremonie für Ministerin Ellen Gwaradzimba

Trauerzeremonie für Ministerin Ellen Gwaradzimba

In Simbabwe wurden seit Beginn der Pandemie fast 1000 Corona-Tote offiziell registriert. Bei einer Bevölkerung von geschätzt 16 Millionen Menschen ist diese Zahl vergleichsweise niedrig. Dennoch bringt COVID-19 das ohnehin marode Gesundheitssystem in ernste Bedrängnis. In sozialen Medien wird vielfach beklagt, die Regierung verweigere dem Krankenhauspersonal Schutzkleidung und eine verlangte Gehaltserhöhung angesichts galoppierender Inflation. Bereits im Sommer hatten viele Ärzte, Schwestern und Pfleger deshalb gestreikt.

Bestechung in höchsten Kreisen

Der Investigativjournalist Hopewell Chin'ono hatte im Juni mutmaßliche Korruption bei der Beschaffung von Schutzausrüstung aufgedeckt, in die auch Regierungsmitglieder verwickelt sein sollen. Chin'ono wurde seither mehrfach festgenommen und verbrachte etliche Wochen im Gefängnis. Die politische Führung unter Präsident Emmerson Mnangagwa geht zunehmend repressiv gegen Kritiker vor. Mitte August hatte die katholische Bischofskonferenz in Simbabwe kritisiert, die Regierung betrachte jeden als Feind, der eine andere Meinung vertrete.

jj/wa (dpa, epd)